Kulturkommentar

Der Raum, der uns umgibt

Claudia Knauer
Apenrade/Aabenraa
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Foto: Ján Jakub Naništa/unsplash

Ein Kulturkommentar von Claudia Knauer, Büchereidirektorin des Verbandes Deutscher Büchereien Nordschleswig.

Es liegt tief in uns verankert, dass wir einen geschützten Raum brauchen. Zum einen, weil unser Fell in der Regel wenig ausgeprägt ist und wir ohne ein Dach über dem Kopf erfrieren würden. Unsere Vorräte würden nass, und wir wären bald vom Planeten getilgt.

Seitdem unsere Vorfahren in Höhlen Zuflucht suchten und irgendwann begannen, Hütten und dann Häuser zu bauen, hat sich viel getan. Der Vorteil der leicht gebauten Hütten – irgendwann waren auch die hässlichen verschwunden. Menschen wollen nämlich nicht nur einfach Schutz, sie wollen auch Schönheit und Kunst.

Die jüngste Forschung zeigt, dass auch der Neandertaler seine Höhlen mit Zeichnungen schmückte, die auf Selbstreflexion schließen lassen. Heute kann der Mensch Paläste von erschreckender Monstrosität bauen, ob man dabei an den Trump-Tower im dezenten Gold oder an riesige Einheitswohnblöcke wie in den Einfahrtschneisen in Berlin denkt, sei jedem selbst überlassen. Aber dass der Raum etwas mit den Menschen macht, wusste nicht nur Heinrich Zille.

Der schrieb: „Man kann mit einer Wohnung einen Menschen genau so töten wie mit einer Axt.“

Man kann mit einer guten Umgebung andererseits den Menschen positiv anregen. Mit guten Bibliotheksbauten zum Beispiel. Im Dokk1 in Aarhus finden die Besucher Bücher und Platz, ganz viel Platz, um dort zu sein. Fast aus allen Winkeln ist das Meer zu sehen. Licht strömt herein.

Genauso auch im Sonderburger Multikulturhaus. In der deutschen Bücherei stehen deshalb die Bücherreihen nicht dicht und hoch. Denn wenn man nicht gerade ein Grottenolm ist, dann sind Licht und Luft grundlegende Bedingungen für ein gutes Dasein.

Deshalb: Schafft euch ruhig ein bisschen Platz und lasst ihn auch anderen.

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