Leitartikel

Immer noch eins obendrauf

Jan Peters
Jan Peters Hauptredaktion
Apenrade/Aabenraa
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Nun fordern mehrere Organisationen den Schulen die Aufgabe zu überlassen, wie Jugendliche sich im Internet aufführen sollten. Doch es kann nicht die Lösung sein, einer Bildungseinrichtung, deren Augenmerk auf Bildung liegt, auch sämtliche Erziehungsaufgaben zu übertragen, meint Jan Peters.

Eine vierte Verurteilung hat jetzt einem 17-Jährigen 20 Tage Gefängnis auf Bewährung gebracht. Er hatte, ohne sich darüber im Klaren zu sein, wie er vor Gericht aussagte, im Internet Kinderpornos mit anderen geteilt. Er ist einer von 1.004 Jugendlichen, die deshalb von der Polizei angezeigt wurden und vor Gericht erscheinen mussten. Nun fordern mehrere Organisationen, darunter die Vereinigung der Gymnasiasten (Danske Gymnasieelevers Sammenslutning) und Red Barnet, den Schulen die Aufgabe zu überlassen, wie man sich im Internet aufführt.

Doch das ist nur eine Forderung von vielen an die Bildungseinrichtungen. Das überfordert Schulen, Lehrer und Schüler gleichermaßen. Schulen sollen neben der Vermittlung von fachlichem Wissen viele andere Aufgaben übernehmen. Dort stehen inzwischen, neben der Muttersprache, noch Englisch und Deutsch auf dem Stundenplan. Für die deutschen Schulen in Nordschleswig ist das noch keine schwierige Übung. Daneben heißt es jedoch weiter, dass die wissenschaftlichen Fächer wie Biologie und Physik noch stärker in den Fokus rücken sollen, um den Universitäten in diesen Fächern den Nachwuchs zu sichern.

Außerdem möchte die Wirtschaft Mitarbeiter haben, die teamfähig, geschäftstüchtig und beschlussfähig sind. Aus wissenschaftlicher Sicht ist es erwiesen, dass die künstlerisch-musischen Fächer sich positiv auf die Lernfähigkeit und Kreativität auswirken. Doch gerade diese Fächer werden zum Teil stiefmütterlich behandelt und verschwinden gerne vom Stundenplan – vor allem in den höheren Klassen. Dies ist nur eine Auswahl der Aufgaben, mit denen die Volksschulen zu kämpfen haben – und mit ihnen die vielen Lehrer, denen neben ihrem Lehr- und Erziehungsauftrag mehr und mehr administrative Aufgaben aufgebürdet werden.

Nicht zu vergessen dabei sind die Schüler, von denen mehr und mehr Stresssymptome entwickeln, weil sie durch die steigenden Anforderungen überfordert sind und dadurch unter anderem Depressionen und Angsterkrankungen entwickeln. Deren Zahl hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht.

Das Ende dessen, was Schule leisten soll, ist nicht absehbar. Doch es kann nicht die Lösung sein, einer Bildungseinrichtung, deren Augenmerk auf Bildung liegt, auch sämtliche Erziehungsaufgaben zu übertragen. Ein großer Teil Erziehung sollte sich im Rahmen der Familie abspielen. Eltern sollten Werte vermitteln, die es den jungen Menschen möglich machen müssen, zu erkennen, was falsch und richtig ist – und dass es eben nicht richtig ist, ja sogar menschenverachtend, Nacktbilder anderer zu verbreiten.

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