Leitartikel

Ohne Handy bessere Noten

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Handyverbote an Schulen tragen zunehmend Früchte. Die Noten der Schüler werden dadurch nachweislich besser. Man muss nicht jede neue Technik „umarmen“, sondern kann auch schon mal mehr als eine Armlänge Abstand halten. Und vielleicht können sogar die Eltern etwas dazulernen, denn immerhin haben sich die Kinder ihr Verhalten bei ihnen abgeschaut, meint Gwyn Nissen.

Erinnern Sie sich noch an die Schule „Skolen på Grundtvigsvej“ im Kopenhagener Ortsteil Frederiksberg? Aber vielleicht erinnern Sie sich an die Schule, die nach den Herbstferien im letzten Jahr ein komplettes Handyverbot einführte. Genau, es war die Schule an der Straße eines der größten dänischen Denker – nur dass hier niemand an Grundtvig dachte, sondern an Samsung, Nokia, Apple und Co.

Die Zeitung Politiken hat die Schule, die im Herbst wegen des Verbotes in aller Munde war, besucht, und Schulleiterin Lise Ammitzbøll la Cour ist überzeugt, dass das Verbot ein Erfolg ist. Vorher hatte die Schule alle Möglichkeiten ausprobiert, die Handys der Schüler im Unterreicht mit einzubeziehen, aber manchmal reichten die besten Intentionen eben nicht aus. Die Schüler konnten sich von ihren Telefonen nicht losreißen, waren im Unterricht unaufmerksam. Aber auch in den Pausen waren die Smartphones ein Problem: Die Kinder starrten auf ihre Schirme, interagierten nur in den sozialen Medien.
Heute spielen sie wieder, haben das Gemeinschaftsgefühl wiederentdeckt und „überhaupt, seit wann ist es ein Menschenrecht, auf Facebook sein zu müssen“, fragt la Cour, die vor einigen Monaten in der Schulverwaltung noch stramm stehen und sich ihren Chefs gegenüber erklären musste.

Nun scheint die Schule am Grundtvigsvej eine Art Vorreiter zu werden. Denn in einer Meinungsumfrage von TV2 und Politiken stellt das Institut Megafon fest, dass acht von zehn Dänen für ein Handyverbot an Schulen sind. Dabei waren gerade die Eltern das größte Problem an der Frederiksberg-Schule, denn sie konnten plötzlich nicht in der Schulzeit (= im Unterricht) Absprachen mit ihren Kindern treffen. Jetzt müssen sie warten, bis am Ende des Schultages die Mobiltelefone wieder aus dem Schrank geholt und angeschaltet werden.

Vor einigen Jahren habe ich mich an dieser Stelle noch gegen ein Handyverbot ausgesprochen, doch die Argumente sprechen dafür: Eine britische Studie zeigt, dass die Zensuren nach einem Mobilverbot im Durchschnitt 14 Prozent besser werden – und die schwächsten Schüler verbessern sich am meisten.

Außerdem macht der dänische Neurologe Jens D. Mikkelsen darauf aufmerksam, dass unser Gehirn eine begrenzte Aufnahmefähigkeit hat: „Die Telefone füllen unsere Arbeitskapazität mit unnötigen und irrelevanten Informationen.“

Am Grundtvigsvej lesen die Kinder wieder Bücher, sie spielen, sie sind füreinander da. Live sozusagen. Vielleicht muss man wirklich nicht jede „neue“ Technik umarmen, sondern kann auch schon Mal mehr als eine Armlänge Abstand halten. Und vielleicht können wir Eltern sogar etwas dazulernen, denn immerhin haben sich die Kinder ihr Verhalten bei uns abgeschaut.


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