Leitartikel

Ran an den Speck!

Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Globus
Selten gab es für die Minderheiten die Chance, so vieles auf einen Schlag zu ändern. Foto: Slava Bowman/Unsplash

Bei der Initiative Minority SafePack geht es um die Rechte der Minderheiten in der EU – und somit auch um die Sicherheit in Europa, meint Cornelius von Tiedemann. Dass in Nordschleswig bisher so wenige Unterschriften zusammengekommen sind, kann er nur schwer nachvollziehen. Schließlich sei die Initiative ein Geschenk für die Minderheit.

Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul, heißt es. Hier in Nordschleswig, scheint es, lassen wir derzeit gleich den ganzen Rappen stehen.

Vor sechs Wochen hat Gwyn Nissen an dieser Stelle auf die immense Bedeutung der europaweiten Unterschriftensammlung Minority SafePack auch für die deutsche Minderheit in Nordschleswig und für andere Minderheiten hingewiesen. Auch der BDN und andere Akteure in der deutschen Minderheit werden nicht müde, dafür zu werben, mit einer einfachen Unterschrift (oder ein Paar Klicks im Internet) eine Sache zu unterstützen, für die Menschen in ganz Europa – und an vorderster Front Hans Heinrich Hansen – jahrelang gekämpft haben.
Ihnen ist es sogar gelungen, sich gegen die EU-Kommission zu behaupten und sie dazu zu bringen, das Votum für die Anerkennung von Minderheitenrechten in der Europäischen Union ernst zu nehmen.

Und nun, rund sechs Wochen vor Ablauf der Frist, scheint es so, als würde ausgerechnet aus den Ländern, in denen es den Minderheiten besonders gut geht, die Unterstützung für dieses Geschenk, das sich die Minderheiten selbst machen könnten, ausbleiben. Aus der deutschen Minderheit in Nordschleswig habe es, so sagte es BDN-Koordinator Thore Naujeck gestern im Nordschleswiger, wahrscheinlich bisher nur um die 1.000 Unterschriften gegeben.

Es kann übrigens jeder unterschreiben, denn Minderheitenrechte sind keine reine Minderheitensache. Sie sichern Frieden und Stabilität auch für die Mehrheitsbevölkerungen. Wenn die Rechte von Minderheiten geschützt werden, werden Krisen und Auseinandersetzungen unwahrscheinlicher. Die Jugoslawienkriege, die Krimkrise, die noch immer ungelöste Frage eines Kurdenstaates, der Syrienkrieg und und und – überall spielten und spielen Minderheiten und ihre unsichere Situation eine zentrale, oft die maßgebliche Rolle. Auch die angespannte Lage in einigen osteuropäischen Ländern hat zum Teil mit Minderheitenfragen zu tun.

Wenn Minderheitenrechte in Brüssel verankert werden, wird sichergestellt, dass es zumindest innerhalb der EU keinen Grund mehr geben darf, seine Heimat zu verlassen oder sich zu radikalisieren, weil man sich von der Mehrheitsbevölkerung unterdrückt fühlt. Ein solcher europäischer Schritt hätte auch in den Nachbarregionen und weltweit Vorbildcharakter und kann dazu beitragen, einen der Hauptgründe für Fluchtbewegungen zu eleminieren.

Also, nicht nur jene, die sich um das Wohl der Minderheiten scheren – sondern auch alle, die die Sicherheit in Europa stärken wollen, sollten sich überlegen, die Initiative zu unterstützen – unter goo.gl/AnmFn9 im Internet oder auf Nachfrage beim BDN handschriftlich.
Viele Infos zum Thema gibt es auch bei uns unter nordschleswiger.dk/minderheitenpolitik.

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