Kultur

Bühne frei für Brygmann – und Verstärkung

Gesche Picolin
Gesche Picolin Journalistin
Apenrade/Aabenraa
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Maja Rudolph wird mit Martin Brygmann zusammen singen. Foto: Karin Riggelsen

Danmarks Underholdningsorkester und eine lokale Sängerin unterstützen Brygmann bei der Präsentation des Albums „Bates Delight“.

Noten lesen kann er zwar nicht – dennoch stellt Martin Brygmann Anfang März sein neues Album „Bates Delight“ in der Apenrader Sønderjyllandshalle vor. Gemeinsam mit Danmarks Underholdningsorkester sowie einer schwedischen Rhythmusgruppe. Das Album ist im September herausgekommen und von der dänischen Kritik bereits in den Himmel gelobt worden.

Brygmann ist bekannt als Schlagzeuger von unter anderem „Lars H.U.G.“ sowie als Komiker der Truppen „Lex & Klatten“ und „Det brune Punktum“. Und vom Julekalender 2009 von Danmarks Radio, „Jesus og Josefine“. Der Nordschleswiger traf den Tausendsassa zum Interview in der Sønderjyllandshalle.

Der Komponist

Martin Brygmann ist Komponist. Er schreibt seine Lieder und Texte selbst, und er singt. Allerdings ist er ein Musiker, der keine Noten lesen kann. Das habe er eben nie gelernt.

Im Vergleich zum blinden Stevie Wonder oder zu Ludwig van Beethoven, der mit der Zeit taub wurde, hat Brygmann somit Glück – er geht offenen Auges nach dem Klang. Denn einzelne Akkorde kann er spielen auf Gitarre und Klavier. „Und weil ich das nie wirklich gelernt habe, darf ich auch das ,Verbotene‘ spielen“, grinst er, und spielt an auf das, was in der Harmonielehre als unästhetisch gilt.

Brygmann sucht immer nach dem guten Klang, der guten Melodie. Als musikalische Vorbilder nennt er Burt Bacharach und Paul McCartney. „Die haben die tollen Melodien“, doch Brymanns sind auch nicht ohne, davon kann sich der geneigte Zuhörer auf dem neuen Album Bates Delight überzeugen.
Ein Mann mit so viel Musik im Körper kann sicher gut tanzen? „Nein“, räumt er ein. Doch dann überlegt er: „Obwohl ich sehr gute Koordination habe. Als Schlagzeuger machst du ja gleichzeitig mit jeder Hand und jedem Fuß was anderes ...“

Der Korkenzieher

Brygmanns Familie kommt mütterlicherseits aus Nordschleswig, aus der Gegend von Tandslet und Sommersted. Seine Beziehung zum Landesteil ist unter anderem die Erinnerung daran, dass er in Broacker einmal unabsichtlich einen Walnussbaum zerstört hat.

„Ich war ungefähr sechs Jahre alt“, erinnert sich Brygmann, „ich schraubte einen Korkenzieher in den Stamm eines Walnussbaums. Und als ich den wieder rausschraubte, da spritzte das Wasser nur so aus dem Stamm. Das hörte überhaupt nicht mehr auf. Da habe ich gelernt: Das darf man nicht machen. Der Baum hat es nicht überlebt.“

Denn das ist Brygmann auch: Nesthäkchen der Familie. Er stellt fest: „Ich bin ein typischer Nachzügler. Ich habe alles bekommen, alles war einfach für mich.“ Einer seiner Brüder ist der Schauspieler Lars Brygmann.

Der Komiker

Wann hat der heute 55-Jährige gemerkt, dass er ein komisches Talent hat? „Das war in der dritten Klasse. Damals war ich sehr schüchtern. Aber in der Dritten merkte ich, dass ich die anderen zum Lachen bringen kann.“ Und das ist für Brygmann das Schönste, das strahlt er aus.
Wann beschloss er, davon leben zu wollen? „Ich habe Schlagzeug gespielt vom 9. bis zum 26. Lebensjahr. Dann sollte ich auf einmal Vater werden! Vom Trommeln aber konnte ich nicht leben. Da beschloss ich von Sonntag auf Montag, mich als Komiker zu versuchen.“ Als Vorbilder nennt er Will Farrell, Jim Carey und Buster Keaton.

Gibt es für ihn etwas, worüber er keine Späße machen würde? Brygmann überlegt. „Nein“, sagt er dann. „Es geht um das WIE, und um Respekt.“ In seiner Freizeit ist er Hobby-Ornithologe.

Die Komplizin

Brygmann hat in Apenrade eine Komplizin gefunden, Maja Rudolph. Anfang Dezember hatte der beliebte Sänger über Facebook einen Wettbewerb ausgeschrieben, um in jeder der elf Städte seiner Tour mit jemandem Ortsansässigen das Duett aus „Jesus og Josefine“ zu singen. „Ich habe 600 Einsendungen bekommen“, erinnert er sich. Es musste nicht unbedingt eine Frau sein, und das Alter war auch nicht wichtig. „Die Person durfte nur nicht zu professionell sein.“

In Apenrade ist Maja Rudolph ausgewählt worden. Sie ist 26 Jahre alt und Mutter der fünfmonatigen Alma. Sie hat Martin Brygmann bis zum Interview in Apenrade nie getroffen. „Ich hatte ein Video eingeschickt, da konnte er mich singen hören“, so Rudolph. Das hat ihn überzeugt. Maja Rudolph ist bezaubernd, und eben nicht zu professionell. Obgleich sie eine Band hat – „Maja og de sarte sjæle“. Neugierige finden die Band auf Youtube.

Am Sonntag, 4. März, ist Majas großer Tag: Da singt sie zusammen mit Martin und Danmarks Underholdningsorkester auf der Bühne der Apenrader Sønderjyllandshalle. 29 Menschen werden auf der Bühne stehen, weiß Brygmann. Das Konzert beginnt um 16 Uhr.

Und wem das Konzert gefällt, der kann das Album auf CD, LP und als Gesamtpaket im attraktiven „Coffeetable-Book“ erstehen.

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