Fall Puigdemont

Festnahme von Carles Puigdemont: Wusste er vom Peilsender?

Eckhard Gehm/shz.de
Neumünster
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Carles Puigdemont Foto: dpa

Der ehemalige Regionalpräsident wurde überwacht. Doch wusste Puigdemont davon und inwieweit war seine Verhaftung Kalkül?

In Barcelona beratschlagen die Separatisten, ob sie Carles Puigdemont (55) nicht doch noch zum Präsidenten wählen. Seit seiner Festnahme ist Puigdemont wieder in den Schlagzeilen – politisch hätte ihm nichts Besseres passieren können.

Und so steht die Frage im Raum, ob Puigdemont seine Festnahme aus politischem Kalkül bewusst in Kauf genommen hat? In seinem Exil in Waterloo bei Brüssel war der Separatistenführer sicher. Spanien hatte den EU-Haftbefehl zurückgenommen, weil Rebellion in Belgien nicht unter Strafe steht. Aber anstatt zu bleiben, reiste Puigdemont. Zuletzt nach Finnland.

Für die Kalkül-Theorie spricht, dass er wusste, dass sein Wagen, ein Renault Espace, überwacht werden würde. Schon zwei Monate zuvor hatten seine Sicherheitsleute einen Peilsender an dem Auto gefunden, berichten spanische Medien.

Dagegen spricht, dass Puigdemont statt des geplanten Flugs die Fähre nach Stockholm nahm, als er erfuhr, dass die finnische Polizei ihn festnehmen wollte. Zwölf Beamte des spanischen Geheimdienstes und zehn Polizisten einer Spezialeinheit waren auf Puigdemont angesetzt. Sie orteten ihn über das Smartphone eines Begleiters. Und auf dem Weg von Schweden über Dänemark nach Deutschland klebte wieder ein GPS-Peilsender an seinem Wagen. Davon erfuhren die Polizei-Behörden der einzelnen Länder, durch die Puigdemont unterwegs war. Doch weder die schwedischen noch die dänischen Behörden reagierten, erst die deutsche Polizei schlug zu.

Sollte Deutschland Puigdemont wegen Rebellion beziehungsweise Hochverrats ausliefern, drohen ihm dafür mindestens 15 Jahre Haft. Wenn aber nicht, dann könnte Spanien dem Separatistenführer deswegen auch nicht anklagen. Puigdemont hat vor dem Obersten Gerichtshof Spaniens dem Vorwurf der Rebellion bereits widersprochen, und ließ über seinen Account twittern: „Damit das für alle klar ist: Ich werde nicht aufgeben. Ich werde nicht vor den unrechtmäßigen Handlungen derjenigen zurückweichen, die an den Urnen verloren haben.“

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