Leitartikel

Gesprächs-Bänke an Damm und Dom – auch für Politiker

Peter Lassen
Peter Lassen Hauptredaktion
Hadersleben
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Die Kommune Hadersleben hat Bänke mit der Aufschrift „Gesprächs-Bank“ aufgestellt, um die Menschen plaudern zu animieren. Auch Politiker sollten sich die Zeit nehmen, sich dort einmal hinzusetzen und sich ohne Wahlkampf-Hintergedanken wirklich mal anhören, was den Mann oder die Frau auf der Straße so juckt, meint Peter Lassen.

Die Kommune Hadersleben hat auf Anregung von Bürgern, die sich insbesondere für Service-Verbesserungen im Altenbereich einsetzen, an Sitz-Bänken im Stadtbild um Dom und Damm Säulen mit der nicht zu übersehenden Aufschrift „Samtalebænk“ (Gesprächs-Bank) aufgestellt. Ein Wink mit dem Zaunpfahl an alle insbesondere auch an schüchterne oder einsame Bürger, sich dort mal zu setzen und das Gespräch zu suchen mit einem wildfremden Mitmenschen. Die Initiatoren hoffen so, dass neue Bekannt- oder gar Freundschaften entstehen – dass Menschen verstärkt zueinander finden. Und nicht nur, wenn es weihnachtet.

Wenn man vom niedlichen Hund an der Leine geführt wird, kommen andere Hundebesitzer(innen) oder Kinderfamilien von allein auf einen zu und suchen unaufgefordert den Kontakt. Man verheddert sich auch häufig in der Leine und wird so zwangsweise verbunden – und „schnackt“.
Wenn man im Straßencafé sitzt, ist es auch völlig normal, dass man sich mal mit den netten Menschen am Nachbartisch unterhält.

In der Schlange am Supermarkt oder beim Schlachter vertreibt man sich auch gerne die Zeit mit einem kleinen Dialog mit Wildfremden, sofern man das Gespür dafür hat, dass die Chemie passt.

Aber es gibt im Stadtbild viele Menschen, die bei diesem Thema im übertragenen Sinn auf den Hund gekommen sind. Sie suchen und finden den Kontakt nicht so leicht, und da kann eine GesprächsBank vielleicht Abhilfe schaffen und den letzten Anstoß geben. Die Bänke stehen schon ewig an ihrem Platz, aber man sieht immer wieder, wie Menschen darauf sitzen und sich völlig fremd bleiben. Ein Blick auf die Säule mit dem Text „Gesprächs-Bank“ soll laut kommunaler Anleitung klarstellen, dass es erlaubt ist, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Kommunale Verbote und Richtlinien gibt es zuhauf, aber diese kommt durchweg gut an an Damm und Dom. Mag sein, dass das auch in der Kommunalpolitik Schule machen könnte.

Was, wenn die Politiker sich die Zeit nehmen, sich dort mal hinzusetzen und sich ohne Wahlkampf-Hintergedanken wirklich mal anhören, was den Mann oder die Frau auf der Straße so juckt. Oder man könnte sich nach der etwas verkorksten Konstituierung auch untereinander mal auf so eine Bank setzen, um wirklich den Dialog zu suchen.

Für relativ wenig Geld hat die Kommune da ein Zeichen gesetzt: Sprecht miteinander – auch wenn ihr es nicht müsst. Das ist übrigens auch auf nicht ausgewiesenen Gesprächs-Bänken erlaubt.

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