Ex-Polizist Peter Baum

„Es ist nicht mehr die Polizei, bei der ich mich damals beworben habe“

Ilse Marie Jacobsen
Ilse Marie Jacobsen Journalistin
Sonderburg/Sønderborg
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Peter Baum
Peter Baum in der Wohnanlage für Autisten in der Damgade. Foto: Ilse Marie Jacobsen

Der Sonderburger Polizist Peter Baum hat nach Jahrzehnten im Polizeidienst einen neuen Weg eingeschlagen. Seit Januar leitet er eine Wohnanlage für Behinderte und Autisten.

26 Jahre lang hat Peter Baum (48) im Dienste der Polizei für Ruhe und Ordnung gesorgt – seit 2004 in verschiedenen leitenden Funktionen. Aber seine Karriere als „Polizei – dein Freund und Helfer“ ist seit Kurzem vorbei. Peter Baum hat gekündigt.

Er hat seine Uniform, seine Marke und seine Waffe abgeliefert. Er hat einen endgültigen Schlussstrich unter sein Polizistendasein gezogen. Im Januar trat der erfahrene Polizist eine neue Stellung als Abteilungsleiter von drei kommunalen Wohnanlagen für Behinderte und Autisten an. Er trägt die übergeordnete Verantwortung, dass die Ansprüche der jeweiligen Bewohner erfüllt werden.

Die erste Bewerbung zu schreiben, war merkwürdig

„Und das habe ich überhaupt nicht bereut“, gibt der Kenner der kriminellen Sonderburger Unterwelt lächelnd zu. Er war schon immer gründlich, und er hat eine gute Nase, wenn es um Gesetzwidrigkeiten geht. Seine Uniform abliefern zu müssen, war eigentlich nicht so schwer.

„Aber die erste Bewerbung zu schreiben, das war sehr merkwürdig. Ich dachte ja, dass ich einmal als Polizist in Rente gehen würde. Ich kam sofort zu einem Bewerbungsgespräch – die Stellung erhielt ich aber nicht. Aber auch hier kam ich sofort zu einem Gespräch. Als ich dann beglückwünscht wurde, dann war es das“, erklärt Peter Baum und lächelt.

„Viele der Dinge, für die ich gebrannt habe, sind weggespart worden“

Er hat aus verschiedenen Gründen einen neuen Weg eingeschlagen. „Es ist heute überhaupt nicht die Polizei, bei der ich mich seinerzeit beworben habe. Es sind viele neue Aufgaben hinzugekommen. Und viele der Dinge, für die ich gebrannt habe, sind weggespart worden. Ich habe immer gern mit der Vorbeugung gearbeitet. Heute sind die Ressourcen knapp, und es wurden einige Sachen weggespart. Zum Beispiel die Parkprojekte, wie das in Kløvermarken. Heute gibt es eine Erwartung, dass die Polizisten so und so viele Sachen notieren. Verkehrsangelegenheiten dürfen nicht abgewertet werden, aber das war nie meine Herzensangelegenheit“, erklärt Peter Baum.

„Das, was wir eigentlich müssten, dafür gibt es heute weniger Zeit“, stellt der langjährige Polizist fest. Er hat schon immer für Sicherheit sorgen wollen.

Hinzu kam für Peter Baum eine Versetzung nach Hadersleben. Dort hätte er seit Jahreswechsel Leiter des Streifendiensts werden sollen. Aber das gab ihm den letzten Stoß.

„Eigentlich ist es ja ganz gut, aus der Komfortzone herauszukommen. Wäre es eine Aufgabe gewesen, die mir viel bedeutete, dann hätte ich das auch getan. Aber ich bin ja ein früherer Kriminalbeamter. Wieder Streifendienst machen – das war einfach nicht mein Ding“, sagt Peter Baum.

Niemand aus der Chefetage dankte Baum – nach 26 Jahren Polizeidienst

Die Kündigung war kein Problem. Man schickt der internen Personalabteilung der Polizei eine Mail. Es kommt keiner von der Chefetage und bedankt sich für die vielen Jahre, wie Baum feststellt.

Polizist war nicht immer sein größter Wunsch. „Eigentlich wollte ich ja Rechtsanwalt werden. Später war es Offizier. Ich hatte aber einen Schwager, der zur Polizei kam. Er riet mir, mich zu bewerben. Das passt ja eigentlich auch sehr gut zu mir. Ich verabscheue Ungerechtigkeit und Gewalt“, so Peter Baum. Nach knapp fünf Jahren auf Seeland kam der Sonderburger im Juni 1995 wieder in seine Heimatstadt zurück, obwohl er überhaupt nicht mit einer solchen Versetzung zurück nach Sonderburg rechnen durfte.

Er war in Sonderburg bis 2004, als er nach einigen Jahren als Vizekommissar einen Chefposten in der Polizei- und Zollgruppe in Pattburg übernahm. 2007 wechselte er im Zuge der damaligen Reform wieder nach Sonderburg zurück.

„Mir hat die Polizei keinen Tag gefehlt“

Seine Entscheidung, die Polizei zu verlassen, hat er nicht bereut. „Mir hat die Polizei keinen Tag gefehlt. Es gab keinen Morgen, wo ich lieber zur Polizeiwache gefahren wäre. Meine Einstellung ist eigentlich immer noch die Gleiche. Ich vermisse aber keine meiner früheren Arbeitsaufgaben. Das hier ist ja auch immer noch neu und spannend“, gibt Peter Baum zu. Er hat sich von der Polizei nicht beurlauben lassen, sondern hat gekündigt.

Er wollte in den kommenden Jahren einfach etwas machen, was ihm selbst viel bedeutet. In seiner heutigen Funktion ist er übergeordneter Coach und sieht die Dinge wahrscheinlich aus einem etwas anderen Winkel. Und so ist Peter Baum eigentlich wieder das, was er schon immer gern wollte: er ist Freund und Helfer. Heute aber eben nur auf etwas andere Weise.

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