Deutsche Minderheit

Seit 40 Jahren für die Lehrer da

Jan Peters
Jan Peters Hauptredaktion
Apenrade/Aabenraa
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Helga Jørgensen
Helga Jørgensen in ihrem Büro im Haus Nordschleswig. Foto: Karin Riggelsen

Vieles hat Helga Jørgensen in der Geschäftsstelle des Deutschen Schul- und Sprachvereins für Nordschleswig erlebt – Schulräte, Umzüge und auch zugefrorene Fenster.

An ihren ersten Tag in der Geschäftsstelle des Deutschen Schul- und Sprachvereins (DSSV) kann sich Helga Jørgensen noch gut erinnern. „Das Büro war im Obergeschoss des Deutschen Kindergartens Jürgensgard in Apenrade untergebracht, und ich saß dort in einem kleinen Raum zusammen mit dem früheren DSSV-Prokuristen Helmut Wolffhechel. Der Schreibtisch lehnte gegen die Heizung, damit er nicht umfiel“, berichtet Helga Jørgensen und lacht über die Erinnerung. Über 40 Jahre ist das her, und kürzlich wurde ihr Jubiläum gefeiert.

Nette Besprechungen

Im Alter von 20 Jahren hat sie die Stelle beim DSSV bekommen. Frau Berg, ihre Vorgängerin hat sie noch einige Monate eingearbeitet, bevor sie auf sich selbst gestellt war. „Meine erste Aufgabe, war es, aus dem Nordschleswiger die Todesanzeigen auszuschneiden, die gesammelt werden mussten“, berichtet sie von ihrem ersten Tag in der Geschäftsstelle. Damals war der Schulrat noch Peter Jessen Sönnichsen. „Wir hatten zwar nicht viel Platz, aber schön war, dass alles in unserem Büro besprochen wurde, was anlag. Dann gab es auch schon mal Kaffee und Kuchen, wenn wir eine unserer Besprechungen hatten“, schmunzelt sie.

Doch das Haus am Jürgensgaard, in dem auch heute noch der deutsche Kindergarten untergebracht ist, hatte es in sich. „Besonders im Winter. Dann war es zum Teil bitterkalt, und ich habe im Mantel bei der Arbeit gesessen. An den Fensterscheiben gefror das Wasser, und man konnte nicht hinaussehen“, berichtet die Jubilarin. „Wir hatten einfach kein Geld, um bei uns zu isolieren, geschweige denn die Räume zu renovieren, denn das Geld sollte damals voll und ganz den Schulen zugutekommen“, erklärt Helga Jørgensen.

Veränderte Arbeit

Das änderte sich jedoch mit dem Umzug der DSSV-Geschäftsstelle in die Ramsharde im Jahr 1994. Dort standen schöne große Räume zur Verfügung. „Und die brauchten wir auch, denn wir wurden durch den Ausbau der Buchhaltung und des Schulpsychologischen Dienstes mehr Angestellte“, so die Rothenkrugerin.

Doch vor dem Umzug kam das Aufräumen. Archivierte Akten mussten gesichtet, sortiert und verpackt werden. „Dabei machte ich einen ungewöhnlichen Fund“, erinnert sie Helga Jørgensen. „In einem Pappkarton lag, in Seidenpapier eingehüllt, die Totenmaske des Malers Niko Wölck“, erzählt sie mit einem leichten Schaudern. Wie die dorthin kam, dafür wurde bisher keine Erklärung gefunden.

In ihrer Zeit bei der DSSV-Geschäftsstelle veränderten sich noch weitere Dinge. So gab es ab Anfang der 1980er Jahre eine Kopiermaschine. „Das war eine große Arbeitserleichterung, und vor allem Schulrat Sönnichsen war begeistert, denn so konnten wir Schulmaterial selbst herstellen und vervielfältigen“, erzählt sie. Neben der Maschinisierung hielt auch die Digitalisierung Einzug. Der erste Computer wurde für den Fachberater für die Kindergärten, Klaus Jensen, angeschafft. Weitere folgten.

Ihr Interesse für die Ahnenforschung entdeckte die beliebte Mitarbeiterin bei ihrer Arbeit. „Ich tippte eine Buch über die Schulgeschichte des Kirchspiels Tingleff ab und las es Korrektur. Dadurch wurde mir bewusst, welche Bedeutung die Geschichte hat, und ich habe viele Zusammenhänge entdeckt“, erklärt sie.

Kennt die Lehrer

Helga Jørgensens Hauptaufgabe besteht in der Verwaltung der Akten der Lehrer des DSSV. Dabei ist ihr jeder Pädagoge – zumindest aus den Akten – bekannt. „Von der ersten Bewerbung über Anstellungsgespräche, Verbeamtung bis hin zur Pensionierung und sogar dem Tod verfolge ich ,meine‘ Lehrer“, sagt sie. Sie freut sich denn auch über jeden Anruf. Besonders den Kontakt zu den pensionierten Lehrern findet sie spannend.

Viele der Pädagogen kennen die Stimme Helga Jørgensens durch Telefongespräche mit ihr, denn bei ihr landen die DSSV-Angestellten, wenn es um Sachen geht, die mit dem schleswig-holsteinischen Bildungsministerium zu tun haben.

Allerdings sind die Anrufe im Laufe der Zeit weniger geworden, denn „heute läuft vieles über das Internet, und es sind viel mehr E-Mails als Anrufe, die ich bekomme. Das ist der Zahn der Zeit“, ist Helga Jørgensen ein wenig enttäuscht, denn obwohl sie viele der Lehrer nur vom Papier her kennt, weiß sie doch, um wen es sich handelt, wenn sich der Betroffene am Telefon meldet und seinen Namen nennt.

Eigenes Büro

Mit dem Anbau des Hauses Nordschleswig kündigte sich ein weiterer Umzug der DSSV-Geschäftsstelle an und damit auch für Helga Jørgensen.

„Nach zwölf Jahren in der Ramsharde ging es im Mai 2006 ins Haus Nordschleswig. Das war für uns auch notwendig, denn die Finanzen der Kindergärten und Schulen wurden zum großen Teil zentral bei uns verwaltet und nicht mehr von den Einrichtungen selbst. Das heißt, es gab mehr Mitarbeiter in der Geschäftsstelle, und wieder musste alles gepackt werden. Kästenweise Akten kamen dabei zusammen, die nun alle im Archiv im Haus lagern“, berichtet sie.

Im kleinen Kreis

Mit inzwischen drei Schulräten hat Helga Jørgensen zusammengearbeitet. „Bis 1987 war das Peter Jessen Sönnichsen, bis 2002 Franz Christiansen und bis heute Claus Diedrichsen. Ich war immer ein wenig traurig, wenn es zu einem Abschied kam“, berichtet Helga Jørgensen, der, wie sie sagt, die Umstellung auf einen neuen Schulrat allerdings nicht schwer fiel.
Auf Wunsch in kleinem Kreis wurde das Jubiläum in der Krusmølle gefeiert. Das wollte sie gern so haben, erklärt sie bescheiden. „Es soll nicht so viel Aufhebens um mich gemacht werden“, findet sie.

Von Schulrat Claus Diedrichsen erhielt Helga Jørgensen eine Urkunde und einen Blumsenstrauß überreicht, und der DSSV-Vorsitzende Welm Friedrichsen überreichte im Namen der Kollegen und Mitarbeiter ein Geschenk, „über das ich mich sehr gefreut habe“, wie sie erklärt.

Zur Person: Helga Jørgensen

Aufgewachsen ist Helga Jørgensen in Rapstedt, sie besuchte dort die deutsche Schule und wechselte später auf die Deutsche Schule Tingleff. Es folgte ein Jahr an der Handelsschule in Tondern sowie die Ausbildung in einem Rechtsanwaltsbüro in Lügumkloster, wo sie 1977 die Lehre abschloss. Im Januar 1978 begann Helga Jørgensen im Alter von 20 Jahren bei der Geschäftstelle des Deutschen Schul- und Sprachvereins. Sie ist verheiratet mit Helmut. Die beiden haben einen Sohn, Jacob, der 26 Jahre alt ist. Zu ihren Hobbys gehört neben dem Fahrradfahren, Fitness, Musik und die Ahnenforschung.

Im Haus Nordschleswig sorgt Helga Jørgensen für Bewegung, denn sie setzt sich dafür ein, dass die Büroarbeit unter anderem durch bewegte Pausen unterbrochen wird.

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