Deutsche Minderheit

Deutsche Büchereien: 4.143 Nutzer, 248.000 Ausleihen

Sara Wasmund
Sara Wasmund Hauptredaktion
Sonderburg/Sønderborg
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Büchereidirektorin Claudia Knauer legte Zahlen und Tendenzen vor. Foto: Sara Wasmund

Der Verband Deutscher Büchereien zog erstmals im neuen Standort in Sonderburg die Jahresbilanz: Pro Nutzer gab es 60 Ausleihen im vergangenen Jahr, deutlich mehr als im dänischen Schnitt.

Nicht jeder Verbandsvorstand hat das Luxusproblem, dass bei einer Generalversammlung die Stühle knapp werden und die Gäste zusätzliche Sitzgelegenheiten aus den neu gebauten Ecken und Enden der Räume herbeitragen.

Bei der Generalversammlung der Deutschen Büchereien Nordschleswig jedenfalls waren die Stühle bis über den letzten Platz hinaus besetzt. Praktisch, dass die neue Bücherei mit allerlei mobilen Sitzgruppen ausgestattet ist, sodass dann doch noch alle 40 Teilnehmer des Abends einen Platz finden konnten.

Erstmals fand die Generalversammlung im neuen Standort der Sonderburger Bücherei, im Multikulturhaus am Hafen, statt. Dass diese Tatsache einem „harten Kampf und einem langen, langen Weg“ geschuldet ist, ließ Büchereidirektorin Claudia Knauer Revue passieren. Sie zeigte in ihrem teils bebilderten Bericht, aus welch steinerner Bruchbude am Hafen der schöne Schwan Multikulturhaus entstehen konnte, in dem die dänische Bibliothek, die deutsche Bücherei und die Kunstschule ein gemeinsames Zuhause fanden.

Visionäre Denker, außerordentlicher Einsatz von Mitarbeitern, Dutzende Sitzungen – „das war eine fantastische Gemeinschaftsleistung, ein starker Einsatz, von engagierten Minderheitenmitgliedern bis hin zum Sonderburger Stadtrat“, erinnerte Claudia Knauer, die in ihrem Bericht auch die Kernzahlen des vergangenen Büchereien-Jahres für ganz Nordschleswig vorlegte.

„Wir haben kein Blei in unseren Regalen“

4.143 aktive Nutzer gab es 2017. Diese liehen aus einem Bestand von 143.392 Medien 248.000 physische Medien aus. „Das heißt, wir setzen unseren Bestand mehr als 1,7mal pro Jahr um und generieren pro Nutzer und Jahr 60 Einheiten. Das zeigt: Wir haben kein Blei in unseren Regalen. Sondern einen Bestand, der nachgefragt ist und ausgeliehen wird“, so Claudia Knauer.

Zum Vergleich: Durchschnittlich werden im Laufe eines Jahres pro Einwohner in Dänemark 11,3 Medien aus Bibliotheken entliehen. „Über ein Viertel der Mitglieder der deutschen Minderheit nutzt unser Angebot“, bilanzierte die Büchereidirektorin. Bei einem Personalschlüssel von 12,5 Stellen betreue jeder Mitarbeiter rund 20.000 Entleihungen.

So leisten die Mitarbeiter nicht nur seit und wegen des Umzugs ins Multikulturhaus einen starken und engagierten Einsatz. Die Bücherei in Sonderburg ist jedoch durch die neuen Öffnungszeiten und den starken Nutzerandrang besonders gefordert. Umso mehr erweisen sich die nunmehr in allen Standorten eingeführten Offenen Büchereien als Segen.

Knauer: Freude am Lesen und an der Literatur fördern

4.876 Log-ins gab es 2017 zu den unbemannten Öffnungszeiten, 2016 waren es 4.096 an der Zahl. Das Konzept der deutschen Büchereien, so Claudia Knauer, sei weiter darauf bedacht, die Leselust und die Literaturfreude der Bürger zu stärken. Die Einrichtungen sollen Treffpunkte sein, nicht kommerzielle Anlaufstellen und offen für alle. Orte der Begegnungen, Arbeitsplätze, gesellschaftliche Keimzellen der Aufklärung.

„Wir müssen die Freude am Lesen und der Literatur fördern, in allen Bereichen der Gesellschaft, sonst haben wir ein demokratisches Problem“, so Knauer.

Nach dem Programm und einer Kaffeepause berichtete Projektberater Lars Reuter über die Entstehung des Sonderburger Multikulturhauses, das nicht zuletzt durch Gelder der A. P. Møller Mærsk Stiftung in die Tat umgesetzt werden konnte.

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