Was macht das Zuhause gemütlich?

Draußen sein und Ruhe finden direkt vor der Tür

Marlies Wiedenhaupt
Marlies Wiedenhaupt Hauptredaktion
Tingleff/Tinglev
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Auf ihrer Terrasse kann Jette Erichsen total abschalten – und genießt dabei den wunderbaren Ausblick. Foto: Karin Riggelsen

Das eigene Zuhause kann Kraftquelle, Rückzugsort, Ruhepol, Nest, Energiespender, Inspirationsort und vieles mehr sein. Doch was braucht es unbedingt, damit es auch ein gemütlicher, unverwechselbarer Platz ist? Redakteurin Marlies Wiedenhaupt hat bei Jette Erichsen nachgefragt.

Tornado, Wirbelwind, Putzteufel. So sehen und bezeichnen viele Menschen Jette Erichsen, wenn sie erfahren, was die 54-Jährige in einem 24-Stunden-Tag alles untergebracht und gewuppt kriegt. Wo andere schon vom Zuhören atemlos werden, da atmet die geborene Behrendorferin einmal tief durch und packt die nächste Aufgabe an. Denn für sie gilt die Devise: „Alles eine Frage der Planung!“

Denn: Neben ihrer Vollzeitstelle als Hausmeisterin beim Landwirtschaftlichen Hauptverein für Nordschleswig (LHN), wo sie seit fast 22 Jahren arbeitet, hält sie nicht nur ihr eigenes Zuhause in Schuss, kümmert sich um Haushalt und Garten ihrer Mutter in Tingleff und geht für sie einkaufen, sondern betreibt auch noch einen privaten Catering-Service.

In so mancher Woche steht an sechs Abenden ein Termin in ihrem Kalender, weil sie etwa im Sozialdienst Tingleff aktiv ist, im Bund Deutscher Nordschleswiger und in der Schleswigschen Partei, im Baistruper Ringreiterverein, beim Lady Walk ihrer Firma und bei der Planung des Klipleffer Marktes.

In Jettes Treibhaus wachsen Oliven-, Orangen und Feigenbäume. Foto: K. Riggelsen

Nein sagen und stillsitzen

„Ich kann auch Nein sagen“, versichert Jette Erichsen, „und tue das auch mehr und mehr. Und ich kann auch stillsitzen und es genießen, nichts zu tun. Bloß – die Leute sehen mich ja nicht, wenn ich mich zum Beispiel mal aufs Sofa schmeiße.“

Doch drinnen zu sein ist für sie lange nicht so entspannend, wie sich draußen aufzuhalten. „Ich genieße vor allem die beiden Terrassen an meinem Haus. Da kann ich total abschalten.“ Außerdem spazieren dort Hund und Katze rein und raus, wie es ihnen gefällt, und auch die 20 Monate alte Enkelin Runa, wenn sie zu Besuch ist. „Auf der Terrasse telefoniere ich fast jeden Nachmittag mit meiner Tochter und schnacke mit Runa über Facetime.“

Der Ruhepol, den viele andere Menschen im Inneren ihres Hauses oder ihrer Wohnung finden, liegt für Jette Erichsen quasi direkt vor ihrer Tür. „Hinten ist die Tagesterrasse – mit Sonne von 9 bis 16 Uhr. Vorn scheint sie ab 16 Uhr, und das absolut Beste ist der Ausblick über das Tingleffer Moor“, schwärmt sie. „Auch von der Küche aus hat man diesen Ausblick. Aber vor allem draußen auf den Terrassen finde ich Ruhe, und die Gedanken sind total weg. Da kann ich sogar Rehe beobachten, und Kraniche balzen vor meiner Tür.“

Für viele liegt der Ruhepol im Inneren ihres Hauses oder ihrer Wohnung, bei Jette Erichsen liegt er Draußen. Foto: K. Riggelsen

Bei Wind und Wetter an der frischen Luft

Unter freiem Himmel hält sich Jette Erichsen auf, so oft es geht. „Ich fahre bei Wind und Wetter mit dem E-Bike, und selbst bei Schneesturm bin ich schon sieben Kilometer gewalkt.“ Denn auch der Sport ist für sie Kraftquelle und Energiespender.

Zu den guten Plätzen ihres Zuhauses gehört für die 54-Jährige auch das elf Quadratmeter große Treibhaus mit Oliven-, Orangen und Feigenbäumen, das mit Sitzgelegenheiten zum Entspannen bestückt ist. Und das ja auch den Charakter von Draußensein hat.

Naturkind seit jeher

Die Wurzeln für Jettes Bedürfnis nach frischer Luft liegen wohl in ihrer Kindheit. Sie ist in der Landwirtschaft aufgewachsen. Zwar hat sie auch ihrer Mutter im Haushalt über die Schulter geschaut, „aber vor allem bin ich draußen meinem Vater bei seiner Arbeit hinterhergelaufen. Dabei habe ich mir auch alles Handwerkliche abgeguckt und konnte schon früh mit Motorsäge, Bohrmaschine und Treckerrasenmäher umgehen.“ – Ideale Voraussetzungen für ihre Arbeit als Hausmeisterin.

Ihr überwiegend prall gefüllter Tag beginnt meist um 4 Uhr morgens. „Dann bin ich mittags fertig mit der Arbeit und habe Zeit für all die anderen Dinge. Aber wenn zum Beispiel von Freunden oder Kollegen jemand ein Problem hat und darüber sprechen möchte, lasse ich alles stehen und liegen, um zu helfen. Ich weiß ja auch, dass ich überall anrufen kann.“

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