Sommerspiele in Tokio

Thompson-Herah rennt Fraser-Pryce über 100 Meter davon

Thompson-Herah rennt Fraser-Pryce über 100 Meter davon

Thompson-Herah rennt Fraser-Pryce über 100 Meter davon

dpa
Tokio
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Jamaikas Elaine Thompson-Herah feiert olympisches Gold über 100 Meter. Foto: Michael Kappeler/dpa

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Jamaika ist nicht nur das Leichtathletik-Land von Usain Bolt, sondern auch der Supersprinterinnen. Gold, Silber und Bronze über 100 Meter gehen an die Karibik-Nation.

Die Jamaikanerin Elaine Thompson-Herah hat wie schon 2016 Olympia-Gold über 100 Meter erobert - und streckte nach ihrem Triumph unter Freudenschreien auf der Bahn von Tokio liegend erstmal alle Viere von sich.

Die 29-Jährige nahm damit ihrer Teamkollegin Shelly-Ann Fraser-Pryce den dritten großen Triumph. Thompson-Herah widersetzte sich ihrer ungeliebten Rivalin auch auf den letzten Metern des Finales. In 10,61 Sekunden rannte Thompson-Herah die zweitschnellste Zeit der Leichtathletik-Geschichte nach Florence Griffith-Joyner aus den USA, die vor 33 Jahren in 10,49 Sekunden einen Fabel-Weltrekord aufgestellt hatte.

Zweitschnellste Zeit der Geschichte

«Ich kann keine Worte finden», sagte die Olympiasiegerin, die bereits 2016 in Rio de Janeiro über 100 und 200 Meter gewonnen hatte, später noch völlig aufgelöst. «Ich habe so laut geschrien, weil ich so glücklich war.» Noch nie war bei Sommerspielen eine Sprinterin so schnell. Griffith-Joyner hatte 1988 in Seoul in 10,62 Sekunden triumphiert. «Ich wusste, dass die Zeit drin ist, aber ich hatte meine Höhen und Tiefen mit Verletzungen. Ich habe immer daran geglaubt. Es ist einfach toll!»

Fraser-Pryce verpasste als Zweite in 10,74 Sekunden ihr drittes Olympia-Gold über 100 Meter nach 2008 und 2012. Den Erfolg für Jamaika komplett machte Shericka Jackson als Dritte in 10,76. Der 34-jährigen Fraser-Pryce war die Enttäuschung anzusehen, die beiden Athletinnen würdigten sich in den Momenten nach dem Zieleinlauf keines Blickes. Auf die Frage, ob sie nun eine Legende in Jamaika sei, sagte Thompson-Herah: «Das weiß ich noch nicht. Ich muss erst einmal diesen Sieg verarbeiten.»

Vier Jahre nach der Geburt ihres Sohns Zyon hatte Fraser-Price auf einen erneuten Gold-Coup gehofft, 2019 war sie in Doha noch Weltmeisterin. In ihrer Heimat ist «Pocket Rocket» («Taschenrakete») beziehungsweise «Mommy Rocket», wie die nur 1,52 Meter große Fraser-Pryce gerne genannt wird, der größte Frauen-Star. Immerhin holte die vierfache 100-Meter-Weltmeisterin ihre siebte olympische Medaille überhaupt. Mit der Staffel kann das Duo mit den Doppelnamen nun noch nachlegen.

Deutsche Läuferinnen verpassen Finale

Ganz kurz auf einen überraschenden Finaleinzug hoffen durfte die deutsche Meisterin Alexandra Burghardt. Die 27-Jährige aus Burghausen legte als Vierte des zweiten Halbfinal-Laufs in 11,07 Sekunden die zweitbeste Zeit ihrer Karriere hin und wurde Gesamtelfte. «Das Finale war greifbar. Ich denke, in ein paar Minuten bin ich richtig stolz», sagte Burghardt in der ARD.

Die Paderbornerin Pinto belegte in ihrem Rennen den siebten und letzten Platz in schwachen 11,35 Sekunden und ärgerte sich über ihren schwachen Start: «Ich bin irgendwie gar nicht rausgekommen. Das ist natürlich ein No-Go in einem Halbfinale.» Die letzte Deutsche, die in einem olympischen 100-Meter-Endlauf stand, war Heike Drechsler 1988.

Nicht am Start war die nigerianische Weltklasse-Sprinterin und Weitspringerin Blessing Okagbare, die bei einer Trainingskontrolle am 19. Juli positiv auf das menschliche Wachstumshormon getestet wurde. Die Suspendierung teilte die unabhängige Integrationskommission des Leichtathletik-Weltverbandes (Aiu) vor dem Halbfinale mit, für das sich die 32-Jährige qualifiziert hatte.

In Shooting-Star Sha'Carri Richardson fehlte in Tokio zudem eine Mitfavoritin: Die Amerikanerin rannte in diesem Jahr bereits 10,72 Sekunden, verlor aber nach dem Konsum von Cannabis ihren nationalen Titel und damit auch das Olympia-Startrecht.

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Sara Wasmund
Sara Wasmund Lokalredaktion Sonderburg
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