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NDR: Regional- und Minderheitensprachen besser berücksichtigen

NDR: Regional- und Minderheitensprachen besser berücksichtigen

NDR: Minderheitensprachen besser berücksichtigen

kj
Hamburg
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Die Regional- und Minderheitensprachen sollen im „NDR“ künftig „regelmäßig angemessen berücksichtigt“ werden. Foto: Jonathan Velasquez/Unsplash

Die Landesregierungen in Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen haben sich im neuen „NDR“-Staatsvertrag darauf verständigt, dass Regional- und Minderheitensprachen mehr Beachtung bekommen.

Seit vielen Jahren fordern die dänische Minderheit und die Volksgruppe der Friesen eine Berücksichtigung ihrer Sprachen im Programm des „Norddeutschen Rundfunks“ (NDR). Das geht aus einer Pressemitteilung des Südschleswigschen Wählerverbandes (SSW) hervor. Diese Forderung blieb lange unbeantwortet. Das soll sich nun ändern.

In den jüngsten Verhandlungen um den „NDR“-Staatsvertrag haben sich die Landesregierungen Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen jetzt auf einen gemeinsamen Entwurf verständigt, der nun den Landesparlamenten zur Beschlussfassung zugeleitet wird.

Regional- und Minderheitensprachen angemessen berücksichtigen

Demnach sind laut einer Pressemitteilung die Regional- und Minderheitensprachen im „NDR“ künftig „regelmäßig angemessen zu berücksichtigen“. Die Initiative dazu kam von der Friisk Foriining und dem SSW: „Wir haben uns mit diesem Vorschlag an Ministerpräsident Günther gewandt, der ihn wohlwollend aufgenommen und erfolgreich in die Verhandlungen eingebracht hat“, erklärt Lars Harms, Vorsitzender des SSW im Landtag schriftlich.

Dass es nach all den Jahren gelungen ist, alle vier Bundesländer mit ins Boot zu holen, sei nicht weniger als ein minderheitenpolitischer Durchbruch, so Harms. Von der neuen Regelung sind die Sprachen Plattdeutsch, Dänisch und Nordfriesisch in Schleswig-Holstein sowie Saterfriesisch in Niedersachsen umfasst.

Nutzer binden und Reichweite stärken

Dass Inhalte in Regional- und Minderheitensprachen nicht nur ein Gewinn für die Minderheiten, sondern auch für die Sender selbst sein können, lässt sich in Finnland beobachten. „Hier ist es der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt ,Yle’ durch mehrsprachige Inhalte gelungen, neue Hörer und Zuschauer an sich zu binden und ihre Reichweitenstärke erheblich auszubauen“, erklärt Lars Harms.

Auch in Deutschland sind andere Bundesländer schon deutlich weiter: „In Sachsen und Brandenburg sind sorbische Sendungen längst über die Sorbengesetze und in den jeweiligen Staatsverträgen abgesichert und integraler Bestandteil des regionalen Radio- und Fernsehprogramms von ,RBB’ und ,MDR’“, sagt Harms.

Minderheiten mit ins Boot holen

Der beratende Ausschuss des Europarats für das Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten habe dazu aufgefordert, die Entwicklung friesisch- und dänischsprachiger Fernseh- und Radioprogramme zu unterstützen, um den Bedürfnissen der Angehörigen dieser Minderheiten wirksamer gerecht zu werden.

Dass die vier Landtage den Entwurf beschließen werden, sei eher Formsache, schätzt Lars Harms die Lage in der Pressemitteilung ein. „Der ,NDR’ sollte deshalb schon jetzt die Minderheiten und Sprachgruppen an den Tisch holen, um gemeinsam über Konzepte der Umsetzung zu beraten. Niemand weiß schließlich besser über die Bedürfnisse der Minderheitenangehörigen Bescheid als die Minderheiten selbst.“

Schleswig-Holsteinischer Heimatbund macht auf Funkloch aufmerksam

Mit einem Videoclip weist der Schleswig-Holsteinische Heimatbund auf das Fehlen eines plattdeutschen Radioprogramms in Europa hin. Zu sehen ist ein Radiogerät, das unter anderem das walisischsprachige Programm des britischen Rundfunks, das friesischsprachige Programm des niederländischen Rundfunks oder das gälischsprachige Programm des irischen Rundfunks empfängt. Als schließlich als eine der „kleinen Sprachen“ Europas das Plattdeutsche genannt wird, verstummt das Radio.

„Die Sami in Schweden oder die Rätoromanen in der Schweiz bemessen sich nach Zigtausenden und haben alle ein seriöses Radioprogramm, das sie täglich von morgens bis abends in ihrer Sprache bedient. Laut dem Handbuch der Sprachminderheiten sprechen in Deutschland 2,5 Millionen Menschen Plattdeutsch, dennoch gibt es kein solches Programm hier bei uns. Wir fragen uns, warum das so ist“, sagt Jan Graf, zuständig beim Schleswig-Holsteinischen Heimatbund für das Niederdeutsche, in einer Pressemitteilung und hofft, dass sich das nun bald ändert.

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