Bundesverdienstkreuz

„Deutsch ist die Sprache meines Herzens“

„Deutsch ist die Sprache meines Herzens“

„Deutsch ist die Sprache meines Herzens“

Kopenhagen
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Claudia Hoffmann Dose vereint das Deutsche und das Dänische in sich. Foto: Walter Turnowsky

Claudia Hoffmann Dose hat sich jahrzehntelang für die Stärkung der deutsch-dänischen Beziehungen in Kopenhagen eingesetzt. Dienstag verleiht ihr der Bundespräsident dafür das Bundesverdienstkreuz.

Die in Kopenhagen aufgewachsene und wohnhafte Claudia Hoffmann Dose vereint das Dänische und das Deutsche in ihrer Person. Für sie ist das untrennbar.

„Ich glaube, das ist ein lebenslanger dynamischer Prozess. Ich könnte die eine Seite ohne die andere nicht. Ich könnte sie auch nicht abwählen. Das habe ich auch bewusst nicht getan“, sagt sie.

Ihre Eltern kamen aus der deutschen Minderheit in Nordschleswig, zogen nach Kopenhagen, wo Claudia Hoffmann Dose geboren ist. Im Elternhaus wurde das Deutsche gepflegt.

„Ich hatte eine ganz klare Vorgabe, wenn ich den Garten verlassen habe, dann wurde Dänisch gesprochen, wenn ich aber zur Gartentür hereinging, dann wurde nur Deutsch gesprochen“, erinnert sie sich.

„Wunderschöner Deutschunterricht“

Daher war es wohl auch für die Eltern eine Selbstverständlichkeit, dass die Kinder die deutsche Schule in Kopenhagen, die Petri-Schule, besuchen sollten.

„Da waren wir in der Klasse deutsch und dänische gemischt, und ich gehörte, obwohl nicht aus Deutschland stammend, zu dem deutschen Teil.“

Ich hatte wahrscheinlich im Unterrichten so einen gewissen missionarischen Eifer, zu zeigen, Deutschland ist schön, Deutschland ist vielfältig.

Claudia Hoffmann Dose

Die Prägung durch das Elternhaus wurde in der Schule noch verstärkt, die Liebe zur Sprache gefördert.

„Ich hatte einen wunderschönen Deutschunterricht, der sprachlich sehr fundiert und bewusst war. Das ist auch ein gewisses sprachliches Bewusstsein geprägte worden.“

Missionarischer Eifer

So ist es vielleicht keine ganz große Überraschung, dass die deutsche Sprache das Studienfach ihrer Wahl wurde. Hoffmann Dose hat in Kopenhagen, Heidelberg Karlsruhe und Hamburg Germanistik studiert, mit Nordistik als Nebenfach.

„Die deutsche Literatur, die deutsche Sprache, die deutsche Kultur, vielleicht nicht so sehr die deutsche Grammatik und Sprachgeschichte, aber sich so vertiefen zu dürfen, das ist ein ungemeines Privileg gewesen.“

Nach dem Studium kehrte sie gemeinsam mit ihrem aus Schleswig-Holstein stammenden Mann nach Kopenhagen zurück. An dänischen Gymnasien hat sie Deutsch und Dänisch unterrichtet.

„Ich hatte wahrscheinlich im Unterrichten so einen gewissen missionarischen Eifer, zu zeigen, Deutschland ist schön, Deutschland ist vielfältig, Deutschland hat mehr Geschichte als nur die dunkle Geschichte der jüngeren Vergangenheit und ich denke auch, dass es mir manchmal gelungen ist, Kinder und Jugendliche für Deutschland zu begeistern. Ich wollte durch ein gelebtes Leben zeigen, dass es etwas anderes gibt als die Klischees, die damals in Dänemark noch sehr ausgeprägt waren.“

Öffnung der Gemeinde

Hoffmann Doses Engagement hat sich nicht auf den Unterricht begrenzt. 1992 wurde sie Mitglied des Kirchenrates der Sankt Petri Gemeinde. Von 2016 bis 2021 auch dessen Vorsitzende.

Claudia Hoffmann Dose vor der Petri Kirche Foto: Walter Turnowsky

„Diese einmalige Position der Gemeinde als Brückenbauer zwischen Deutsch und Dänisch zu prägen, das war mir ein ungemeines Privileg. Und da habe ich auch eine Entwicklung miterleben dürfen, von einer Situation, wo man sich zunächst hinter den hohen Mauern der Kirche und des Kirchhofs versteckt hat. Wie es dann zur Restaurierung kam, haben wir in der Gemeinde die Entscheidung getroffen, dass wir keine Insel in Kopenhagen sein, sondern uns nach außen hin öffnen.“

Anderes Bild von Deutschland

Und so wie sich die Petri Gemeinde zur dänischen Gesellschaft hin geöffnet hat, so ist auch die Offenheit in Dänemark dem Deutschen gegenüber größer geworden.

„Ich sehe eine Saat, die immer mehr aufgeht. Wir haben die deutschen Filmtage, in der Sankt Petri Gemeinde werden Konzerte wahrgenommen, deutsche Musik wird angenommen. Nicht von ungefähr gibt es Cafés, Kneipen und angesagte Läden, die sich mit deutschen Namen schmücken.“

Das Bild von Deutschland sei heute ein anderes als noch vor nicht allzu vielen Jahren.

„Ich habe gemerkt, dass es bei vielen Dänen viel Unwissenheit über Deutschland gibt, aber es hat sich in den vergangenen fünfzehn bis zwanzig Jahren sehr gewandelt, das Interesse an Deutschland ist gewachsen.“

Ehrung

Claudia Hoffmann Dose hat Filme und Bücher ins Dänische übersetzt, war im Vorstand der Deutsch-Dänischen Gesellschaft. Sie hat auch viele Beiträge aus Kopenhagen für den „Nordschleswiger" geschrieben.

Für ihren Einsatz für die Verständigung zwischen Dänen und Deutschen wird Claudia Hoffmann Dose am Dienstag im Namen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in der Residenz der deutschen Botschaft in Kopenhagen das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Dieser jahrzehntelange Einsatz dürfte bei ihr ein inneres Bedürfnis sein.

„Deutsch ist die Sprache meines Herzens. Das ist die erste Sprache, die ich gelernt habe, obwohl in Kopenhagen aufgewachsen, denn zu Hause wurde ja Deutsch gesprochen.“

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