Deutsche Minderheit

Minderheit zur Flaggenregel: „Wir haben die Diskussion nicht angezettelt!“

Minderheit zur Flaggenregel: „Wir haben die Diskussion nicht angezettelt!“

„Wir haben die Diskussion nicht angezettelt“

Jon Thulstrup
Jon Thulstrup Online-Redaktion
Nordschleswig/Kopenhagen
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Nur mit Sondergenehmigung: Die Deutschlandflagge beim Knivsbergfest. Foto: Karin Riggelsen

Warum braucht die Deutsche Minderheit in Dänemark eine Sondererlaubnis, um die deutsche Fahne zu hissen, während die dänische Minderheit in Südschleswig den Dannebrog jederzeit hissen kann? Der Vorsitzende der deutschen Minderheit hat in der landesweiten Zeitung „Politiken“ auf Nachfrage Stellung bezogen.

Wie jedes Jahr wurde beim diesjährigen Knivsbergfest die Deutschlandflagge gehisst. Doch dafür benötigte die deutsche Minderheit eine Sondergenehmigung der dänischen Polizei. Eine Regel, die nun die Tageszeitung „Politiken“ auf ihren Kulturseiten zur Diskussion stellte.

Vorab war ein Artikel des Grenzvereins erschienen, in dem die beiden Politiker Christian Juhl (Einheitsliste) und Martin Henriksen (DF) über eine Sondergenehmigung für die deutsche Minderheit diskutierten. „Wir haben die Diskussion nicht angezettelt. Durch „Politiken“ ist dann ein großer Wirbel entstanden“, unterstreicht der Hauptvorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN), Hinrich Jürgensen.

Er sei, wie die Zeitung berichtet, selbstverständlich dafür, dass alle anerkannten nationalen Minderheiten auch ihre eigene Flagge hissen können sollen.

„Wenn wir beispielsweise einen bedeutenden Gast aus Deutschland haben, dann wäre es eine pragmatische Lösung, dass wir an unseren Institutionen und Vereinen die deutsche Fahne hissen könnten, ohne zu fragen“, so Jürgensen.

Eine solche Regelung gäbe es bei offiziellen Anlässen schon für das Haus Nordschleswig. „Es geht ja nicht darum, dass jede Privatperson der Minderheit nun die Deutschlandflagge hissen dürfen soll“, betont er.

Ein Wunsch der insbesondere in Kopenhagen auf Christiansborg bei der Dänischen Volkspartei auf Widerstand stößt. „Ich verstehe nicht, warum sie (die Deutsche Minderheit, Red.) die Deutschlandflagge verwenden wollen, wenn sie zu Dänemark gehören“, so der kulturpolitische Sprecher der Dänischen Volkspartei, Alex Ahrendtsen.

Doch sein Kollege von der Partei Venstre, Bertel Haarder, sieht das anders. Er denkt, dass eine Sondergenehmigung für die deutsche Minderheit eine gute Idee ist. „Die dänische Minderheit südlich der Grenze kann ohne Genehmigung den Dannebrog hissen. Deshalb bin ich der Meinung, dass dies auch nördlich der Grenze gelten soll“, so Haarder zu Politiken.

Bürgermeister gegen Sondergenehmigung

In Nordschleswig spricht sich Apenrades Bürgermeister, Thomas Andresen, nicht für eine Sondergenehmigung für die deutsche Minderheit bei den Flaggenregeln aus. „Das ist eine Diskussion, die ab und an wieder von vorne anfängt. Die man aber eigentlich lieber hätte sein lassen sollen“, so der Bürgermeister. Er zieht einen Vergleich zu den zweisprachigen Ortsschildern, wo ebenfalls die Debatte des Öfteren neu entfacht. „Ich bin dafür, dass man die Flaggenregeln so lässt, wie sie sind“, unterstreicht er gegenüber dem „Nordschleswiger“.

Carsten Porskrog Rasmussen, Historiker beim Museum Sønderjylland, teilt derweilen nicht die Haltung des Bürgermeisters. „Für mich persönlich ist es doch natürlich, dass die deutsche Minderheit die deutsche Fahne hissen darf, wenn es südlich der Grenze auch erlaubt ist, den Dannebrog zu zeigen“, so Rasmussen und ergänzt: „Wenn man hierzulande ein historisches Problem damit hat, dann können wir ja sagen, dass die heutige Flagge eine ganz andere im Vergleich zu die im dritten Reich oder die kaiserlichen ist. Dadurch könnten einige der negativen Gefühle schon vom Tisch sein.“

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