Deutsche Minderheit

Gleichstellung: „Veränderung wird der Minderheit guttun“

Gleichstellung: „Veränderung wird der Minderheit guttun“

Gleichstellung: „Veränderung wird der Minderheit guttun“

Apenrade/Aabenraa
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Ruth Candussi Foto: Helge Möller

Im Zuge des Internationalen Frauentags am 8. März berichtete Ruth Candussi, SP-Parteisekretärin, wie es um die Gleichstellung der Minderheit bestellt ist und was sich seit einem Jahr verändert hat.

Frauen in der Minderheit in der Minderheit“ titelte „Die Nordschleswigerin“ am 8. März vergangenen Jahres. „Wenn das Thema Gleichstellung einfach zu bewältigen wäre, hätten wir es schon längst getan“, erzählt Ruth Candussi, Parteisekretärin der Schleswigschen Partei (SP), die sich für das Thema Gleichstellung in der Minderheit einsetzt. „Die Berichterstattung in der ,Nordschleswigerin' vor einem Jahr hat den Stein ins Rollen gebracht, und seitdem ist einiges passiert.“

Frauentag

Der 8. März trägt viele Namen: Internationaler Frauentag, Weltfrauentag, Internationaler Frauenkampftag (in Dänemark gebräuchlich) oder auch Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden. Sein Ursprung ist deutsch-dänisch: 1910 schlug die deutsche Sozialistin Clara Zetkin auf einer Konferenz in Kopenhagen einen Kampftag für das Wahlrecht der Frauen vor. 1911 wurde er dann erstmals begangen, in Dänemark, Deutschland, Österreich-Ungarn und der Schweiz.

Zum Beispiel hat sich die Arbeitsgemeinschaft Gleichstellung gegründet. Bei regelmäßigen Treffen haben sich Anke Tästensen, Monika Thomsen, Anne-Sofie Dideriksen, Uwe Jessen, Gösta Toft und Ruth Candussi mit der Thematik auseinandergesetzt und eine Gleichstellungspolitik für die Minderheit beschlossen. Diese wurde bei der Hauptvorstandsitzung des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN) im November 2019 abgesegnet.

Statusbericht der Verbände

Es sei wichtig, konkrete Ziele zu formulieren, das sei allerdings nicht einfach, da die Verbände in der Minderheit unterschiedlich arbeiten und verschiedene Strukturen aufweisen. „Aus diesem Grund ist ein Teil der Gleichstellungspolitik, dass die Verbände bis zum 31. Oktober einen Statusbericht abgeben müssen: Wie hoch ist der Anteil von Frauen und Männern auf den verschiedenen Ebenen“, berichtet Candussi.

Auf die Bestandsaufnahme folgt dann eine Zielsetzung und ein passender Handlungsplan. Im weiteren Verlauf sollen Fortschritte im Jahresbericht festgehalten werden.

„Ziel ist es nicht, jemanden rauszukicken“, so die SP-Parteisekretärin. Es ginge darum zu überlegen, wie Frauen angesprochen werden können, wenn es gilt eine neue Stelle zu besetzen.

Strukturelle Veränderungen

In der Schleswigschen Partei sind einige Strukturen verändert worden, damit ehrenamtliche Helferinnen und Helfer besser mitarbeiten können. Es gibt Ad hoc Arbeitsgruppen, die zu einem Thema eine Lösung entwickeln, und sich dann nach drei, vier Monaten wieder auflösen. „Eine strukturelle Veränderung würde vielleicht auch die Arbeit in den Verbänden für Frauen attraktiver machen, wenn sie sich nicht gleich für vier Jahre im Hauptvorstand binden wollen“, erklärt Ruth Candussi.

Erfahrungen austauschen

Im Februar hat ein Kick-Off-Seminar mit dem Titel „Gleichstellung… und wie geht das?!“ stattgefunden, indem Referentinnen der Süddänischen Universität (SDU), von Danfoss und dem Gleichstellungsbüro Flensburg von ihren Erfahrungen und Zielen berichtet haben.

Liv Baisner von der SDU sprach beispielsweise über Sitzungskultur und wie sie verändert werden könnte: wer kommt, wie lange zu Wort, wer gibt seine Meinung kund, wer muss aufgefordert werden, sich zu beteiligen.

„Im nächsten Schritt sollten wir darüber nachdenken, welche Anregungen aus dem Seminar wir aufgreifen und umsetzen wollen. Zum Beispiel könnte man sich für das Formulieren von Stellenausschreibungen Expertise von außen holen, damit Frauen sich nicht beim Lesen bestimmter Formulierungen unbewusst ausgeschlossen fühlen“, meint die Parteisekretärin.

Mit entscheiden

Ruth Candussi ist sich sicher, dass es ein langer weiter Weg bis zur Gleichstellung ist, aber auch ein spannender Prozess, der etwas Gutes für die Minderheit bewirken kann. Veränderungen würden der Minderheit guttun: „Wenn mehr Frauen in den Verbänden arbeiten, wird es nuanciertere Diskussionen geben, verschiedene Sichtweisen werden dargestellt, und die Entscheidungen werden repräsentativer“, denkt Candussi. „Die Entscheidungen, die in der Minderheit gefällt werden, betreffen Männer und Frauen gleichermaßen, dann sollten auch beide Seiten mitentscheiden“.

Die Nordschleswigerin Seite 1
Zum Frauentag 2019 wurde „Der Nordschleswiger“ zu „Die Nordschleswigerin“. Foto: DN
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