Phänomenta

Mit Legosteinen Musik komponieren

Joachim Pohl/shz
Flensburg
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Legos als Töne: Uwe Oestermeier (M.) platziert eine vorgefertigte Komposition aus Legosteinen auf die Multitouch-Platte. Achim Englert (l.) und Michael Kiupel (Phänomenta) freuen sich. Foto: Joachim Pohl

Die Phänomenta in Flensburg hat eine neue Experimentierstation. Mit ihr lässt sich Musik komponieren ganz ohne Noten lesen

So klingt also eine Rakete auf dem Klavier! Dabei sind gar keine Tasten zu sehen – weder weiße noch schwarze. Dafür jede Menge Legosteine auf einer blauen Fläche, die aussieht wie ein flach gelegter Fernseher. Uwe Oestermeier hat die Rakete aus weißen und transparenten Legos mitgebracht. Wenn er sie auf die blaue Fläche legt, erklingt nach ein paar Sekunden eine kurze, lustige Melodie. Oestermeier kann mit Legos Musik machen – und ab sofort können es alle Besucher der Phänomenta ihm nachmachen.

Der elfjährige Paul und seine Begleiterin müssen nicht lange zuschauen, sie haben das Prinzip schnell verstanden und fangen gleich an zu bauen. Andere Kinder, weiß Oestermeier, legen erstmal Steine auf die Fläche, verschieben sie hierhin und dorthin, basteln so eine Melodie und fixieren die gelegten Steine, indem sie sie mit durchsichtigen miteinander verbinden. Der Touchscreen erkennt nämlich nur weiße Steine. Die erzeugen einen Ton, die transparenten bleiben stumm. Je länger ein Legostein ist, desto länger ist der Ton. Die Tonhöhe variiert man mit der Position auf dem Tisch. Man kann auch Akkorde bauen, indem man Steine übereinander legt.

„Es beweist, dass Kinder selbstständig Musik komponieren können“

Oestermeier hat den Tisch am Leibniz-Institut für Wissensmedien in Tübingen entwickelt. „Damit kann man Musik komponieren, ohne dass man Noten lesen oder ein Instrument können muss.“ Intuitiv begreifen die Kinder den Zusammenhang von Musik und Mathematik. „Es beweist, dass Kinder selbstständig Musik komponieren können“, so Oestermeier. Dabei werden die potenziellen Möglichkeiten des Multitouch-Tisches bewusst reduziert, so dass die Kinder – oder Erwachsenen – in kleinen Schritten lernen und Musik erzeugen können. In der Phänomenta können Tagesbesucher „einfach so“ mit dem Tisch und den Legosteinen spielen und experimentieren. Doch es besteht auch die Möglichkeit, dass kleinere Schülergruppen gezielt für begrenzte Zeit intensiv und zielgerichtet mit dem Tisch und den Steinen arbeiten.

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