Diese Woche in Kopenhagen

2018 – und was kommt nun?

Jan Diedrichsen
Jan Diedrichsen Sekretariatsleiter Kopenhagen
Kopenhagen
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Donald Trump
Wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten wird? Foto: Scanpix

Sich selbst nicht ganz so wichtig zu nehmen und ab und an unser eigenes Urteil und Bild von der Welt zu hinterfragen, das rät Jan Diedrichsen, Leiter des Kopenhagener Sekretariats der deutschen Minderheit in Dänemark, zum Jahresanfang.

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, – Hermann Hesses Gedichtzeile wird gerne und häufig zum Jahresanfang zitiert. Es gibt keine Zeitung, die nicht zum Jahreswechsel mit einem Ausblick auf das Kommende aufwarten würde oder Lebenshilfen an den Leser bringen möchte.
Im „Lifestyle“-Segment wird gerne davor gewarnt, sich mit übertrieben ambitionierten Vorsätzen selbst in die Falle der eigenen Unzulänglichkeit zu bugsieren, um dann im zweiten Schritt dennoch Tipps zu vermitteln, wie man die eigene Unzulänglichkeit austrickst, um doch noch 2018 ein ganz neuer Mensch zu werden.

Um den Unsinn der persönlichen Vorsätze zu belegen, muss man nur einige Wochen warten, dann zeugen die wieder angenehm leeren Fitnessstudios anschaulich vom Ende des persönlichen „Zaubers“. Wir sind wer wir sind und ändern uns – wenn überhaupt – nur bedingt, in sehr kleinen Schritten. Wer meint, Veränderungen zum Jahreswechsel erzwingen zu können, der wird scheitern.

Neben der Hilfe zur Selbstoptimierung, gehört redaktionell zum Jahresbeginn auch ein Blick in die allgemeine Zukunft dazu. Kommt nun endgültig der Durchbruch für die selbstfahrenden Autos?
Setzt sich die Datenbrille nun schlussendlich durch, oder welche technische Errungenschaft wird unser Leben „völlig revolutionieren“?

Doch mittelfristige oder gar langfristige Ausblicke in die Zukunft sind nicht viel aussagekräftiger als die Prognosen vor einer Wahl. Ein Trend hat sich nämlich tatsächlich verfestigt: Es wird immer unsicherer, sich über die Zukunft zu äußern. Wer sich auf ein Gedankenexperiment einlässt, wird schnell feststellen, dass Prognosen über die Zukunft häufig intellektuelle Verrenkungsübungen sind.

Denn wer würde als Zeitungsleser vor 10 Jahren nicht schallend gelacht haben, hätte ein Redakteur oder gar zertifizierter Futurologe (die gibt es wirklich) behauptet, dass Donald Trump 2018 schon ein Jahr lang amerikanischer Präsident sein würde. Oder, wer durch ein Zeitportal vor 20 Jahren das Alltagsverhalten der Menschen heute hätte beobachten können, der hätte den Kopf geschüttelt und das geistige Armageddon erkannt, eingedenk der Massen an Menschen, die leicht gebeugt und gebannt in ein kleines technisches Gerät (Smartphone) schauen.

Wir wissen nicht, was uns 2018 erwartet, geschweige denn was 2038 sein wird. Es mag trivial klingen: genau so wenig, wie wir die Vergangenheit ändern können, da diese ja eben vergangen ist, lassen sich zuverlässige Aussagen über die Zukunft machen. Allein die unmittelbare Gegenwart lässt sich beeinflussen.

Natürlich bedeutet dies nicht, dass wir keine Analysen über die politische Entwicklung der kommenden 12 Monate machen sollten oder uns überlegen dürfen, wie die Welt 2038 sein könnte bzw. sollte. Doch dies sind mehr oder weniger realistische Gedankenexperimente.
Solche Analysen sind für die notwendigen Entscheidungen, die in der Gegenwart zu treffen sind, wichtige Gradmesser, aber mehr auch nicht.

Diese Jahresanfangskolumne darf nicht als Plädoyer für persönlichen oder gar gesellschaftlichen Fatalismus gelesen werden. Ganz im Gegenteil: Wir müssen versuchen die Zukunft zu gestalten, unsere persönliche und auch die gesellschaftliche.

Dabei sollten wir aber darauf achten, uns selbst nicht ganz so wichtig zu nehmen und ab und an unser eigenes Urteil und Bild von der Welt zu hinterfragen, denn weder haben wir persönlich den Stein der Weisen entdeckt, noch können wir verlässlich in die Zukunft blicken. Das kann niemand, nicht einmal zum Jahresanfang.

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Kommentar

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