Leitartikel

Es geht auch anders

Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Stephan Kleinschmidt
Darf sich ab Januar Vize-Bürgermeister nennen: Stephan Kleinschmidt. Foto: Cornelius von Tiedemann

Ja, die Schleswigsche Partei hat in drei von vier Kommunen Nordschlewigs gegenüber 2013 Stimmen verloren. Doch insgesamt steht eines der historisch besten Ergebnisse zu Buche – und das ganz ohne sich auf die in den vergangenen Jahren zunehmende Verrohung der politischen Debatte einzulassen. Die SP, meint Cornelius von Tiedemann, hat auf anständige Weise ein anständiges Ergebnis erzielt.

Die vergangenen Jahre, sie waren nicht leicht zu ertragen für all jene, die an das Gute im Menschen glauben. Statt konstruktiver Gestaltungskräfte haben vor allem jene Stimmen Gehör gefunden, die Konflikte unnachgiebig beschwören – um sich dann selbst mit vermeintlich alternativlosen Antworten als Erlöser zu gebärden. Doch es gibt, das zeigte nicht zuletzt die Kommunalwahl, Licht am Ende des Tunnels. Denn die Menschen wollen gerne an einfache Lösungen glauben. Aber sie wollen auch Glaub-würdigkeit.

Und es gibt sie, die positiven Populisten, die diese liefern. Menschen, die, wie einst Obama, nicht an Ängste, sondern an Hoffnungen und Sehnsüchte appellieren. Sie brüllen nicht so laut wie die Impertinenten, aber sie werden gehört. Justin Trudeau in Kanada, Emmanuel Macron in Frankreich – sie sind mit ihren Wahlerfolgen Beispiele dafür, dass Vernunft und Gefühl Hand in Hand gehen und mitreißen können – ohne dass Feindbilder heraufbeschwört und Gegensätze betont werden.

Ein paar Ebenen darunter hat das in gewisser Weise auch Stephan Kleinschmidt bewiesen, der mit der Schleswigschen Partei in Sonderburg für viele überraschend 13,3 Prozent der Stimmen holte – und damit viel mehr, als es Deutsche in Sonderburg gibt. „Es geht um Glaubwürdigkeit“, hat er vor der Kommunalwahl dem Nordschleswiger gesagt. Und recht behalten. Viele haben ihm seinen Einsatz und seinen Enthusiasmus für die Kommune Sonderburg und das Grenzland abgenommen und ihm vertraut.

Offensiv aber mit offenem Visier und ohne den Einsatz von Ellenbogen, mit großem Respekt vor den (Anstands-) Regeln, die in der Politik und ganz allgemein im Umgang mit anderen gelten. Das kommt an – in Sonderburg sogar besser als der Gegenentwurf der Kulturnationalisten.

Kleinschmidts Erfolg zeigt, dass der Weg der SP, sich als progressive, weltoffene und zugleich heimat- und traditionsverbundene Partei profilieren zu wollen, ziehen kann. Nicht jeder Kandidat hat bei allen handwerklichen Fähigkeiten die kommunikative Ader Kleinschmidts. Doch – ohne den Stimmenrückgang in den anderen Kommunen kleinreden zu wollen und ohne nicht noch mehr Potenzial zu sehen – dass die SP mit ihrem Profil in diesen politischen Zeiten sozusagen gegen den Trend eines ihrer historisch besten Ergebnisse erzielt hat, ist schon bemerkenswert.
Und es zeigt all jenen, die mit dem Politikstilwandel im roten wie im blauen Lager nicht einverstanden sind: Es geht auch anders – es geht auch anständig.

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