Leitartikel

Wärter sollen in Gefängnissen wieder das Sagen haben

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Viel zu lange haben die Angestellten in der dänischen Kriminalvorsorge mit steigender Gewalt und Drohungen leben müssen, doch jetzt hat die Politik endlich darauf reagiert, dass sich das Klientel in den Gefängnissen verändert hat, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Der Beruf als Gefängniswärter ist kein leichter. Die Beamten sind täglich unter Druck und in den letzten Jahren ist dieser immer größer geworden. Denn in den Gefängnissen sitzen nicht mehr die kleinen Einbrecher aus der Nachbarschaft, sondern vor allem Bandenmitglieder und hartgesottene Insassen.

Gefängnisbeamte erleben seit längerem außerdem gewaltbereite Insassen und zwar nicht nur im Gefängnis, sondern auch außerhalb, wo die kriminellen Banden ihre Handlanger einsetzen, um Gefängniswärter zu drohen und einzuschüchtern. Wer geht bei solchen Arbeitsverhältnissen noch gern zur Arbeit?

Viel zu lange haben die Angestellten in der dänischen Kriminalvorsorge mit steigender Gewalt und Drohungen leben müssen. Doch jetzt hat die Politik endlich darauf reagiert, dass sich das Klientel in den Gefängnissen verändert hat.

Ein humaner und pädagogischer Zugang in den Gefängnissen ist wünschenswert, doch dazu gehört erstens genügend und zweitens ausgebildetes Personal. Gemeinsam mit den Sozialdemokraten und der Dänischen Volkspartei sichert die Regierung den Gefängnissen nun weitere 250 Mitarbeiter und erhöht gleichzeitig die Sicherheit der Angestellten. Diese werden in Zukunft mit Körperkameras ausgerüstet. Außerdem soll die Sicherheit erhöht werden, indem Gefängnisse sich nicht zu „Klubhäusern“ für die Bandenmitglieder entwickeln. Dazu sollen zwei Einsatzgruppen gebildet werden, die bei Spitzenbelastung oder anderen Schwierigkeiten in verschiedenen Gefängnissen eingesetzt werden können.

Aber auch für die Insassen wird was getan: aufgrund der positiven Erfahrungen in Norwegen und Schweden entsteht in Jyderup ein reines Frauengefängnis, um die Frauen vor Übergriffen männlicher Insassen zu schützen.

Alles in allem ist das Paket der Politiker gut geschnürt: Zum einen ein hartes Durchgreifen gegen Bandenbildung und -Kriminalität, damit die Gefängniswärter wieder das Sagen haben. Auf der anderen Seite Maßnahmen, die den Beruf Gefängniswärter sicherer und besser machen. Das ist die Gesellschaft diesen Mitarbeitern schuldig – vor allem wenn wir davon ausgehen, dass in den kommenden Jahren noch mehr Mitarbeiter in den Vollzugsanstalten gebraucht werden.

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