Minderheiten

SSF gibt das Projekt Haus der Minderheiten auf – BDN verärgert

Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
Flensburg
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Haus der Minderheiten
Foto: FUEN

Nach langwierigen Querelen rund um das einst als Prestigeprojekt geplante europäische Haus der Minderheiten in Flensburg wirft der Kulturverband der dänischen Minderheit in Südschleswig, SSF, das Handtuch. Andere sollen sich jetzt um das Projekt kümmern. „Ärgerlich“ meint BDN-Chef Jürgensen.

Der dänische Kulturverband in Schleswig-Holstein, Sydslesvigsk Forening (SSF) zieht sich als Partner des Projektes „Haus der Minderheiten“ in Flensburg zurück. Das hat laut Pressemitteilung der Hauptvorstand des Verbandes am Dienstagabend in Leck beschlossen.

Hintergrund des Beschlusses sei der Umstand, dass das Projekt nicht von allen Verbänden der dänischen Minderheit unterstützt werde, schreibt der SSF. Die Projekt- und Finanzierungspartner seinen informiert worden. Dabei handelt es sich um den Bund Deutscher Nordschleswiger (BDN), die deutsche Bundesregierung, die Föderalistische Union Europäischer Nationalitäten (FUEN), die Landesregierung Schleswig-Holsteins und die Stadt Flensburg.

SSF will Federführung abgeben

„Wir müssen feststellen, dass wir keine grundlegende Einigkeit in der Minderheit über das Projekt erzielen konnten – auch nicht in reduzierter Form. Dies ist jedoch die Voraussetzung dafür, dass wir ein solches Vorhaben politisch gemeinsam mit unseren Partnern tragen können“, so SSF-Chef Jon Hardon Hansen und Generalsekretär Jens A. Christiansen. „Deshalb haben wir beschlossen, die Führungsrolle in diesem großartigen Projekt abzugeben“, erklären die beiden weiter.

„Der SSF ist weiterhin der Meinung, dass ein Haus der Minderheiten in Südschleswig das dänisch-deutsche Grenzland als Kompetenzzentrum für Minderheitenfragen stärken könnte. Wir hoffen deshalb, dass die übrigen Partner gemeinsam mit Akteuren in der Region zu einer alternativen Lösung finden, die auch die Platzierung des FUEN-Sekretariates im dänisch-deutschen Grenzland sicherstellt“, heiß es aus Flensburg weiter.

Hinrich Jürgensen ärgert sich – und denkt weiter

Auf der dänischen Seite der Grenze ärgert sich der Hauptvorsitzende des BDN, Hinrich Jürgensen, über die Entwicklung. Auf die Frage, ob für die Minderheiten und das Grenzland durch den Verlauf einen Imageschaden zu befürchten sei, sagt er im Gespräch mit dem Nordschleswiger: „Absolut. Das ist sehr ärgerlich, gerade auch, weil die Gelder schon bereitstanden.“

Jetzt, so Jürgensen, werde sich der BDN mit der FUEN und anderen Akteuren zusammensetzen, um das weitere Vorgehen zu sondieren. Bisher hatte der SSF die Federführung und der BDN sich zurückgehalten.

„Eventuell wird es kein Haus geben, dafür aber die Treffen, die dort stattfinden sollten“, sagt er. „Wir gucken erstmal, ob es andere Partner gibt für das Projekt, wo wir Minderheiten ins Grenzland holen und ihnen zeigen, wie wir Minderheit leben. Vielleicht können wir das auf einer anderen Basis aufbauen“, so Jürgensen, der die Akademie Sankelmark und die Grenzvereine nördlich und südlich der Grenze als mögliche Zusammenarbeitspartner nennt.

Wann es mit den Gesprächen über die Zukunft losgeht, kann er nicht sagen, auch wenn die jüngste Entscheidung aus Südschleswig „nicht ganz unerwartet“ gekommen sei. Mit den Treffen im Sinne des Projektes aber geht es für ihn schon morgen los: Eine Delegation aus der Ukraine hat sich im Apenrader Haus Nordschleswig angekündigt, um mehr über dänische Kommunalverwaltung und Minderheitenförderung auf kommunaler Ebene zu erfahren.

Dänische Regierung bereits abgeschreckt – deutsche Partner waren noch im Boot

Im Haus der Minderheiten sollte das Zentralbüro der FUEN entstehen sowie ein Dokumentations-, Treff- und Bildungszentrum für europäische Minderheiten. Ursprünglich sollte es in einem historischen Gebäude in der Flensburger Innenstadt nahe dem Zentrum der dänischen Minderheit, dem „Flensborghus“, platziert werden. Nach Streitigkeiten innerhalb der dänischen Minderheit zog die dänische Regierung ihre Unterstützung für das Projekt im Januar 2018 zurück. Die deutschen Partner, die rund eine Million Euro bereitstellen wollen, haben Interesse geäußert, das Projekt in anderer Form weiter zu verfolgen.

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