Umstellung

Mit Kohle ist keine Kohle mehr zu machen

Paul Sehstedt
Enstedt/Ensted
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EBT-Hafenmeister Chresten Nissen auf einem Teilgelände, wo hinter einer 25 Meter hohen Betonmauer zwischengelagerte Holzhäcksel sowie Stämme liegen, die auf den Weitertransport warten. Foto: Paul Sehstedt

Ensted Bulk Terminal stellt sich auf anderes Schüttgut um. Die privilegierte Lage ist günstig für die Entwicklung.

„Wir müssen mit der Zeit gehen, und da die Kohle immer weniger als Energieträger genutzt wird, sind wir dazu gezwungen, unsere Leistungen auf andere Trockengüter umzustellen“, erläutert Søren Limkilde, Direktor von Ensted Bulk Terminal (EBT), im Gespräch mit dem Nordschleswiger. EBT betrachtet den nordschleswigschen und norddeutschen Raum als Marktgebiet. „Auf dem 16,3 Hektar großen Hafengelände kann alles an Trocken- und Schüttgut angenommen, gelagert, behandelt, gemischt und weiterverschifft werden“, fährt Limkilde fort. „Nicht alles wird über den Seeweg weiterverfrachtet, die Landstraße ist auch ein wichtiger Teil unserer Infrastruktur.“

Fehlt dem EBT ein Gleisanschluss?

Søren Limkilde: „Das wäre ganz toll, wenn wir auch über die Schiene verschicken könnten, aber das hat wohl keine Aussichten, dass wir einen Gleisanschluss bekommen. Die Lage von EBT ist äußerst privilegiert: Mit einer Tiefe von 17,5 Metern können bis zu 180.000 BRT große Schiffe anlegen“, informiert Søren Limkilde ferner. „Außerdem liegt der Hafen außerhalb der Stadt, und daher haben wir weniger Probleme mit den Nachbarn wegen Lärm und Staubbelastungen. Die hohe Schutzmauer an der Westseite schirmt viel ab.“ Einen weiteren Vorteil sieht Limkilde darin, dass der Lkw-Verkehr nicht durch die Stadt geleitet werden muss und dass der Autobahnanschluss nur wenige Kilometer entfernt ist.

Wird der eventuelle Bau einer Brückenverbindung zwischen Alsen und Fünen den Zugang zum Hafen behindern?

Søren Limkilde: „Die Pläne verfolgen wir natürlich genau, da wir ein vitales Interesse daran haben, dass die Fahrrinne freigehalten wird. Die Schiffe, die den EBT anlaufen, sind schon ganz große Pötte, und die brauchen Platz. Einen geplanten Windkraftpark im selben Gebiet verfolgen wir auch.“

Inga Jensen überwacht die Förderbänder und die Einwaage. Ein Kümo hat Erde von einem Bauaushub in Hamburg angelandet, die per Lkw zu einer Erdaufarbeitungsanlage in Nordschleswig transportiert wird. Foto: Paul Sehstedt

Wie groß ist die Umschlagstonnage am EBT, und wie sieht die Entwicklung aus?

Søren Limkilde: „Der Kohleumschlag erreichte die Sieben-Millionen-Tonnen-Marke, aber unsere neuen Warengruppen werden nach Kubikmetern berechnet, und da müssen wir schon etliche Millionen über den Kai gehen lassen. Als ein privater kommerzieller Hafen haben wir gegenüber anderen Häfen den großen Vorteil, dass wir alles, was das Hafengesetz erlaubt, handhaben dürfen.Wir sind also nicht vom dänischen Hafengesetz begrenzt.“

Der Terminal befindet sich, laut Søren Limkilde in einer positiven Entwicklung. Ein fester Stab von zehn Mitarbeitern sichert den täglichen Betrieb rund um die Uhr, und zusätzliche Arbeitskraft wird im Bedarfsfall angeheuert. Der Ensted Bulk Terminal befindet sich ganz in Besitz des Energiekonzerns Vattenfall.

„Kein direkter Konkurrent“

Obwohl der private Hafen Ensted Bulk Terminal auch Schüttgut umschlägt, sehe ich EBT nicht als einen direkten Konkurrenten zu unserem Hafen“, erklärt Erwin Andresen (SP) in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Hafenvorstandes in Apenrade. „Im Gegenteil, würde ich sagen, denn die Zusammenarbeit ist positiv und notwendig, denn die Hafenentwicklung sowohl in Enstedt als auch in Apenrade darf nicht stillstehen.“ „Der Hafen Apenrade hat 17 Hektar in Enstedt erworben, um so Interessenten genügend Gewerbeareale anbieten zu können, die auch die Möglichkeit wünschen, ihre Güter zu verschiffen“, erläutert Andresen den Erwerb des Geländes, auf dem zurzeit noch der Kraftwerksblock EV3 steht, der sich jedoch im Abriss befindet und in drei Jahren verschwunden sein sollte. Außerdem befinden sich Verwaltungsgebäude auf dem Gelände.

EBT ist ein privater kommerzieller Hafen, dem keine Einschränkungen im Betrieb auferlegt sind. Wie verhält sich das mit dem Apenrader Hafen?

Erwin Andresen: „Der tägliche Ablauf im Apenrader Hafen wird von den gewerblichen Betrieben wahrgenommen, während die Geräte und Mannschaften vom Hafen gestellt werden“, informiert Erwin Andresen. „Wir regeln also nicht das Anlanden oder Umladen.“

Der Stadtentwicklungsplan „Apenrade der Zukunft“ schlug eine umfangreiche Wohnungsansiedelung im Bereich des westlichen Hafens vor. Ist der Geländeaufkauf in Enstedt eine Folge dieses Planes?

Erwin Andresen: „Der Stadtrat hat deutlich ausgesagt, dass der Hafen ein Industriehafen ist, und wir haben nicht ohne Grund die Kaianlagen kostspielig renoviert“, sagt der Vorsitzende. „Falls der Schüttgutumschlag steigen sollte, haben wir die Möglichkeit, auch in Enstedt Güter entgegenzunehmen. Ob irgendwann Bedarf für Wohnungsbau am Hafen entsteht, kann ich nicht sagen“, fügt der Hafenausschussvorsitzende hinzu.

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