Dezentralisierung

Bericht: Verlegung der Umweltbehörde könnte schwerwiegende Folgen haben

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Kopenhagen
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Jakob Ellemann-Jensen
Jakob Ellemann-Jensen Foto: Liselotte Sabroe/Ritzau Scanpix

Staatliche Jobs für Odense – das war der Grund für die Verlegung der Umweltbehörde weg aus Kopenhagen. Doch laut Altinget.dk kann der Umzug nach Einschätzung der Behörde für Bürger, Landwirte und Unternehmen ernsthafte negative Folgen haben.

Zahlreiche Mitarbeiter verlassen derzeit die Umweltbehörde, weil sie nicht mit ihr von Kopenhagen nach Odense ziehen wollen. Und das sorgt für große Probleme, zeigt eine Risikoanalyse, die die Umweltbehörde anlässlich des Umzuges selbst angefertigt hat. Wie Altinget.dk berichtet, besteht demnach in einer ganzen Reihe von Umweltgebieten die Gefahr von Verschlechterungen als direkte Folge des Umzuges.

Beispiele sind Genehmigungen für Pestizide, die Sachbearbeitung beim Gewässerschutz und Maßnahmen im Chemikalien-Bereich, die sich in die Länge ziehen dürften – und teurer werden.

Umweltschützer warnen vor ernsthaften Folgen

Unternehmen, die mit der Umweltbehörde zusammenarbeiten, heißt es in dem Bericht, könnten „wirtschaftlich getroffen werden“. Auf 20 Seiten werden 155 potenzielle Risikobereiche beschrieben, von denen acht die höchste Warnstufe (rot) erhalten haben. In 43 Bereichen gab es mit dem orangenen Label die zweithöchste Warnstufe.

Beim Naturschutzbund Danmarks Naturfredningsforening (DN) wird der Bericht sehr ernst genommen.„Äußerst kritisch“ sei das, was dort zu lesen ist, meint der Landwirtschafts-Experte des Verbandes, Thyge Nygaard, laut Altinget.dk. „Man hat eine gut funktionierende Behörde komplett zerschmettert“, sagt er.

Behörde und L&F rufen zur Gelassenheit auf: Es werde schließlich vorgesorgt

Auch der Ökologische Rat kritisiert den Umzug als gefährlich für die Umwelt in Dänemark. Seitens der Behörde selbst wird hingegen von „rechtzeitiger Vorsorge“ gesprochen. Die Liste habe den Zweck, Risiken rechtzeitig zu identifizieren. So könne vorgesorgt werden. Zudem, so der Vizedirektor der Behörde, Lars Møller Christiansen, zu Altinget.dk, laufe die Rekrutierung neuer Mitarbeiter gut.

Die Umweltschützer von DN beruhigt das wenig. „Es geht hier nicht um Bäckereifachverkäufer, sondern um hochspezialisierte Arbeitskraft“, sagt Nygaard. Die Behörde selbst schreibe, dass es ein Jahr dauere, bevor man Experte sei.

Für die Landwirtschaft von Bedeutung könnte die Prognose sein, dass die Stickstoffziele aus dem Landwirtschaftspaket der Regierung durch den Umzug in Gefahr geraten könnten. Auch längere Sachbearbeitungszeiten und Genehmigungszeiten für Landwirte stünden ins Haus, und wenn die Behörde nicht handlungsfähig sei, verliere sie auch Einfluss auf die Pestizidverhandlungen in der EU, schreibt die Behörde.

Halb so wild, meint unterdessen der Umweltdirektor beim Landwirtschaftsverband Landbrug & Fødevarer (L&F), Niels Peter Nørring. Der Rechtzeitige Einsatz werde dafür sorgen, dass „keine größeren Probleme“ entstehen werden.

Im roten Block im Folketing sehen Politiker hingegen ihre Befürchtungen bestätigt. Christian Poll von der Alternative hat deshalb den neuen Umweltminister Jakob Ellemann-Jensen zur Anhörung einberufen.

440 Arbeitsplätze sollen noch im laufenden Jahr von Kopenhagen nach Odense verlegt werden.

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