Zurück zu den Wurzeln

Dänisch für Fortgeschrittene

Kerrin Jens
Apenrade/Aabenraa
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Carsten Alnor Foto: K. Riggelsen

Carsten Alnor lernt an der Højskole Østersøen Dänisch – unbekannt ist ihm Nordschleswig allerdings nicht.

„Wenn man Mensch und Kultur kennenlernen will, muss man ihre Sprache lernen“ – Carsten Alnor aus Bad Pyrmont hat dänische Wurzeln. Diese führen ihn in die Højskole Østersøen. Der Niedersachse mit einem dänischen Pass habe sich unrund gefühlt, die dänische Sprache nicht zu sprechen. Aus diesem Grund verweilt er seit vergangenem August in Apenrade. „Mein erster Sprachkurs ging von August bis Dezember. Ich war mit dem Ergebnis aber nicht zufrieden und habe mich für einen weiteren angemeldet. Mein zweiter Kursus geht noch bis Mai“, erzählt der 61-Jährige, der in Kiel geboren wurde. Sein Vater Peter Christian Alnor gehört zur deutschen Minderheit in Dänemark. Ihm war es wichtig, dass seine Söhne die dänische Staatsbürgerschaft annehmen.

So kreuzen sich Carsten Alnors Wege immer wieder mit Dänemark und vor allem Nordschleswig. Er ist der Neffe des jüngst verstorbenen Arztes Jens Uwe Alnor aus Klipleff. Auch mit dem regionalen Getränkeproduzenten Fuglsang ist er bekannt. Die Schwester seines Vaters heiratete einen Fuglsang.

Unverständnis bei Freunden

Seine Freunde in Bad Pyrmont konnten seinen Wunsch, Dänisch zu lernen, nicht verstehen. „Was willst du denn mit Dänisch? Das war die Reaktion auf meine Aussage, dass ich für mehrere Monate nach Dänemark gehe, um Sprachunterricht zu nehmen“, erzählt der Geschichtsliebhaber.

In seinem früheren Beruf als Bänker ist Carsten Alnor viel gereist. Während 18 Arbeitsjahren bei der Deutschen Bank hat er in London, New York und Caracas gelebt. Nach den Auslandsaufenthalten verschlug es ihn zurück nach Deutschland. Er wurde Direktor der Deutschen Bank in Bad Pyrmont in Niedersachsen. Einige Jahre später wechselte er dort den Beruf und fing bei einem Hersteller für Kupferlackdrähte an. Als der Betrieb strukturell umgestaltet wurde, verließ er das Unternehmen. Daraufhin entschied der Weltenbummler sich, für ein halbes Jahr in die USA zu gehen. Carsten Alnor wanderte dort auf dem Pacific Crest Trail, um sich über seine Zukunft bewusst zu werden. Da kam ihm die Idee, Dänisch zu lernen, um der Geschichte seiner Familie näherzukommen.

Dänisch lernen

„Die Sprache habe ich allerdings unterschätzt. Das gesprochene Dänisch unterschiedet sich sehr von dem Geschriebenen“, berichtet Carsten Alnor. „Die Aussprache ist immer noch eine Herausforderung für mich.“

An der Højskole fühlt er sich trotzdem sehr wohl und wohnt auch dort.
Sein Alltag in der Schule fängt jeden Morgen mit einem einstündigen Spaziergang an. Bevor es in den Sprachkursus geht, wird gemeinsam gesungen. Nach dem Mittagessen geht der Unterricht weiter. „Die Verpflegung ist hier sehr gut“, freut sich der Bad Pyrmonter. Die Schule bietet neben dem Sprachunterricht auch Ausflüge an. Dann geht es mit der ganzen Gruppe nach Tondern in den Bücherladen oder nach Flensburg auf den Weihnachtsmarkt.

Carsten Alnor möchte so viel wie möglich von Dänemark kennenlernen. Mit seinen neu erworbenen Dänischkenntnissen wünscht er sich, Bestandteil der dänischen Kultur zu werden. „Ich hoffe, im Sommer mit meinen Nachbarn auf Röm Dänisch sprechen zu können“, verrät der langjährige Besitzer eines dänischen Sommerhauses. Seine Familie hat schon seit vielen Jahren ein Sommerhaus auf der Insel.
Außerhalb der Sprachschule nimmt Carsten Alnor an den wöchentlichen Treffen des Rotaryclubs teil. Bereits in Niedersachsen war er Mitglied. Jetzt besucht er die dänischen Versammlungen. Er freut sich, dass er mehr und mehr versteht.

Alnor findet es wichtig, sich sozial zu engagieren. In Bad Pyrmont ist er außerdem seit acht Jahren Leiter der Musikschule. Das ist eine Herzensangelegenheit für ihn. Er setzt sich stark für die musikalische Früherziehung ein.

Verbundenheit zur Minderheit

Neben seinen vielfältigen Interessen ist er immer wieder auf den Spuren seiner Familie unterwegs. Er beschäftigt sich viel mit der deutschen Minderheit in Nordschleswig und nimmt an Treffen wie „Wie tickt die Minderheit?“ teil. Sein Vater schrieb sogar ein Buch zu dem Thema. Peter Christian Alnor arbeitete seine Vergangenheit in dem Buch „In Schleswig zu Hause“ auf.

Die Verbundenheit zur Minderheit in Dänemark spiegelt sich auch in Carsten Alnors eigener Familie wider. Seine drei Söhne haben ebenfalls einen dänischen Pass und leben zum Teil in Dänemark. Obwohl für ihn immer wieder alle Wege nach Dänemark führen, fühlt er sich als Braunschweiger. Dort hat er viel Zeit seines Lebens verbracht.

Alle drei Wochen fährt er noch nach Bad Pyrmont, um nach dem Rechten zu sehen. Irgendwann will er auch wieder dorthin zurück.

Aber vorher plant Carsten Alnor schon das nächste Abenteuer. „Ich möchte gerne mit dem Rucksack durch Vietnam reisen“, verrät der unternehmungslustige Mann. An dem asiatischen Land reizen ihn die spannende Geschichte und die vietnamesische Küche. „Ich könnte mir gut vorstellen, dort einen Kochkursus zu machen“, erzählt der Hobbykoch.

Der Niedersachse nimmt es mit der Zukunftsplanung allerdings nicht so genau. Vielleicht kauft er sich auch ein Boot oder macht einen weiteren Dänischkursus. „Wer weiß, wenn ich im Mai nicht mit dem Ergebnis meiner Sprachkenntnisse zufrieden bin, bleibe ich noch länger in Apenrade.“

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