Leitartikel

Medien vertrauen?

Peter Lassen
Peter Lassen Hauptredaktion
Apenrade/Aabenraa
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Lars Løkke Rasmussen (Venstre). Foto: Scanpix

Lars Løkke Rasmussen und seine Moral werden Thema bleiben – zumindest bis zur nächsten Wahl. Die Glaubwürdigkeit der Medien wird auch darüber hinaus auf dem Prüfstand stehen (müssen), meint Peter Lassen.

Am Donnerstag wurde an dieser Stelle die Frage gestellt, ob man Løkke vertrauen kann? Dies muss jeder für sich beantworten und ist dabei sehr auf die Medien angewiesen, um den Tatsachen näherzukommen. Das ist übrigens so bei den meisten Themen.

Da sollte man meinen, dass es in der heutigen Medienvielfalt ein Klacks wäre, die Spreu vom Weizen zu trennen. Denn trotz der freien Auswahl der Themen ist es an der Tagesordnung, dass sich die Medien gegenseitig befruchten: copy and paste. Wenn etwas erst einmal Sache ist, dann suchen alle im selben Lichtkegel, wie es eine Kollegin so treffend formuliert hat im Zuge der vorgestrigen Løkke-Anhörung im Folketing.

Nicht jeder hat die Zeit oder das Interesse oder die Pflicht, sich die moderne politische Form der Anprangerung live anzusehen. Da ist es dann hilfreich, wenn man mit einem der teilnehmenden Politiker/Scharfrichter vor Ort vernetzt ist. Denn viele der Volksgewählten hatten selbst während der Anhörung alle Hände voll zu tun damit, an ihr Volk und vor allem an diverse Medien zu zwitschern, um ihre unvoreingenommene Meinung kundzutun. Seriöse Parlamentsarbeit ganz transparent – oder?

Das zeigt teilweise, worum es bei solchen politischen Events geht: Hau den Løkke, Holst, Geil, Trump oder wen auch sonst noch. Es geht vielfach nicht um Aufklärung, sondern um Meinungsmache – genau wie wenn man in der so seriösen ARD die Buh-Rufe bei einer Trump-Rede verstärkt rüberbringt, um den dummen Zuschauern zu vermitteln, dass es sie gab. Oder wenn man in den Halleluja-Journalismus verfällt, der zwar nicht Fake News bringt, aber doch kräftig selektiert, um nur die „richtige“ Meinung zu vermitteln.

Es ist wahrlich die Frage, ob man Løkke oder anderen trauen kann. Aber es ist eben auch die Frage, ob man den Medien trauen kann. Jyllands-Postens politische Analytikerin Marchen Neel Gjertsen trifft – aus meiner Sicht – da voll ins Schwarze im Hinblick auf die so oft zitierte Medienmühle: „Wenn ein Medium Licht in eine Sache bringt, dann suchen alle gleich unter demselben Laternenpfahl. Gleichzeitig ist die Anatomie des Journalismus so, dass es wenig dazu braucht, wenn eine Sache erst als solche etabliert ist. Storys, die vor einem Monat nicht so groß gefahren worden wären, können plötzlich volles Rohr bekommen. Weil sie sich in den Zusammenhang reinschreiben lassen.“

Okay, Løkke und seine Moral werden Thema bleiben – zumindest bis zur nächsten Wahl. Die Glaubwürdigkeit der Medien wird auch darüber hinaus auf dem Prüfstand stehen (müssen).

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