Coronavirus

Forscher: Wirkung der teuersten Corona-Maßnahmen nur klein

Forscher: Wirkung der teuersten Corona-Maßnahmen nur klein

Forscher: Wirkung der teuersten Corona-Maßnahmen nur klein

PauSe
Oslo/Apenrade
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In den nordischen Ländern wurde unterschiedlich auf die Corona-Krise reagiert. Foto: Birger Lallo/Np00967428/Ritzau Scanpix

Mehr Menschen sind in Dänemark, Norwegen und Schweden zuletzt an der saisonbedingten Grippe gestorben als an Corona, haben norwegische Forscher berechnet. Zugleich sind die gesellschaftlichen Kosten der Restriktionen in Dänemark und Norwegen enorm – anders als in Schweden, wo die Maßnahmen weit lockerer sind.

Der Coronavirus hat in Dänemark, Norwegen und Schweden weniger Todesopfer gekostet als die saisonübliche Influenzawelle, berichtet das Internetportal ingeniøren.dk in Bezugnahme auf eine Untersuchung, die acht norwegische Forscher durchgeführt haben.

Die Wissenschaftler haben auch festgestellt, dass die rigiden Einschränkungen in Dänemark und Norwegen nicht zu einer wesentlich geringeren Todesrate im Vergleich zu Schweden geführt haben, obwohl dort die coronabedingten Auflagen lockerer sind.

Die Forschergruppe hat den Durchschnitt der täglichen Corona-Toten mit denen der Influenza-Toten im Zeitraum vom 11. März, als der erste Corona-Todesfall in Schweden registriert wurde, bis zum 11. April verglichen und kam zu dem Ergebnis, dass durchschnittlich in Norwegen vier, in Dänemark acht und in Schweden 28 Personen an Covid-19 starben, während die saisonbedingte Sterberate der Grippe-Toten bei 21, 23 und 53 lag. Als Referenzdaten haben die Wissenschaftler die Zahlen der Influenza-Toten im entsprechenden Zeitraum in den Wintern 2015/16 sowie 2018/19 herangezogen.

Strenge Maßnahmen ohne Effekt

Sowohl in Dänemark als auch in Norwegen wurden fast identische Eingriffe von den Regierungen beschlossen, doch in Schweden läuft der Schulbetrieb weiter, und die Bürger können immer noch ausgehen in Restaurants, zur Fitness oder zu Kulturveranstaltungen.

„Trotzdem liegt die Todesrate von Corona-Erkrankten in Schweden nicht wesentlich höher, und daher muss erwogen werden, ob die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Nachteile in einem vernünftigen Verhältnis zu den Maßnahmen stehen“, schreiben die Norweger. „Landesweite Schließungen von Schulen und Universitäten sind ein großer Eingriff in die grundlegenden Bereiche der Gesellschaft. Der Nutzen von Schulschließungen bei Pandemien ist jedoch nicht erforscht worden.“

Die Wissensgrundlage für rigorose Eingriffe wie Schulschließungen ist zu vage oder nicht belegt, lautet die Konklusion.

„Der Unterschied zwischen Dänemark mit seinen strengen und kostspieligen Maßnahmen zu Schwedens eher lockeren besteht in einer höheren Rate an Corona-Toten von 3,78 Fällen pro 100.000 Menschen“, schreibt Professor Mette Kalager von der Osloer Universität gegenüber der norwegischen Zeitung „Aftenposten“. „Wir meinen, das ist zu gering in Anbetracht der großen Konsequenzen, die die Maßnahmen mit sich führen.“

Der Bericht empfiehlt eine gemäßigte Aufhebung der Einschränkungen, jedoch sollen besonders gefährdete Personengruppen weiterhin geschützt bleiben. Die acht Forscher kommen vom Oslo Universitätshospital, der Uni Oslo und der Universität in Tromsø. Sie heben hervor, dass die Anwendung der Todeszahlen die sicherste Methode ist, valides Material zu erstellen.

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