Offizieller Besuch

US-Außenminister diskutiert Arktis in Kopenhagen

US-Außenminister diskutiert Arktis in Kopenhagen

US-Außenminister diskutiert Arktis in Kopenhagen

Kopenhagen
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Großes Sicherheitsaufgebot beim Besuch des US-Außenministers, der um 10 Uhr in Kopenhagen gelandet ist. Vor dem Treffen mit den Außenministern des Königreiches, hat er Staatsministerin Mette Frederiksen einen Besuch abgestattet. Foto: Mads Claus Rasmussen/Ritzau Scanpix

Knapp ein Jahr nachdem Trump kundtat, er wolle Grönland kaufen, trifft sich der amerikanische Außenminister Mike Pompeo mit den Kollegen aus Dänemark, Grönland und den Färöern.

Die Arktis wird zunehmend eine Region von globaler Bedeutung, wo die Großmächte USA, Russland und China versuchen, möglichst großen Einfluss zu erlangen.

Vor diesem Hintergrund muss man auch den Besuch des amerikanischen Außenministers Mike Pompeo in Kopenhagen sehen. Er trifft sich hier am Mittwoch mit dem dänischen Außenminister Jeppe Kofoed (Soz.), dem grönländischen Naalakkersuisoq (Minister) für Äußeres, Steen Lynge, und dem färöischen Landesrat für Äußeres, Jenis av Rana.

Bei dem Treffen geht es um alles andere als einen Höflichkeitsbesuch.

„Für das Königreich Dänemark ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Zusammenarbeit in der Arktis weiterhin von niedriger Spannung geprägt wird“, sagt Kofoed im Vorfeld des Treffens zu „Ritzau“.

Russische Aufrüstung

Russland öffnet oder erweitert Militärstützpunkte in den arktischen Teilen des Landes. Der dänische militärische Nachrichtendienst, FE, schätzt ein, die Stützpunkte hätten vor allem defensiven Charakter, jedoch auch ein „offensives Potenzial“. Russische Bombenflugzeuge können mittlerweile Grönland und die für die USA wichtige Thule Air Base erreichen.

China arbeitet an dem Projekt der „Arktischen Seidenstraße“ nördlich um Russland, die den Weg nach Europa verkürzen soll. Mit Investitionen versucht das Land, in der Arktis Einfluss zu gewinnen.

US-Reaktion

Pompeo hat mehrfach das Vorgehen beider Länder mit deutlichen Worten kritisiert. Die USA haben vergangenes Jahr ihre „2. Fleet“ wieder aktiviert. Ihre Aufgaben liegen im Nordatlantik und in der Arktis. Bislang sind keine Pläne der USA bekannt, ihre militärische Anwesenheit auf Grönland auszubauen. Doch genau um die amerikanischen Pläne in der Arktis wird es beim Treffen in Kopenhagen gehen, meint Jon Rahbek-Clemmensen, Lektor bei „Forsvarsakademiet“.

„Man kann befürchten, dass dies eine Gegenreaktion auslösen kann. Die Frage werden Dänemark, Grönland und die Färöer diskutieren wollen“, sagt der Militärexperte zu „Ritzau“.

Konsulat und Investitionen

Die USA fahren seit zwei bis drei Jahren eine reguläre Charme-Offensive gegenüber Grönland. Donald Trumps Kaufangebot im August vergangenen Jahres hat das Verhältnis eine Zeit lang belastet, doch seither arbeiten die Vereinigten Staaten daran, sich gegenüber den Grönländern wieder populär zu machen.

So haben sie im Juni ein Konsulat in Nuuk eröffnet, und im April wurden 83 Millionen Kronen für Projekte in Grönland bereitgestellt.

Interessenkonflikte

Der grönländische Naalakkersuisoq für Äußeres macht darauf aufmerksam, dass Grönland und Dänemark nicht in allen Fällen gleiche Interessen haben.

„Es wird Interessenkonflikte geben, aber die müssen wir lösen. Für die grönländische Regierung ist es entscheidend, dass Uneinigkeiten innerhalb der Reichsgemeinschaft (Rigsfællesskabet) einer wirtschaftlichen Entwicklung nicht im Wege stehen. Daher müssen wir uns einigen“, sagt Lynge zu „Ritzau“.

„Die Sicherheit ist selbstverständlich wichtig, das kann man nicht abstreiten. Aber die Entwicklung zugunsten der Bevölkerung darf nicht durch Einzelinteressen beschädigt werden.“

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