Volkstreffen in Ripen

Autor ist Dänisch in Deutschland - und Deutsch in Dänemark

Autor ist Dänisch in Deutschland - und Deutsch in Dänemark

Autor ist Dänisch in Deutschland - und Deutsch in Dänemark

Max Hey
Max Hey
Ripen/Ribe
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Die beiden Autoren, Feridun Zaimoglu (l.) und Knud Romer (r.) im Gespräch mit Claudia Knauer. Foto: Max Hey

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Die Schriftsteller Knud Romer und Feridun Zaimoglu sprachen beim Folkemøde in Ripen über die Frage der Identität. Beide wehren sich bei dieser Frage gegen Schubladendenken. Für Romer ist seine Identität auch davon abhängig, wo er sich gerade befindet.

Von einer klar definierten Zugehörigkeit kann bei Feridun Zaimoglu „nicht die Rede sein“, so der in Kiel lebende Autor. Obwohl er sich als Deutscher identifiziert, lässt er sich vielmehr von der Frage leiten, wer er in der Geschichte ist, die er erzählen möchte, denn mit „einer Identität als nur ich selbst, möchte ich nichts zu tun haben“, so Zaimoglu.

Auch für Knud Romer, der in einem deutsch-dänischen Haushalt in Nykøbing/Falster aufwuchs, ist die eigene Identität kontextabhängig. In Deutschland fühlt er sich Dänisch, da er mit dem vorherrschenden formellem und hierarchischem, gesellschaftlichem Umgang mit seiner lockeren dänischen Art häufig aneckt. In Dänemark wiederum ist er, laut eigener Aussage, durch seine Strenge und Kultiviertheit sehr deutsch.

„Es gibt in der Literatur keine Basisdemokratie“

Feridun Zaimoglu

Beide Schriftsteller monierten, bei dem von Büchereidirektorin Claudia Knauer moderierten Gespräch, Schubladendenken bei Identitätsfragen sowie die Verengung des Meinungskorridors. „Es gibt in der Literatur keine Basisdemokratie“, meint Zaimoglu. Er verstehe zwar den Wunsch, niemanden durch Begrifflichkeiten auszuschließen, aber kritisiert an der sogenannten Cancel Culture, dass durch die Priorisierung von Gerechtigkeit die (künstlerische) Freiheit eingeschränkt wird. Als Konsequenz wird man abgestraft, „wenn man nicht den zugewiesenen Platz einnimmt“, so Zaimoglu.

So ist die eigene Identität, laut Romer, von anderen häufig vorbestimmt und man hat keine Möglichkeit diese zu aktualisieren. Das gilt insbesondere für Menschen, die keine Stimme haben: „Du musst schreien, nachdem du aus dem Ghetto oder der Provinz gekommen bist“, denn „wenn du dort bist hört dich niemand“, sagt er. Deswegen ist sein Prinzip, Minderheiten eine Stimme zu geben, „denn ich bin Provinzler, ich bin Deutscher“, so Romer.

Die Schweden sind doof, die Deutschen sind doof, die Einwanderer sind sowieso doof. Wir sind die Einzigen die nicht doof sind: Das ist doof“

Knud Romer

Beide Schriftsteller kritisierten bei der Debatte während des Folkemødes in Ripen am Sonnabend außerdem feste nationalen Identitätsvorstellungen. So verhält es sich mit der nationalen Identität in Dänemark momentan, laut Romer, „wie ein Kind in der Pubertät – Die Schweden sind doof, die Deutschen sind doof, die Einwanderer sind sowieso doof. Wir sind die Einzigen die nicht doof sind: Das ist doof“, so Romer.

Gleiches gilt für völkisch Denkende in Deutschland „mit der abwegigen Überzeugung, dass es früher besser war“, sagt Zaimoglu. Denn, wenn „Heimat wieder großgeschrieben wird und die Flagge im Wind weht, ist das natürlich ein Albtraum“, stellt er klar.

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