Dansk-tysk med Matlok

Uffe Ellemann-Jensen zu Gast bei Matlok

Uffe Ellemann-Jensen zu Gast bei Matlok

Uffe Ellemann-Jensen zu Gast bei Matlok

DN
Kopenhagen
Zuletzt aktualisiert um:
Uffe Ellemann-Jensen (r.) und Siegfried Matlok beim Interview im Kopenhagener Studio des Fernsehsenders DK4 Foto: DK4

„Der Uffe“ erzählt, wie Helmut Kohl verärgert reagierte nach einem dänischen Fußballtor gegen Deutschland.

30 Jahre nach dem Mauerfall stellt der frühere dänische Außenminister Uffe Ellemann-Jensen in einem Fernseh-Interview in der Sendung „Dansk-tysk med Matlok“ auf DK4 fest: „Deutschland ist heute unser allerwichtigster Partner in Europa und wohl auch international, obwohl wir natürlich nicht um die Tatsache herumkommen, dass wir auf Amerika nicht verzichten können – trotz der Herausforderungen durch Präsident Trump.“

Der ehemalige Venstre-Vorsitzende wiederholt mit den eigenen Worten „gern“, was der frühere polnische Außenminister Sikorski einst in einer Rede in der Berliner Humboldt-Universität über die Rolle des wiedervereinigte Deutschland gesagt hat. „Es sei vielleicht seltsam, dass das aus dem Mund eines polnischen Politikers kommt, aber ich fürchte nicht, dass Deutschland die europäische Politik dominiert, sondern ich fürchte eher, dass Deutschland zu wenig Platz einnimmt. Mir geht es ähnlich. Ich wünsche mir, dass Deutschland seine Kräfte noch stärker einsetzt als bisher, denn ich spüre manchmal eine gewisse deutsche Zurückhaltung, sich als der Grosse aufzuspielen. Wir brauchen aber deutsche Führungsverantwortung – gerade auch in der Verteidigungspolitik“, so Ellemann aktuell.

Im Interview spricht „der Uffe“ u.a. über seine langjährige auch familiär-enge Freundschaft mit Bundesaußenminister Hans Dietrich-Genscher – alles begann übrigens mit einem deutsch-dänischen Fischereistreit! – , über seinen wegen einer schweren Operation verspäteten Besuch mit seiner Frau Alice an der Berliner Mauer 1990, über die falschen Prognosen von Genscher und auch von ihm selbst über das Tempo zur deutschen Einheit ein Jahr danach, über seinen berühmten Spruch vor dem EM-Fussballfinale von Göteborg zwischen Dänemark und Deutschland 1992 „If you cant't join them, beat them“ und wie Bundeskanzler Helmut Kohl als Tischnachbar der Dänen beim gleichzeitig stattfindenden EU-Gipfel in Lissabon verärgert reagierte nach dem dänischen Führungstor.

Schlüter „zögerte“ aus historischen Gründen vor deutscher Einheit

Wie war die Haltung der dänischen Regierung zur Frage der deutschen Wiedervereinigung 1989/1990? Sie ist noch etwas ungeklärt, aber nun meldet sich ein Zeitzeuge zu Wort: der damalige Außenminister Uffe Ellemann-Jensen. In einem Fernseh-Interview auf DK4 räumt Ellemann ein, dass es in der dänischen Regierung – mit seinen Worten – „diplomatisch ausgedrückt unterschiedliche Betonungen gegeben hat“.

Es gab zwar „keinen Widerstand, sondern ein Zögern“. Laut Uffe ist ja allgemein bekannt, dass Staatsminister Poul Schlüter damals den berühmten Satz zitierte, er halte so viel von Deutschland, weil es zwei deutsche Staaten gäbe.

Von Siegfried Matlok darauf hingewiesen, dass Schlüter selbst bestritten hat, dass er gegen eine deutsche Wiedervereinigung gewesen sein soll, antwortete Ellemann: „Okay, aber es war jedenfalls so, dass Bundeskanzler Kohl der Ansicht war, dass Schlüter sich so geäussert hatte. Und das hat Kohl nie vergessen. Das fand er gar nicht lustig, aber es war nicht so, dass es zu einer Streitfrage wurde.

Es gab einen konservativen „Sønderjyden“, der vielleicht nicht so begeistert war und dafür gab es wohl historische Gründe“, so Ellemann, der damit auf die Herkunft von Schlüter anspielte, der in Tondern geboren und in Hadersleben aufgewachsen ist.

Er selbst habe jedoch frühzeitig eine klare Position eingenommen, unterstrich der ehemalige Aussenminister im Interview in der Sendereihe „Dansk -tysk med Matlok“.

Uffe schwärmt von Merkels „schönen Augen“

Dänemarks früherer Außenminister Uffe Ellemann-Jensen schwärmt von Bundeskanzler Angela Merkels „sehr schönen Augen“ – vor allem aber von ihrer Politik.

„Begeistert“ sei er von ihr, so Ellemann in der Fernsehsendung „Dansk-tysk med Matlok“ auf DK4.

Er verwies darauf, dass Merkel erst nach seiner eigenen Zeit als dänischer Außenminister von 1982-1993 Bundeskanzlerin geworden sei. Ellemann ist Angela Merkel nur einmal selbst begegnet – bei einer grossen Geburtstagsfeier seines Freundes Hans-Dietrich Genscher in Berlin.

„Merkel war gerade Kanzlerin geworden, und er sah ihre „sehr schönen Augen“, als sie in einer Rede feststellte: „Ohne Sie, Herr Genscher, wäre ich heute nicht hier und hätte nicht die Entwicklung erlebt, die mich in dieses Amt geführt hat. Sie hatte Tränen in den Augen. Das hat mich tief bewegt.“

Uffe Ellemann: „Angela Merkel findet meinen grössten Respekt.“

Mehr lesen