Arbeitsmarkt

4-Tage-Woche in Dänemark: „Undenkbar“

4-Tage-Woche in Dänemark: „Undenkbar“

4-Tage-Woche in Dänemark: „Undenkbar“

Jon Thulstrup
Jon Thulstrup
Aalborg
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In der Baubranche kommen die 4-Tage-Wochen teilweise zum Einsatz. Foto: SAMS Solutions/Unsplash (Symbolfoto)

In Finnland macht sich die dortige Premierministerin Sanna Marin für eine 4-Tage-Woche stark. Ein Arbeitsmarktforscher denkt jedoch nicht, dass dies eine Möglichkeit in Dänemark ist.

Der finnische Arbeitsmarkt ist bei seiner Flexibilität ein Vorbild für viele Nationen. Doch am Wochenanfang wagte die dortige 34-jährige Premierministerin Sanna Marin einen Vorstoß bezüglich der Flexibilität. Sie präsentierte den Vorschlag einer 4-Tage-Woche mit jeweils sechs Arbeitsstunden. „Ich glaube, die Menschen verdienen es, mehr Zeit mit ihren Familien, ihren Hobbys und anderen Aspekten des Lebens wie Kultur zu verbringen“, habe sie dabei gesagt. Mittlerweile hat sie diesen Vorschlag widerrufen. Die finnische Regierung teilte mit, dass solche Pläne nicht im Regierungsprogramm oder auf der Agenda stehen würden. Die Debatte über eine verkürzte Arbeitswoche aber bleibt.

Auch in Japan hat ein Unternehmen kürzlich ein Pilotprojekt mit einer verkürzten Arbeitswoche durchgeführt. Die Ergebnisse fielen mit einer höheren Produktivität unter den Mitarbeitern und einem niedrigeren Stressfaktor äußerst positiv aus. Demnach stellt sich die Frage, ob eine 4-Tage-Woche in Dänemark eingeführt werden könne?

„Von politischer Seite aus ist es undenkbar“, unterstreicht Flemming Ibsen, Arbeitsmarktforscher der Uni Aalborg gegenüber dem „Nordschleswiger“. In Dänemark werde keine Regierung eine Mehrheit für ein solches Vorhaben bekommen. Zudem stelle sich die Frage, wer das alles bezahlen soll? „Die Arbeiter wollen weiterhin denselben Lohn für weniger Arbeit bekommen. Ich bin mir sicher, dass die Arbeitgeber das nicht bezahlen wollen“, so Ibsen.

Alle vorhandenen Kräfte werden gebraucht

Auch sei es unter anderem im öffentlichen Sektor nur bedingt möglich, eine verkürzte Arbeitswoche einzuführen. „Im Pflegebereich oder in der Kinderbetreuung ist ein solches Vorhaben nicht möglich. Dort werden alle vorhandenen Kräfte gebraucht“, erklärt er. „Hinzu kommt, dass wir 2019 in Dänemark einen großen Mangel an Arbeitskräften erlebten. Weniger Arbeit ist aus meiner Sicht keine Lösung der Herausforderungen.“

Er weist darauf hin, dass einige Branchen individuell schon eine 4-Tage-Woche eingeführt haben. „Beispielsweise in der Baubranche findet man ein solches Modell. Dies basiert aber trotzdem auf einer 37-Stunden-Woche“, unterstreicht er.

Mehr Flexibilität

Ibsen schätzt zudem, dass eine verkürzte Arbeitswoche bei den Arbeitnehmern gar nicht ganz oben auf der Wunschliste steht. „Viele sind mit der Stundenzahl zufrieden, wollen aber mehr Flexibilität – insbesondere Eltern. Vielleicht müssen die Kinder zu bestimmten Zeiten in die Kindertagesstätten gebracht oder von dort abgeholt werden. Eine flexible Gestaltung des Arbeitstages kann dort abhelfen“, so Ibsen. Die Familienfreundlichkeit sei in den vergangenen Jahren vermehrt in den Fokus gerückt.

„Auch die Freiheit, sich die Arbeit an die eigene Lebenssituation anpassen zu können, steht bei den Arbeitnehmern höher im Kurs“, so der Arbeitsmarktforscher abschließend.

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