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So hat Neumünster bei der Oberbürgermeisterwahl gewählt

So hat Neumünster bei der Oberbürgermeisterwahl gewählt

So hat Neumünster bei der Oberbürgermeisterwahl gewählt

Gunda Meyer/shz.de
Neumünster
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Stadtsprecher Stefan Beitz und Stadtpräsidentin Anna-Katharina Schättiger verfolgten die Ergebnisse im Rathaus. Alle Ergebnisse der OB-Wahl sind auf der Homepage der Stadt aufbereitet. Foto: Gunda Meyer

Das erste Mal in Neumünsters Geschichte wird es eine Stichwahl geben. Eine Analyse der Abstimmung von Sonntag.

Erstmals nach der Oberbürgermeisterwahl 1997 waren in diesem Jahr so viele Bewerber im Rennen um das Amt des Verwaltungschefs. Bei vier Mitbewerbern eine absolute Mehrheit zu erringen, war schwer. Amtsinhaber Dr. Olaf Tauras schaffte es im ersten Anlauf am Sonntag nicht und muss sich nun am 30. Mai einer Stichwahl mit dem SPD-Kandidaten Tobias Bergmann stellen.

Tauras hatte erstmals zwei starke Kontrahenten

Tauras schaffte es im ersten Anlauf 2009 mit 59,7 Prozent der Stimmen (15.151 Stimmen) gegen Günter Humpe-Waßmuth (SPD) ins Amt.

2009 gewann Dr. Olaf Tauras die Wahl gegen seinen SPD-Kontrahenten Günter Humpe-Waßmuth gleich im ersten Wahlgang. Foto: Stadt Neumünster

Bei der Wahl 2015 konnte Tauras sich mit 59,8 Prozent (13.161 Stimmen) problemlos gegen seine SPD-Kontrahentin Elke Christina Roeder durchsetzen. Bei der jetzigen Wahl musste er sich erstmals zwei aussichtsreichen Kandidaten stellen: Denn neben Tobias Bergmann (SPD) stellten die Grünen mit Sven Radestock einen eigenen Kandidaten auf. Tauras schaffte nur 40,6 Prozent (10.315 Stimmen).

Bei der Oberbürgermeisterwahl 2015 gab es die schlechteste Wahlbeteiligung einer OB-Wahl. Tauras setzte sich gegen Elke Christina Roeder (SPD), AfD (Sven Schmidt) und NPD (Mark Michael Proch) durch. Foto: Stadt Neumünster

Das sind die Hochburgen für die Kandidaten

„Die aktuelle Wahl mit den vergangenen zu vergleichen, ist schwierig. Wir haben eine veränderte Parteien-Landschaft, und die Pandemie-Bedingungen führen sicher auch hier und da zu anderen Abstimmungsergebnissen“, erklärt Tauras. Er hat in 42 von 43 Wahlbezirken die meisten Stimmen erhalten, einmal lag Sven Radestock ganz vorne. In Gadeland (46,8 Prozent) bekam er die meisten Stimmen, die wenigsten gab es in der Böcklersiedlung-Bugenhagen (37,1 Prozent). Dort und in Wittorf erreichte Tobias Bergmann die meisten Wähler mit je 30,7 Prozent, die wenigsten dagegen in Einfeld (21,0 Prozent).

Der Einfelder Sven Radestock vereinigte hingegen in seinem Stadtteil die meisten Stimmen (33,0 Prozent) auf sich, die wenigsten gab es für ihn in Faldera (17,7 Prozent).

In der Stadtmitte mobilisierte der freie Kandidat Memet Celik die meisten Wähler (8,8 Prozent), die wenigsten erreichte er in Einfeld und Gadeland (je 4,8 Prozent).

Der NPD-Kandidat Mark Michael Proch trat bereits zum zweiten Mal an. 2015 gab es auch noch einen Kandidaten der AfD, die in diesem Jahr keinen OB-Aspiranten aufstellte. Damals hatte Proch 2,6 Prozent (575 Stimmen) bei der Wahl geholt. Diesmal errang er 3,1 Prozent der Stimmen, die meisten davon in der Stadtmitte und Böcklersiedlung-Bugenhagen (je 3,9 Prozent), die wenigsten in Wittorf (2,2 Prozent).

Wahlbeteiligung besser als bei der OB-Wahl zuvor

Die Wahlbeteiligung lag diesmal bei 39,9 Prozent und damit im Schnitt einer OB-Wahl. Die schlechteste Beteiligung gab es 2015 (34,5 Prozent). 2009 lag sie bei 40,6 und 1997 bei 38,9 Prozent. Einen Ausreißer nach oben gab es 2003. Seinerzeit lag die Wahlbeteiligung bei 48,4 Prozent, fand aber auch zeitgleich mit der Kommunalwahl statt.

Bei der OB-Wahl 2003 war die Wahlbeteiligung besonders hoch, weil zeitgleich die Kommunalwahl stattfand. Damals gingen Hartmut Unterlehberg (SPD) und Susanne Bendfeldt (CDU) ins Rennen. Foto: Stadt Neumünster

Tauras will Grünen-Wähler mit Wahlprogramm überzeugen

Bei der Stichwahl komme es nun darauf an, die Personen, die ihn gewählt haben, erneut davon zu überzeugen, noch einmal das Kreuz für ihn auf dem Wahlzettel zu setzen, so Tauras. „Und dann geht es darum, die Radestock-Wähler zu überzeugen. Das möchte ich mit den Inhalten meines Wahlprogramms. Denn ich will eine nachhaltige Stadt entwickeln mit dem Fokus auf Klimaschutz und Verkehr. Bei mir sind diese Ziele ehrlicher als bei Bergmann, da ich diese schon seit Jahren verfolge“, meint der Amtsinhaber. Er wird sich noch bis Mitte der Woche in freiwilliger Corona-Quarantäne befinden.

Sein SPD-Herausforderer Tobias Bergmann sieht hingegen die Grünen-Wähler in seinem Wahlprogramm gut aufgehoben: „Viele Punkte sind ähnlich. Klimaschutz und Verkehrswende sind wichtig“. Er rechne sich außerdem gute Chancen aus, auch die sieben Prozent der Bürger, die den freien Kandidaten Memet Celik gewählt haben, zu überzeugen, „denn auch ich stehe für Bürgernähe“, sagt er.

Zur Stichwahl

„Dank der vielen Wahlhelfer lief die Wahl am Sonntag reibungslos. Der Wahlprüfungsausschuss muss nun noch das amtliche Endergebnis am Dienstag feststellen, und dann bereiten wir die Briefwahlunterlagen vor“, sagt der stellvertretende Wahlleiter Timo Adrian. Rund 8000 Neumünsteraner haben für die Stichwahl bereits die Briefwahlunterlagen angefordert.

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