Luftwaffe in Südschleswig

Über Jagel wird es lauter – und auch über Nordschleswig

Alf Clasen/shz.de
Jagel/Kropp
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Welche Auswirkungen hat die Piloten-Ausbildung in Jagel? Fest steht: Die Flugbewegungen nehmen deutlich zu. Und damit auch der Lärm. Die angehenden Piloten sollen auch in Skrydstrup üben.

Welche Auswirkungen hat die Piloten-Ausbildung in Jagel? Fest steht: Die Flugbewegungen nehmen deutlich zu. Und damit auch der Lärm.

Von Montag an wird der Flugbetrieb auf dem Fliegerhorst Jagel zwei Wochen lang deutlich zunehmen. Denn dann werden sechs bis acht Tornado-Jets vom Taktischen Luftwaffengeschwader 33 in Büchel (Rheinland-Pfalz) zu Gast sein, weil deren heimischer Flugplatz wegen Sanierungsarbeiten geschlossen ist. Aber diese Ankündigung war am Mittwoch nur eine Randnotiz bei der Tagung der Fluglärmkommission in der Kropper Kai-Uwe-von-Hassel-Kaserne. Vielmehr beschäftigte die versammelten Bürgermeister der Umlandgemeinden, wie sehr die Lärmbelastung durch die Ausbildung der angehenden Tornado-Piloten steigen wird.

Am 24. April hat im Taktischen Luftwaffengeschwader 51 „Immelmann“ in Jagel der erste Lehrgang mit vier Piloten und vier Waffensystemoffizieren begonnen. Ende Juli/Anfang August sollen sie ihre ersten Übungsflüge im Tornado absolvieren, erklärte Oberstleutnant Andreas Jeschek, Leiter der Ausbildungsstaffel. Bislang waren die Tornado-Piloten in Holloman (US-Bundesstaat New Mexico) geschult worden.

Ausbildungsflüge auch in Ostfriesland und Nordschleswig

Jeschek erläuterte, dass der Ausbildungsplan für einen Tornado-Piloten 52 Flüge vorsieht. Bei etwa einem Fünftel dieser Flüge würden auch jeweils drei bis vier Platzrunden gedreht, bei dem Anflüge trainiert würden. Damit verbunden sei eine entsprechend höhere Lärmbelästigung. Doch ein Großteil der Übungsanflüge werde nicht hier stattfinden, sondern auf den Ausweichflugplätzen in Wittmund (Niedersachsen) oder im süddänischen Skrydstrup. Jeschek: „Die Piloten müssen auch diese Flugplätze kennenlernen.“

Insgesamt wird die Zahl der Starts und Landungen in Jagel deutlich zunehmen – von 1.129 im vergangenen Jahr auf geplante 2.875 in diesem Jahr. Dabei wird man künftig in drei statt wie bisher zwei Schichten pro Tag fliegen. Die Zahl der Flugstunden steigt von 1.830 auf 2.875. Noch stärker wird sich die Piloten-Ausbildung auf die Zahl der Flugbewegungen auswirken, bei denen neben Starts- und Landungen auch die Übungsanflüge mitgezählt werden. In dieser Kategorie wird die Zahl von etwa 5.000 im vergangenen Jahr auf geschätzte 8000 im Jahr 2019 hochschnellen.

Bedenken in Schleswig

Für Schleswigs Bürgermeister Arthur Christiansen waren diese Prognosen Anlass, seine Bedenken vorzutragen. Denn am Montag hatte sich bereits der städtische Hauptausschuss mit dem Thema Lärmbelästigung befasst. In dem Gremium hatte der ehemalige Schleswiger Bauamtsleiter Peter Hopfe unter anderem darauf hingewiesen, dass sich die Zunahme des Flugbetriebs negativ auf den Tourismus in der Region auswirken könnte. Vor diesem Hintergrund sprach Christiansen die „dringende Empfehlung“ aus, eine Neuberechnung der Lärmschutzzonen rund um den Fliegerhorst Jagel vorzunehmen.

Ein entsprechendes Gutachten werde erstellt und an das zuständige Kieler Umweltministerium weitergeleitet, kündigte Ralf Hähn vom Zentrum Luftoperationen in Frankfurt an. Gegebenenfalls würden die Lärmschutzzonen dann angepasst. Allerdings sei mit einem Ergebnis nicht vor dem dritten Quartal 2018 zu rechnen, so Hähn. Jagel stehe auf der Prioritätenliste seiner Behörde nicht an oberster Stelle.

Geschwaderkommodore Michael Krah und auch sein anwesender Nachfolger Kristof Conrath versicherten, dass man bemüht sei, die Lärmbelastung so gering wie möglich zu halten. „Ja, es wird mehr werden. Aber es ist ein deutlich niedrigeres Niveau, als es die Region über viele Jahre gewohnt war“, betonte Krah. Man werde sich künftig bei den Flugstunden wieder auf dem Level von 2010 bewegen. Damals waren die Tornados insgesamt rund 4.000 Stunden in der Luft. Die Teilnehmer der Fluglärmkommission nahmen es durchweg kopfnickend zur Kenntnis. Wohl auch, weil die bisher geltenden Regeln (klein Flugbetrieb in der Mittagszeit, Überflugverbot für Gemeinden wie Selk und Fahrdorf) beibehalten werden sollen.

Oberst Conrath, der Krah Anfang Juli ablösen wird, ist aktuell übrigens auch ein Flugschüler. In Jagel erhält der 53-Jährige eine Auffrischung im Tornado-Cockpit. Als Kommodore darf er den Kampfjet auch noch im höheren Piloten-Alter lenken, wenn er den regelmäßigen Gesundheitscheck besteht. In der kommenden Woche wird Conrath das erste Mal in Jagel abheben.

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