STEIGENDE STICKOXID-WERTE

Diesel-Fahrverbote in Hamburg sind offenbar wirkungslos

Gerrit Hencke/shz.de
Hamburg
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Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Trotz der Fahrverbote in der Max-Brauer-Allee und der Stresemannstraße steigt der Schadstoff-Ausstoß sogar.

Die Diesel-Fahrverbote in Hamburg haben die Luftqualität in der Hansestadt nicht verbessert. Das berichtet der NDR und beruft sich dabei auf einen Jahresvergleich der Stickoxid-Werte im Oktober. Demnach ist der Abgas-Ausstoß in den für alte Diesel gesperrten Straßen, Max-Brauer-Allee und Stresemannstraße, sogar um 23 Prozent gestiegen. Die Messstationen registrierten im Monatsmittel im Oktober 48 Mikrogramm Stickoxid pro Kubikmeter Luft. Im Vorjahr waren es im gleichen Zeitraum nur 39 Mikrogramm.

Die Messstationen in der Habichtstraße und der Kieler Straße verzeichneten sogar ein Plus von 17 und 22 Prozent. In diesen Straßen gibt es kein Diesel-Fahrverbot.

Opposition kritisiert Fahrverbote

Die Dieselfahrverbote wurden in Hamburg als bundesweit erste Durchfahrtsbeschränkungen im Mai 2018 eingerichtet. Während die Max-Brauer-Allee für ältere Diesel-Pkw und -Lkw gesperrt wird, sind auf der Stresemannstraße nur Lkw vom Fahrverbot betroffen. Außerdem gibt es zahlreiche Ausnahmen für Anwohner und Anlieger.

Die Opposition in Hamburg spricht bereits von einer Bankrotterklärung. Der Bürgerschaftsabgeordnete Norbert Hackbusch (Linke) nannte die Fahrverbote einen PR-Gag und ein Beruhigungsmittel. Stephan Gramm, CDU-Umweltexperte, forderte ein Ende der Verbotszonen. Die Durchfahrtsbeschränkungen belasteten lediglich die Anwohner und die Umleitungsstrecken.

Aktuelle Diskussion um Luftmessstationen

Die aktuellen Messergebnisse dürften außerdem die Diskussion um die Luftmessstationen weiter befeuern, deren Werte die Grundlage für die Dieselfahrverbote waren. Senat und Opposition streiten seit längerem um eine Überprüfung der Anlagen. Hintergrund: Ein Gericht in Aachen hat kürzlich beanstandet, dass eine der Messstationen der Stadt zu nah an einer Kreuzung aufgebaut worden war und die Ergebnisse dadurch verfälscht würden.

CDU und FDP befürchten, dass dies auch in Hamburg der Fall sein könnte und forderten Umweltsenator Jens Kerstan auf, die Messstellen zu überprüfen, wie es auch in anderen Bundesländern geschehe. Die Umweltbehörde wies die Anschuldigungen zurück. Ein Behördensprecher sagte, dass die Stationen des Hamburger Luftmessnetzes die gesetzlichen Anforderungen erfüllen und regelmäßig nach den rechtlichen Vorgaben vom Institut für Hygiene und Umwelt überprüft werden. Zu den aktuellen Medienberichten hat sich die Hamburger Umweltbehörde bislang nicht geäußert.

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