Filmwelt

Filmpremiere in der Fördestadt: Flensburg, die Welt und ich

Filmpremiere in der Fördestadt: Flensburg, die Welt und ich

Filmpremiere in der Fördestadt: Flensburg, die Welt und ich

Flensburg
Zuletzt aktualisiert um:
Die ehemalige SSW-Ministerin Anke Spoorendonk Foto: Stillfoto vom Film

In einem neuen Dokumentarfilm über Flensburg verflechten Zeitzeugen aus der Fördestadt ihre persönliche Lebensgeschichte mit der der Stadt – und der Welt.

Ein neuer Flensburg-Film hat am Donnerstag Premiere im Flensburger Schifffahrtsmuseum. „Flensburger Welt-Geschichten“ lautet der Titel des Dokumentarfilms von Quinka Stoehr und Fredo Wulf. Zeitzeugen aus Flensburg verknüpfen im Film die Lebens-, Stadt- und Weltgeschichte Flensburgs miteinander.

Da ist Svetlana Krätzschmar, die ehemalige Flensburger Stadtpräsidentin aus der Sowjetunion in die DDR übergesiedelt und schließlich in den Westen ausgereist. Ihr Vater erzählte ihr eindringlich, dass der Krieg nicht am 8. Mai mit der Kapitulation in Berlin zu Ende ging, sondern erst einige Wochen später in Flensburg mit der Verhaftung der letzten deutschen Reichsregierung in der nördlichsten Stadt Deutschlands. Heute ist Svetlana Krätzschmar immer noch sehr erstaunt, wie das Leben sie genau hierhin gebracht hat.

Eine Petuh-Tante erzählt

Die Schauspielerin Renate Delfs spricht bei ihrem letzten Filmauftritt Petuh, eine typische Flensburger Sprache, die aufgrund der wechselhaften Flensburger Geschichte entstanden ist. Es ist eine Vermischung von Dänisch und Deutsch. Sie erinnert sich an den Strand, wo sie immer noch täglich baden geht, an die Verbrechen der damaligen Dönitzregierung. Noch nach dem 9. Mai wurden Soldaten standrechtlich erschossen, weil sie „nach Hause“ wollten.

Die verstorbene Schauspielerin Renate Delfs Foto: Stillfoto vom Film

Deutsche oder Türkin? Hülya Özdemir ist mit ihren Eltern aus der Türkei nach Hamburg emigriert. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Flensburg. Die Sprache der Menschen in Flensburg kam ihr sehr eigenwillig vor und wenn sie darüber sinniert, wo ihre Heimat ist, dann weiß sie nicht, ob sie Deutsche oder Türkin ist. Nein, Deutsche wohl eher nicht, aber jedenfalls doch Europäerin.

Die Deutsch-Türkin Hülya Özdemir Foto: Stillfoto vom Film

Rainer Prüß, ist Grafiker, Musiker, Architekt und schreibt Gedichte auf Plattdeutsch; der Sprache, mit deren Klang er in Kindheit und Jugend aufgewachsen ist. Seine Themen haben Bezug zur Geschichte der Stadt auf, die er kritisch begleitet.

Rainer Prüß Foto: Stillfoto vom Film

Anke Spoorendonk, ehemalige Ministerin für Justiz und Kultur des Landes Schleswig-Holstein, gehört zur dänischen Minderheit. Ihre Eltern haben sich nach dem Krieg bewusst dafür entschieden, zur dänischen Minderheit gehören zu wollen.

Ihr Vater war im Russlandfeldzug gewesen und hatte kein Vertrauen in eine zukünftige demokratische Entwicklung Deutschlands. Anke Spoorendonk lebt in Harrislee bei Flensburg und war die erste Ministerin des SSW, der Partei der dänischen Minderheit in Deutschland.

Kolonialismus und Flensburg

Imani Tarfari-Ama, Kulturwissenschaftlerin aus Jamaika, gestaltet im Schifffahrtsmuseum eine Ausstellung zur Verstrickung Flensburgs mit dem Kolonialismus. Sie wirft kritische Fragen zum Umgang der Flensburger mit ihrer Vergangenheit auf.

Imani Tarfari-Ama, Kulturwissenschaftlerin aus Jamaika Foto: Stillfoto vom Film

Der Präsident der Europa-Universität Flensburg, Professor Dr. Reinhart aus Kaiserslautern stammend, liebt das Flensburger Schietwetter und wirbt mit seiner Arbeit für den Europa-Gedanken als Garant für Frieden und Freiheit.

Plädoyer gegen Gewalt – Matthias Weiß ist Vorsitzender der Sinti und Roma in Schleswig-Holstein, er spricht neben Deutsch auch Romanes und erinnert an seine Familie, die aus Flensburg während der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft deportiert und ermordet wurde. Er hält ein Plädoyer gegen Gewalt und Ausgrenzung.

Die Filmpremiere wird um 20 Uhr stattfinden. Zuvor spricht Professor Dr. Matthias Bauer von der Europa-Universität über »Die Literaturlandschaft der Flensburger Förde«, über Storm und Fontane, Emmy Hennings, Siegfried Lenz und Jochen Missfeldt, mit dessen Roman »Steilküste« sich der Kreis zum Kriegsende an der Förde schließt. Der Eintritt beträgt fünf Euro.

Mehr lesen