Bühnenwerk

Tommy Mørcks Reise in kurdisch-syrische Kriegsregion als Theaterstück

Tommy Mørcks Reise in kurdisch-syrische Kriegsregion als Theaterstück

Theaterstück über Tommy Mørcks Reise ins Kriegsgebiet

Apenrade/Aabenraa
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Hannah Dobiaschowski (r.) hat sich viele Stunden von Tommy Mørck (l.) über dessen umstrittenen Einsatz im syrischen Kriegsgebiet auf Seiten kurdischer Milizen berichten lassen. Foto: Volker Heesch

Die nordschleswigsche Theaterautorin Hannah Dobiaschowski hat auf Grundlage der Erlebnisse des Kriegsfreiwilligen Tommy Mørck einen Monolog für die Bühne geschrieben. Für eine Aufführung in dänischer Sprache werden nun per Crowdfunding die erforderlichen Mittel gesucht.

Die Reise des gebürtigen Nordschleswigers Tommy Mørck, der 2016 aus Dänemark in die irakisch-syrische Kriegsregion gereist ist, um dort mit der Waffe gegen die damals immer weiter vordringenden Einheiten der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) zu kämpfen, hat landesweit für Schlagzeilen gesorgt.

In der kommenden Woche wird über den Fall Tommy Mørck im dänischen Höchstgericht in Kopenhagen verhandelt. Im Stadt- und Landgericht ist der 41-Jährige schuldig gesprochen und zu sechs Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt worden – wegen illegaler Ausreise in das Kriegsgebiet, das vor allem auch als Tummelplatz fanatisierter IS-Anhänger aus dem Westen berüchtigt ist.

Zentraler Punkt: Einblick in die Welt der Kurden im Norden Syriens

Die nordschleswigsche Theatermacherin Hannah Dobiaschowski hat auf Grundlage der Geschichte Tommy Mørcks, der einen Einsatz gegen den Islamistenterror leisten wollte, ein Theaterstück in deutscher Sprache geschrieben. „Es ist ein Monolog. Ein Mann erzählt die Geschichte“, so Hannah Dobiaschowski, die über ihre Arbeit im Deutschen Kindergarten Rothenkrug die Mutter Tommy Mørcks kennengelernt hat und später auch dem Kriegsfreiwilligen begegnet ist.

„Zentraler Punkt in meinem Stück mit der Erzählung Tommys ist sein Einblick in die Welt der Kurden im Norden Syriens, auf deren Seite er im Einsatz gewesen ist“, so Hannah Dobiaschowski, die seit 2015 in der Theaterinitiative „Theaterdrang“ verschiedene Produktionen auf dem Knivsberg realisiert hat.

Crowdfunding soll Übersetzung ins Dänische ermöglichen

Die professionell ausgebildete Theatermacherin hat gemeinsam mit Tommy Mørck die Idee entwickelt, die Geschichte in Dänemark auf die Bühne zu bringen und an möglichst vielen Orten in Dänemark aufzuführen und mit dem Publikum im Beisein von Tommy Mørcks zu diskutieren. „Wir versuchen jetzt, durch Crowdfunding 2.200 Euro zu sammeln, damit eine professionelle Übersetzung des Stücks ins Dänische möglich ist“, so die in Apenrade lebende Autorin.

„Ich habe viele Stunden mit Tommy gesprochen“, so Hannah Dobiaschowski, die erzählt, dass sie der Fall aus künstlerischer Sicht fessele. „Mein Zugang war wenig politisch. Ich habe die Erzählung aufgeschrieben, nicht gewertet“, erzählt sie und fügt hinzu: „Was mich beeindruckt, ist der Umstand, dass wir sehr wenig über die Kurden und Kurdistan wissen.“

Genervt vom „hyggeligen" Dänemark

Tommy Mørck berichtet, dass er vor seiner Reise zunächst in den Irak und dann in die Kriegszone im syrischen Kurdistan keine Kurden gekannt hatte. „Ich war damals, als die Flüchtlingswelle rollte, genervt, dass wir in unserem ‚hyggeligen‘ Dänemark sitzen und die bösen Kriegsherren verurteilen“, so Tommy Mørck. „Ich wollte handeln, mich im Gebiet, aus dem die Menschen flüchten, mit meinen Fähigkeiten nützlich machen, statt Unterschriften und Spenden zu sammeln“, berichtet er.

Tommy Mørck hat seine militärische Ausbildung als Mitglied der Königlichen Leibgarde erhalten; rund ein halbes Jahr war er in Syrien – in einer kleinen Einheit von 16 freiwilligen Kämpfern, die die kurdischen Anti-IS-Milizen unterstützten. Diese Miliz war mithilfe des Westens maßgeblich an der Zurückdrängung der IS-Truppen beteiligt, die in den von ihnen beherrschten Gebieten viele Grausamkeiten begingen.

Tommy Mørck hat während seines Aufenthaltes aus erster Hand von Kurden aus dem Iran, Syrien und der Türkei, aber auch armenischen Freiwilligen die lange Geschichte der Unterdrückung und Gewalttätigkeit in der bis heute von Krieg und Unrecht geprägten Region kennengelernt.

Er berichtet, dass er nicht wegen seines Einsatzes auf Seiten der Kurden verurteilt worden ist, sondern wegen Verstoßes gegen das dänische Verbot, in die Region zu reisen. Hintergrund waren die Berichte über fanatisierte IS-Anhängern, die aus Dänemark nach Syrien gelangt waren.

Hannah Dobiaschwoski hofft, dass es gelingt, die Mittel für die Fortführung des Theaterprojektes aufzutreiben. Möglich ist eine Unterstützung über die Web-Seite firefund.net/hevaltommy.

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