Leserbrief

„Nährboden für ein Auflammen von Judenhass!“

Martin Christiansen
Bülderup-Bau/Bylderup-Bov
Zuletzt aktualisiert um:

Martin Christiansen kritisiert eine aus seiner Sicht einseitige Darstellung der Situation Israels und des Nahen Ostens.


Und zwar mitten aus den gutbürgerlichen Kreisen. Dass Judenhass überwiegend „rechts“ angesiedelt ist, scheint schon aus der deutschen Vergangenheit leicht in den Diskussionsrunden zu bringen.
Die deutsche Kanzlerin verhandelt – über die Köpfe der zu allererst Betroffener hinweg – mit den Hardlinern des Irans. Man stelle sich mal vor, die Juden würden zusammen mit Ukrainern und Polen eine Verhandlungsfront gegen die Ostsee-Gasleitung bilden. Nach dem Ausstieg der aktuellen amerikanischen Regierung aus dem Iran Atomprojekt lauteten deutsche Fragen folgend: Wieviel Schaden ist dadurch für die deutsche Wirtschaft zu erwarten? Keine einzige Frage wegen möglicher Atombedrohungen gegen den Judenstaat! Vorher wurde ja gerade dies als Hauptpunkt der Öffentlichkeit serviert. Diverse Male ist auch die Siedlungspolitik angeprangert worden – sicher oft berechtigt. Die Tunnelbauer aus Gasa wurden dagegen kein einziges Mal in einer politischen Talkschau aufs Korn genommen. Auch das zeitweise fleißige Raketenschießen zu den Bewohnern jenseits der befestigten Grenze hinüber scheinen die Talkschau-Gestalter als ohnehin gottgewollt schweigend zu ignorieren. Der Bundespräsident legte, als amtierender Außenminister, am Grab des langjährigen Terroristen Arafat einen Kranz nieder. Ob derart Handlungen als Erinnerungskultur wirklich als tragbar einsortiert werden könnten, ist wohl etwas zweifelhaft. Zu diesem Zeitpunkt war man ja nicht mehr abhängig von nahöstlichen Öllieferungen. Einseitige Schuldzuwendungen über längere Zeit werden zur Gewohnheit. So bilden sich zeitlupenhaft falsche Selbstverständnisse. Der Schaden der angerichtet wird – in diesem Falle für die Menschen beider Konfliktpartner – wird gar nicht mehr zur Kenntnis genommen. Man hat ja die Rechten als Schuldige ausgemacht. Dazu noch einige gemeinsame Gedenkfeiern mit reichlich Gedenkfeier-Reden – und alles scheint sich wieder schlafen gelegt zu haben! Und gerade so läuft es im täglichen Dasein nicht. Mir scheint, die Europäer haben ehe Frieden dort verhindert, statt die Menschen stützend zu begleiten. Die wirkliche Verantwortung müssen sie dann aber selber aushandeln. Grundbedingung ist, dass jeder das Existenzrecht des anderen Landes öffentlich akzeptiert. Haben hierfür die Europäer ihren Beitrag geleistet? Werden Geldzuwendungen mit Mindestforderungen verknüpft?
M. B. Christiansen,
Hyndingholmvej 16,
Bylderup Bov 6372

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