Leserbrief

„Eine Zeitung – zwei Überschriften“

Eine Zeitung – zwei Überschriften

Eine Zeitung – zwei Überschriften

Lorenz P. Wree
Apenrade/Aabenraa
Zuletzt aktualisiert um:

Lorenz P. Wree gibt den Journalisten des Nordschleswigers in diesem Leserbrief eine Nachhilfestunde in deutscher Grammatik.


Ausgabe vom vergangenen Dienstag auf der Tingleff-Seite. „Gedenken mit Schwerpunkt Kriegsgefangenenlager”. Untertitel: „In Bjolderup gedachte man dem Ende des Ersten Weltkrieges und der 57 gefallenen Gemeindemitgliedern”.
Auf dem übernächsten Blatt: „Hadersleben gedenkt gemeinsam des Waffenstillstandes 1918”.

Um nicht gleich falsch verstanden zu werden: Ich bewundere oft unsere Journalisten, die zu jedem neuen Tag wieder eine ganze Zeitung zustandebringen müssen. Wie oft geschieht das nicht unter Zeitdruck! Und immer wieder sich einarbeiten in neue Gebiete, in fremde Sachverhalte, die ja nicht immer Interesse und Vorkenntnissen der Berichterstatter entsprechen können. Wirklich meine Hochachtung! Unter all diesen Umständen können immer auch Mängel auftreten.

Ich vergleiche hier nur, was mir in ein- und derselben Zeitungsausgabe aufstieß: Das Prädikat „gedenken” erfordert nun einmal ein Genitiv-Objekt. Auf der Tingleff-Seite aber stand da: „d e m Ende des Ersten Weltkrieges.” Dann folgte: ”der 57 gefallenen . . .” Ich dachte: Nun also doch richtig, bis dann am Ende des Wortes das widersinnige n auftauchte. Man muss also doch wohl eher vermuten, dass entsprechend dem falschen Dativ im ersten Halbteil des Untertitels auch hier zuerst formuliert worden ist: gedachte „d e n 57 gefallenen Gemeindemitgliedern”. Abgesehen davon, dass die Gemeinde kein Verein mit seinen Mitgliedern ist und es darum richtig gewesen wäre, von Gemeinde-„gliedern” zu sprechen, hätte also der ganze Untertitel lauten müssen: „In Bjolderup gedachte man des Endes des Ersten Weltkrieges und der 57 gefallenen Gemeindeglieder”.

Aber der Berichterstatter ist hier immerhin in allerbester Gesellschaft, denn selbst angesehene öffentliche Persönlichkeiten wissen bei ihren Gedenkreden oftmals nichts vom Genitivobjekt. Um so größer war dann im Weiterblättern der Zeitung die erfreuliche Überraschung über den Artikel auf der Hadersleben-Seite mit seiner richtig formulierten Überschrift.

Lorenz P. Wree, Pattburg


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