Thema der Woche: Buntes Nordschleswig

Liebe für alle – auch in Nordschleswig

Liebe für alle – auch in Nordschleswig

Liebe für alle – auch in Nordschleswig

Julia Röhr
Apenrade/Aabenraa
Zuletzt aktualisiert um:
„Love will win – die Liebe wird gewinnen“ Foto: Julia Röhr

Diesen Artikel vorlesen lassen.

Die erste Pride-Parade in Apenrade ist für die LGBTQ+-Community in Nordschleswig ein historisches Ereignis. So wird ein Statement klargemacht: Die queeren Menschen sind da und wollen auch da bleiben. „Der Nordschleswiger“ hat mit den Organisatoren der Pride Week gesprochen.

Auf dem Land queer zu sein ist schwer – oft können sich besonders die Jugendlichen nicht so entfalten, wie sie wollen. Dafür ist die Organisation AURA da – ehrenamtlich veranstaltet möchten die Akteurinnen und Akteure einen Rahmen für queere Jugendliche unter 18 Jahren schaffen, um sich in einem Umfeld mit Gleichgesinnten sicher zu fühlen und entfalten zu können. Sie wird von der Kommune Apenrade (Aabenraa) finanziell unterstützt. Auf regulärer Basis veranstaltet AURA etwa zwei Events pro Monat, in denen queere Jugendliche zusammen kommen und sich austauschen können. Aktuell sind vier Ehrenamtliche in Apenrade engagiert.

Ehrenamtliche Arbeit für die LGBTQ+ Community

Einer von diesen Ehrenamtlichen ist Oliver Rahr Lysholm – er kommt ursprünglich aus Sonderburg, lebt aber in Apenrade. Neben seinem Job ist er bei AURA aktiv und selbst queer. Für ihn ist die Pride-Parade in Nordschleswig eine große Errungenschaft, denn eigentlich sind die Menschen aus seinem Blickwinkel in Nordschleswig noch nicht sehr offen gegenüber den Themen rund um LGBTQ+ - er vergleicht es teilweise mit den konservativen Republikanern in Amerika.

Begriffsdefinitionen – Pride

Queer: Das Wort ist ein Anglizismus und ein Begriff für Personen, die sich nicht mit der heteronormativen Norm identifizieren. Er kann mit „seltsam“ oder „sonderbar“ übersetzt werden und wurde in der Vergangenheit abwertend benutzt. Mit der Aids-Bewegung haben die queeren Menschen den Begriff jedoch aufgewertet und nutzen ihn nun, um sich selbst zu bezeichnen.

Heteronormativität: Das ist eine Weltanschauung, die nur zwei Geschlechter (männlich und weiblich) und heterosexuelle Beziehungen anerkennt.

Nicht-binär: Weicht vom traditionellen Modell der zwei Geschlechter ab. Ein Begriff mit denen sich Menschen definieren, die sich weder ausschließlich als Frau noch ausschließlich als Mann fühlen.

LGBTQ+: Dieser Begriff ist eine Abkürzung und steht für Lesbian, Gay, Bisexual, Trans*, Queer und Plus. Das Plus steht für alle anderen Menschen, sie sich diesen Begriffen nicht zuordnen. Das Kürzel wurde im Laufe der Jahre ergänzt und ausgebaut, es gibt verschiedene Varianten.

Sexuelle Orientierung: Die sexuelle Orientierung gibt an, zu wem man sich emotional und sexuell hingezogen fühlt. Dazu zählen unter anderem die Homosexualität, Bisexualität oder auch die Pansexualität.

Transgender: Oberbegriff für alle Menschen, deren Geschlechtsidentität (teilweise) nicht dem ihnen körperlich zugeordneten Geschlecht entspricht.

Trotz diesem Stand der Dinge hat er viel Unterstützung für die Pride Woche bekommen, sodass aus einer anfänglichen kleinen Idee diese große Veranstaltung wurde. So hat sich auch die AURA-Gruppe aus Kopenhagen miteingeschaltet. Durch die Pandemie und die Einschränkungen war noch bis Ende März nicht klar, ob sie stattfinden kann. Aktiv planen die Akteurinnen und Akteure erst seit April dieses Jahres und haben ein umfassendes Programm auf die Beine gestellt.

Sie sind hier

Wenn die jubelnde Pride-Parade durch die Straßen von Apenrade zieht, ist es bunt, laut und voller Menschen, die ihr Leben feiern. Für die volle Erfahrung des queeren Lebens gehen viele trotzdem aber in die Großstadt, weil es in Nordschleswig nicht das Angebot zum Ausleben der eigenen Identität gibt. Oliver Rahr Lysholm möchte mit der Pride auch ein Zeichen setzen, dass das Leben in der LGBTQ+ Community aber auch in den ländlichen Gegenden möglich ist.

„Wir wollen zeigen, dass wir hier sind und hier bleiben wollen. Ich will nicht, dass manche das Gefühl bekommen wegziehen zu müssen, um sich akzeptiert zu fühlen“, erzählt er. Für queere Menschen unter 18 Jahren gibt es in der Gegend keine andere offiziellen Angebote außer die von AURA - für Erwachsene ebenfalls nicht.

Pride Paraden finden in vielen Städten auf der ganzen Welt statt. Foto: Margaux Bellot/unsplash

Dänemark ist vielfältig

Und was genau soll diese Pride-Week jetzt ausagen? Für Oliver Rahr Lysholm ist die Message klar: „Dänemark ist divers. Das war lange wie ein großes Tabu, worüber nicht gesprochen wurde. Die queeren Menschen sind da und leben ihre Identitäten aus und sie wollen auch hier sein“, erklärt der queere Aktivist. „Wir behandeln alle mit Liebe und hoffen, dass sie uns diese Liebe auch zurückgeben“, sagt er weiter.

Wir behandeln alle mit Liebe und hoffen, dass sie uns diese Liebe auch zurückgeben.

Oliver Rahr Lysholm

Ablehnung

Manchmal kommt aber genau diese Liebe nicht zurück – das sind auch keine Neuigkeiten für die LGBTQ+ Community. „Der Nordschleswiger“ hat Oliver Rahr Lysholm gefragt wie er damit umgeht, wenn Menschen seine Lebensform nicht akzeptieren oder gut finden. „Ich möchte keine Energie in diese Menschen verschwenden – wenn sie mich ablehnen, ist das okay. Aber dann möchte ich auch nichts weiter mit ihnen zu tun haben“, erklärt er.

Für ihn ist es wichtiger Teil des Charakters, wie man andere Menschen behandelt. Und wenn Menschen dies nicht gut tun, dann möchte er sich mit ihnen auch nicht weiter auseinandersetzen. „Natürlich kann ich mich darüber ärgern und traurig sein – oder ich lebe mein Leben so weiter und ignoriere das. Man kann einen Menschen auch nicht ändern“, erzählt Oliver Rahr Lysholm.

Die Pride-Flagge weht vor der Arena Aabenraa. Foto: Karin Riggelsen

Die Pride-Parade startet am Sonnabend, 26. Juni um 10 Uhr und zieht einmal durch die Stadt durch die Einkaufspassage bis zur Arena Aabenraa – wo die Parade mit einem Konzert abschließen wird.

Mehr lesen