Lokalwirtschaft

Wie das Baumhaus in die Wipfel kam

Wie das Baumhaus in die Wipfel kam

Wie das Baumhaus in die Wipfel kam

Gjenner/Genner
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Der „hängende Unterstand“ in Gjenner Foto: Karin Riggelsen

Durch Zufall kamen zwei Architekten auf die Idee, einen hängenden Unterstand zu entwickeln. Mithilfe lokaler Profis wurde aus der Idee ein Unikat, das nun in Gjenner eine einzigartige Übernachtungsmöglichkeit ist.

In Gjenner gibt es seit Kurzem eine Outdoor-Attraktion: ein Baumhaus, in dem der Gast hoch zwischen den Wipfeln mit Ausblick auf die Umgebung die Nacht verbringen kann.

Doch wie kam es zu der Idee? Und wer hatte sie?

Marianne Dalbøl und Rasmus Hamann sind zwei junge Architekten, die vor knapp zwei Jahren nach Gjenner zogen. In Hadersleben haben sie sich mit ihrem Architektenbüro „Stedse“ selbstständig gemacht.

Nach einem Besuch im bekannten „Pandekagehus“ spazierte das Paar durch naheliegenden Wald, in dem sich auch der Kletterpark „High Park“ befindet. Der Park liegt in einer Schlucht, und die Erbauer nutzen die natürlichen Voraussetzungen für die Klettermöglichkeit. So können die Gäste von oberhalb der Schlucht in die Kletterstiege in den Bäumen einsteigen. Und bei diesem Anblick kamen die beiden auf eine Idee: „Hier sollten Gäste in den Bäumen schlafen können“, erzählt Marianne Dalbøl von dem Moment. Nur wenig später wurde der erste Telefonanruf getätigt. „Ich habe Tine Eriksen gefragt, ob sie bei dem Projekt dabei wäre“, berichtet die Architektin. Tine Eriksen führt zusammen mit ihrem Mann Poul nicht nur den Campingplatz in Gjenner, sondern auch das „Pandkagehus“ – und den „High Park“. Die erste Reaktion war allerdings für Marianne Dalbøl ernüchternd. Ein Nein war die erste Antwort. Doch nur kurze Zeit später klingelte ihr Telefon. Dran war Tine Eriksen, die sich nun doch für das Projekt interessierte und sich im Laufe des Gesprächs dafür begeisterte. Man wurde sich einig.

Die beiden Architekten, die sich vor allem auf die Arbeit mit Holz spezialisiert haben, sammelten Ideen – und Gelder. Unter anderem wurde Kontakt mit dem „Sønderjysk Kunstfond“ aufgenommen, der sich ebenfalls von dem Vorhaben überzeugen ließ und die Kosten für das Material übernahm. Auch „LAG Sønderjylland“ beteiligte sich mit weiteren Mitteln. Das Gros der Finanzierung tragen jedoch die Architekten und das Ehepaar Eriksen.

In der Küche im Haus in Gjenner entstanden die ersten Modelle von dem Baumhaus, das nur aus Holz und möglichst praktisch gebaut sein sollte. Mit Wasserdampf aus dem Kochtopf formten die beiden Architekten Holz so, dass es zu einem tropfenartigen Gebilde geformt werden konnte. „Es sollte eine für den Zweck optimierte Form sein, möglichst wenig wiegen, genügend Platz bieten, der Natur angepasst und zudem noch gemütlich und sicher sein“, erzählt die Architektin.

Aber ob das es auch die richtige Festigkeit hat, ist an dem Modell nicht zu sehen. Deshalb haben Marianne und Rasmus sich an Ingenieure des Apenrader Büros „Techdraw“ gewandt. Die haben Computermodelle angefertigt, Berechnungen erstellt und schließlich ihr Okay gegeben.

Eines der ersten Modelle entstand in der Küche der Architekten. Foto: Privat

Nun ging es jedoch darum, wie sich die Idee für den Bau des hängenden Unterstandes umsetzen ließ. Marianne Dalbøl und Rasmus Hamann wollen gerne lokal arbeiten und machten sich auf die Suche nach Unterstützung von hiesigen Profis. Einen fanden sie in Bootsbauer Lars Callesen, der die „Aarøsund Bådebyggeri“ betreibt. Er ist Fachmann in der Holzver- und -bearbeitung und zeigte sich fasziniert von dem Vorhaben.

Inzwischen war das Projekt zu einer Vorzeigeunternehmung geworden. „Wir können das alte lokale Handwerk mit einbeziehen und auch Holz einen neuen Platz in den Köpfen der Menschen als Baumaterial schaffen“, sagt Marianne Dalbøl.

Aus Eichenholz wurden die einzelnen Teile für das Wohnvergnügen in luftiger Höhe in mühevoller Handarbeit hergestellt. Die großen, tragenden Teile wurden durch das Biegen hergestellt. Dabei wurden lange schmale Bretter zu einem dicken Einzelstück verleimt und dann mit großem Kraftaufwand in Form gebogen. Die kleinen Bauteile wurden durch das Dämpfen in Form gebracht. Dabei wird das Holz mit heißem Wasser bedampft und in einer Form in die gewünschte Gestalt gebracht.

Die Grundform (l.) gibt an, wie das fertige Bauteil einmal aussehen soll. Foto: Privat
Mit viel Kraft müssen die Teile in Form gebracht werden. Mit Schraubzwingen werden sie in Position gehalten. Foto: Privat
Das Grundteil ist fast fertig geformt. Foto: Privat

Aus acht tragenden Teilen besteht der „Shelter“, wie so eine Art Unterstand in Dänemark genannt wird. Sie wurden von den Bootsbauern im Biegeverfahren hergestellt. Die kleinen Holzteile, die unter anderem den Fußboden bilden, wurden durch Dämpfen in die passenden Formen gebracht.

Die acht tragenden Teile wurden auf der Werft zu einem Stück montiert. Foto: Privat
Die kleinen Ringe wurden im Dämpfverfahren geformt und bilden den Fußboden des „Shelter“. Auch an den Außenseiten sind solche Eichenstücke verarbeitet. Foto: Privat

Nun kamen weitere lokale Handwerksbetriebe ins Spiel. Die Firma „Sækko“ in Pattburg/Padborg stellt Zelte und Planen her. Damit die Gäste im Shelter bei Regen nicht nass werden, wurde eine durchsichtige Kunststoffplane hergestellt, die sich über das „Nest“ ziehen lässt. Polsterer Peter Kjer aus Riesjarup/Rise-Hjarup sorgte für die ausreichende Polsterung, damit die übernachtenden Besucher weich sitzen und schlafen können. Aus widerstandsfähigem Material fertigte er die Polster an.

Mit dem Kran wurde der „Shelter“ in Position gebracht. Foto: Privat

Kürzlich wurde das hängende Baumhaus nun mithilfe eines Krans in Position gebracht und mit Stahlseilen in den Baumwipfeln befestigt. Ein großer Moment für alle Beteiligten, denn damit schloss eine zweijährige Phase erfolgreich ab.

Marianne Dalbøl hofft nun, dass ihr Unikat auch andere Interessenten findet. „Es gab schon erste Anfragen“, freut sich die Unternehmerin.

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