Thema der Woche: Mobilität in Nordschleswig

„Auf das Fahrrad, fertig, los!“

Auf das Fahrrad, fertig, los!

Auf das Fahrrad, fertig, los!

Hannah Dobiaschowski
Hannah Dobiaschowski Projektmitarbeiterin
Apenrade/Aabenraa
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Warum mehr Menschen öfter mal das Fahrrad nehmen sollten und was das für die Kinder bedeutet, darüber reflektiert „Nordschleswiger“-Mitarbeiterin Hannah Dobiaschowski, die seit fünf Jahren fast ausschließlich mit dem Drahtesel unterwegs ist.

Ich bin pro Fahrrad! Während man den ohnehin nötigen Arbeitsweg nicht wesentlich langsamer als mit dem Auto zurücklegen kann, zumindest, wenn man in einer Kleinstadt wie Apenrade wohnt und arbeitet, tut man obendrein noch etwas für die Fitness und die Umwelt. Und es nimmt weniger Platz weg, wenn es, so wie die meisten Autos, 23 Stunden am Tag einfach nur irgendwo rumsteht.

Für mich ist das Radfahren mittlerweile eine Leidenschaft geworden. Nicht nur aus finanziellen Gründen, sondern auch aus Überzeugung. In unserer Familie gibt es nur ein Auto, und wer schon mal versucht hat, mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Apenrade in die Förde-Schule nach Gravenstein zu gelangen, weiß, warum zumindest mein Mann für seinen Arbeitsweg einen motorisierten Untersatz braucht.

Nun radel ich also jeden Morgen mit unseren beiden Kindern los. Der Große mit sieben Jahren strampelt selbst, die Lütte ist vier und darf noch in den Hänger. Oder muss. Denn sie ist der festen Überzeugung, dass sie die drei Kilometer auch gut auf ihrem Laufrad fahren könnte. Kann sie bestimmt auch, nur halt leider nicht so schnell.

Auf den morgendlichen Touren fallen vor allem saisonale Schwankungen im Fahrradaufkommen auf Straßen und Radwegen auf.

Während man sich in den warmen Monaten in Schwärme von Fahrradfahrenden unterschiedlichen Alters einreiht, deren Ziel oft eine der vielen Schulen in Apenrade ist, kämpft man sich im Winter, ausgestattet mit Reflektoren, warm eingepackt bis zu den Ohren und blinkend wie ein Weihnachtsbaum, eher alleine durch Wind und Dunkelheit.

Neben den saisonalen Schwankungen ließen sich im Laufe des vergangenen Jahres pandemiebedingte Schwankungen beobachten. Sind die Schulen zu, habe ich morgens den Radweg für mich alleine, im Winter allemal. Auch Autos sind erholsam wenige unterwegs, was nicht nur daran liegt, dass viele Berufstätige im Homeoffice bleiben müssen, auch die familieneigenen Ableger müssen nicht in diverse Bildungseinrichtungen kutschiert werden.

Sobald die Grundschüler wieder in die Schule dürfen, füllen sich die Radwege ein wenig mehr, der Autoverkehr nimmt zu. Vor allem vor den Schulen quetschen sich (oftmals viel zu große) Autos durch schmale Straßen, um die Kinder so nah wie möglich vor dem Schultor abzuliefern. Das nimmt zu, wenn auch die älteren Schülerinnen und Schüler den heimischen Computerunterricht gegen die Schulbank tauschen dürfen.

Da stellen sich mir Fragen: Sind die Busverbindungen so schlecht, dass die Eltern genötigt sind, ihre Kinder in die Schule zu kutschieren? Oder tun sie es, weil jedes Elternteil sowieso ein eigenes Auto hat und man mal eben an der Schule auch noch vorbeifahren kann? Aber warum dann so dicht wie möglich an die Schule heran und in Kauf nehmen, dass man im Stau steht? Und ganz nebenbei auch noch Fußgängern und Fahrradfahrern im Weg steht? Warum lassen Eltern ihre Kinder nicht 200 Meter vor der Schule raus und trauen ihnen zu, den Weg alleine zu gehen? Weil zu viel Verkehr ist? Oder weil, wie eine andere radfahrende Mutter vermutet, die Eltern so ihre Kinder an sich binden und lieber nicht wollen, dass sie selbstständig werden?

Vermutlich ist von allem etwas dabei. Wie wäre es, das eigene Verhalten zu überdenken? Wenn es möglich ist, selbst in die Pedale treten und dem Nachwuchs ein Vorbild sein in Sachen Klimaschutz und Selbstständigkeit. Den Kindern etwas zutrauen. Das Auto einfach mal stehen lassen.

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