Kunst mit Strandmüll

„Die ästhetische Collage als Waffe“

Charlotte Hülser
Warnitz/Varnæs
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Künstlerin Heike Jacobsen mit ihrer Fundkiste. Foto: Karin Riggelsen

Künstlerin Heike Jacobsen hat schon viele Kunstwerke vollendet. Mit ihrem neuesten Projekt greift sie die Umweltproblematik auf – mit Funden vom nahe gelegenen Strand.

Betritt man die Werkstatt von Heike Jacobsen in Varnæshoved, wird man umhüllt von klassischer Musik und dem Duft der Kunst. Auf dem Tisch liegen 30 kleine Collagen auf handgeschöpftem Papier, nicht einmal 20 mal 20 Zentimeter groß, aber mit einer erschreckend großen Aussagekraft. Die Collagen hat die Künstlerin aus täglichen Strandfunden und – man muss es so sagen – Müll zusammengestellt. Denn auch das eigens hergestellte Papier besteht, neben den Bananenblättern, auch aus Abfall wie Toilettenpapier oder anderen Überbleibseln, die im Alltag so anfallen.

Inspiration durch die Tochter

Ob Stücke von Fischernetzen, Deckel von Plastikdosen, Anglerzubehör oder – ganz „klassisch“ – die Coladose. All das hat Heike Jacobsen am Strand in der Nähe ihres Hauses bei ihrem täglichen Strandspaziergang im Februar gefunden und gesammelt, 30 Tage lang. „Das Thema Plastik beschäftigt mich seit Längerem“, erzählt sie. Vor allem die Arbeit ihrer Tochter habe sie auf die Idee gebracht, mit dem am Strand herumliegenden Müll zu arbeiten.

Patronenhülsen von der Möwenjagd wurden ebenfalls verwertet. Foto: Karin Riggelsen

Die Tochter Marianne Jacobsen Toftgaard beschäftigt sich mit dem Thema Umwelt, Nachhaltigkeit, dem Klimawandel und Energie und weiß daher genau, was Plastik und anderer Müll in unseren Meeren für Tiere und Pflanzen bedeutet.

Schlechtes mit Schönem bekämpfen

Mit ihren einzigartigen Collagen möchte Heike Jacobsen keinesfalls eine Art von „Weltuntergangsstimmung“ hervorrufen. Vielmehr gehe es darum, den Betrachter aufmerksam zu machen auf das Problem und klarzumachen, dass es auch ihn etwas angeht. „Ich möchte die ästhetische Collage als Waffe nutzen“, sagt sie und lächelt. Schlechtes mit Schönem bekämpfen, sozusagen.

Bunte Collagen mit starker Aussage. Foto: Karin Riggelsen

Heike Jacobsen ließ sich von dem inspirieren, was sie fand. Neben anorganischen Stoffen wie Plastik hat sie daher auch organische Stoffe verarbeitet, wie beispielsweise Algen oder Holz. Algen, in denen sich Plastik verfangen hat und Holz, das mit Plastik „verschmolzen“ ist, sind nun Mittelpunkt zweier der 30 kleinen Collagen, genauso wie drei Patronenhülsen, die Jäger bei der Jagd auf Möwen zurückgelassen haben. In einer der Hülsen ist noch ein verlassenes Schneckenhaus zu finden. „Sie hat es womöglich nicht mehr rausgeschafft“, meint die Künstlerin nachdenklich.

Eine der Collagen von Heike Jacobsen. Foto: Karin Riggelsen

Die selbst gemachten Collagen möchte Jacobsen gerne auch ausstellen und für die Menschen zugänglich machen, allerdings wird das noch etwas Zeit benötigen. „An einigen Collagen arbeite ich noch“, sagt sie. Und auch ihre bestehenden Projekte nehmen sie sehr in Anspruch.

Bis dahin können wir möglicherweise selbst mit einem Korb zum Strand gehen und sehen, womit Heike Jacobsen ihre Collagen erschaffen hat und was so alles in unseren Meeren schwimmt. Plastik statt Muschel. Ein etwas anderes Mitbringsel von einem schönen Strandspaziergang.

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