Sensationeller Fund

Chirurgin aus der Eisenzeit: Grab zeigt Rolle der Frau im 3. Jahrhundert

Chirurgin aus der Eisenzeit: Grab zeigt Rolle der Frau im 3. Jahrhundert

Chirurgin aus der Eisenzeit: Grab zeigt Rolle der Frau im 3. Jahrhundert

Kassö/Kassø
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Das Grab einer hochgebildeten Frau aus der Eisenzeit. Foto: Museum Sønderjylland

Sensationeller Fund bei Enleben: Zum ersten Mal wurde bei einer Ausgrabung in Dänemark Operationswerkzeug gefunden. Es ist erst das zweite Mal, dass das Grab eines Arztes außerhalb des Römerreichs freigelegt wird.

In Enleben (Ønlev) bei Kassö haben die Archäologen vom Museum Sønderjylland einen spektakulären Fund an die Oberfläche gefördert. Aus einem mit vielerlei Grabbeigaben ausgestatteten Frauengrab aus den Jahren 225 bis 250 (späte Eisenzeit) ist ein seltenes chirurgisches Instrument zu Tage getreten. Das ungewöhnliche Instrument deutet darauf hin, dass die Frau medizinisch versiert war und chirurgische Eingriffe durchführte.

Es ist das erste Mal, dass in Dänemark ein solches Instrument als Grabbeigabe gefunden wurde. Und überhaupt erst das zweite Mal, dass außerhalb der Grenzen des damaligen Römischen Reiches das Grab eines Mediziners „ausgehoben“ wird.

Gefunden als Grabbeigabe einer mächtigen Frau: Ein Instrument für Schädeloperationen Foto: Museum Sønderjylland

Annette Frölich ist Expertin auf dem Gebiet der Eisenzeit-Chirurgie, sie interpretiert das Gerät nach eingehender Prüfung als Trepanationssäge. Diese wurde benutzt, um Schädel-Operationen an Menschen auszuführen, die im Krieg oder durch einen Unfall einen Schlag auf den Kopf erlitten hatten. Eine solche Operation konnte möglicherweise Leben retten.

Auf dieser Darstellung zeigt sich, wie die Säge zum Öffnen des Schädels benutzt wurde. Foto: Museum Sønderjylland

Weitere Grabbeigaben

Einige der übrigen Grabbeigaben deuten darauf hin, dass die hochgebildete Frau von Seeland stammen könnte. Grund ihrer Migration kann die Allianz zweier mächtiger Familien gewesen sein. So jedenfalls könnte sich die Halskette mit als Achten geformten Bernsteinen und kostbarer Silber- und Bronzeschmuck erklären. Über die Herkunft der Frau hinaus erzählt deren Aussteuer auch von ihrem Reichtum und ihrer gesellschaftlichen Stellung.

Per Ethelberg vom Museum Sønderjylland schreibt in der Pressemitteilung der Archäologen: „Dieser Fund öffnet ein Fenster zum Verständnis der Rolle der Frau in der eisenzeitlichen Gesellschaft. Zum ersten Mal halten wir den Beweis in der Hand, dass Frauen als Ärzte fungierten. Der Fund trägt zu gesichertem neuen Wissen bei, das uns bezüglich der Rolle der Frau in der Eisenzeit umdenken lässt.“

Vortrag in Hadersleben

Am Donnerstag, 4. April, werden am Abend vier Archäologen kurze Vorträge halten zur Ausgrabung selbst (Katrine Moberg Riis), zur zeitlichen Epoche (Per Ethelberg) und zu den Themen Rolle der Frau in der römischen Eisenzeit (Ulla Lund Hansen) und Chirurgie in der römischen Eisenzeit (Annette Frölich).

Die Tür öffnet um 18.30 Uhr in der Dalgade 7 in Hadersleben. Die Vorträge beginnen um 19 Uhr. Bis zum 5. Mai kann der ungewöhnliche Fund dann noch im Haderslebener Museum begutachtet werden.

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