Hautnah

„Tragt eure Kinder ganz nah am Körper“

Anke Haagensen
Anke Haagensen Lokalredakteurin
Rothenkrug/Rødekro
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Anne Nielsen, Tragetücher und Tragegurte
Anne Nielsen (rechts) bei ihrem Workshop in der Rothenkruger Bibliothek Foto: Karin Riggelsen

Tragetücher und Tragegurte sieht man wieder verstärkt im Stadtbild. Anne Nielsen weiß, warum. Die ausgebildete Trageberaterin führt Workshops im ganzen Landesteil durch.

„Wenn man weiß, wie’s geht, ist es ganz einfach“, behauptet Anne Nielsen aus Jels. Sie weiß, wie’s geht, und zeigt auch gerne anderen, wie man die verschiedene Babytragen richtig anwendet und anlegt. Am Dienstag demonstrierte die ausgebildete Trageberaterin drei frischgebackenen Müttern und einer Schwangeren bei einem Workshop in der Rothenkruger Bibliothek die verschiedenen Anwendungsmethoden von Tragehilfen.

Anne Nielsen ist Mutter von drei Kindern. Nummer vier ist unterwegs. „Ich habe alle meine Kinder getragen und freue mich schon darauf, das vierte tragen zu dürfen. Unser knapp Dreijähriger will nämlich nicht mehr getragen werden, sondern die Welt selbst erkunden“, sagt sie.

Anne Nielsen ist ursprünglich ausgebildete Volksschullehrerin. Als sie ihr erstes Kind bekam, suchte sie vergeblich nach Hilfe bei der Anwendung von Tragehilfen. Sie entschied sich schließlich, selbst die Ausbildung zur Trageberaterin zu machen. Es gibt dafür tatsächlich in Dänemark eine Schule, die sich darauf spezialisiert hat: „Slyngeskolen“ in Kopenhagen. „Das ist ein Onlinekursurs“, erzählt Anne Nielsen. Sie hat anschließend zudem eine englische Trageberaterinnenausbildung gemacht.

Tragekinder werden keine "Muttersöhnchen"

Es sei übrigens ein Trugschluss, dass getragene Kinder sich zu ausgesprochenen Mutter- oder Vatersöhnchen entwickeln. „Das Gegenteil ist der Fall“, stellt Anne Nielsen fest. „Untersuchungen belegen eindeutig, dass die Kinder, die von ihren Eltern viel am Körper getragen wurden, zwar eine enge Elternbindung entwickeln, aber auch viel schneller selbstständig werden. Sie haben mehr Selbstvertrauen, sind selbstsicherer. Ich kann das auch an meinen eigenen Kindern feststellen. Unser Dritter wurde mehr getragen als die anderen beiden und ich muss sagen, dass er viel mutiger und neugieriger ist“, so Nielsen.

Auch für die motorische Entwicklung des Kindes ist das Tragen von Vorteil. „Das Kind muss sich mit der Mutter oder dem Vater mitbewegen. Das stärkt die Muskulatur und fördert die Motorik“, erläutert sie die Vorteile des Tragens.

Anne Nielsen, Tragetücher und Tragegurte
An einer Puppe demonstriert die Trageberaterin wie das elastische Tragetuch richtig angelegt wird. Foto: Karin Riggelsen

Die Sicherheit muss gewährleistet sein

Ob man Tragetücher, Tragegurte oder andere Tragehilfen wählt, ist Anne Nielsen dabei völlig egal. „Das ist echt Geschmackssache. Meine Aufgabe als Trageberaterin ist es aber darauf zu achten, dass die Sicherheit des Kindes gewährleistet ist und dass das Kind ergonomisch richtig sitzt“, erzählt Anne Nielsen. „Übrigens wird nicht der gleiche Effekt erzielt, wenn man das Kind viel auf dem Arm trägt. Das mag überraschen, aber das belegen die Studien ebenfalls“, fügt sie hinzu.

Bei dem Workshop in Rothenkrug hatten die drei anwesenden Mütter allesamt bereits elastische Tragetücher gekauft, hatten aber noch nicht ganz den Dreh heraus, wie das Tuch richtig angelegt wird. „Bei diesen Workshops sind sechs Teilnehmer die Obergrenze. Vier Teilnehmer sind fast schon ideal. So bleibt mir mehr Zeit, jedem einzelnen individuelle Hilfestellung zu geben“, sagt sie.

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