Kriminalität

Diebe schlitzen auf der Jagd nach Diebesgut Löcher in die Planen

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Pattburg/Padborg
Zuletzt aktualisiert um:
Diebe schlitzen die Plane auf und schauen, ob der Lkw wertvolle Ware geladen hat. Foto: dpa

Bis zu 74 Prozent der Lastwagen haben Löcher in der Plane. Diebesbanden schauen sich erst die Ware an – und schlagen dann effizient gegen Lkw zu. Durch die Banden entsteht jährlich ein Milliardenschaden auf Europas Straßen.

Sie arbeiten schnell und zielgerecht: Diebesbanden schlagen auf Rastplätzen gegen Lkw zu, indem sie Löcher in die Plane schlitzen, um sich die Ware auf dem Lastwagen anzusehen. Sehen sie etwas Wertvolles, wird schon mal der ganze Lkw entleert – oftmals während der Fahrer noch schläft.

„Die Diebe arbeiten systematisch. Untersuchungen haben gezeigt, dass von 100 Lastwagen die bei Fröslee/Frøslev über die Grenze nach Dänemark gefahren sind, 74 Gucklöcher in den Planen hatten", erklärt Lars Haugaard Thomsen gegenüber dem Magazin der Fuhrunternehmer, DTL-magasinet.

Thomsen ist bei der Spezialeinheit UKA (Udlændinge Kontrol Afdelingen) der Polizei in Nordschleswig und Südjütland. Er nimmt an dem zweijährigen Projekt „Project Cargo" der Europol teil. Bei diesem arbeiten Polizisten in mehreren Ländern, darunter auch Deutschland und Polen, um den Diebesbanden auf die Spur zu kommen.

Was mit dem Diebesgut passiert, weiß die Polizei noch nicht. „Aber es dreht sich um organisierte Kriminalität und um Diebesgut verschiedenster Art, das aufbewahrt und weiterverkauft wird. Dabei spielen polnische Gruppierungen eine wichtige Rolle", sagt Thomsen.

Lego auf dem Rastplatz

Bei einem Fall 2018 schlug die Polizei gegen eine Gruppe Polen zu. Sie hatten auf einem Rastplatz Lego-Spielwaren auf einem Lkw entdeckt. Die Ware wurde vom Lkw auf einen anderen Laster umgeladen. Was die Bande nicht wusste: Die Polizei schaute mit und schlug zu, als die Diebe den Rastplatz verlassen wollten. Auch der Fahrer des Lego-Transports wurde verhaftet. Die anderen Diebe flüchteten zunächst auf die andere Autobahnseite und flohen von dort aus in einem bereitstehenden Wagen. Dieser wurde später auf deutscher Seite angehalten, und die Täter wurden festgenommen.

Der Fall ist kein Einzelfall. Laut Europol werden Wertgegenstände in Höhe von 60 Milliarden Kronen auf den europäischen Straßen und Autobahnen gestohlen. „Project Cargo" soll der Polizei, Fuhrunternehmern und Versicherungsgesellschaften neues Wissen geben und dabei helfen, solche Taten in Zukunft zu verhindern.

Frank Davidsen von der Organisation der dänischen Fuhrunternehmer, Dansk Transport & Logistik, fordert seine Mitglieder dazu auf, alle Fälle bei der Polizei anzuzeigen. „Auch wenn ,nur' die Plane aufgeschlitzt worden ist. Die Polizei braucht diese Informationen, um festzustellen, wo die Banden operieren", sagt Davidsen zu DTL-magasinet.

Mehr lesen