Leitartikel

„Anstand mit Abstand“

Anstand mit Abstand

Anstand mit Abstand

Nordschleswig/Apenrade
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Die Corona-Krise hat in vielen Menschen das Beste hervorgerufen. Aber leider versagt der moralische Kompass bei einigen Leuten auch, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

In Krisenzeiten zeigen sich die Leute von ihrer besten – oder auch schlechtesten – Seite. Das wird in der Corona-Pandemie, die erste wirkliche Krise nach dem Zweiten Weltkrieg, deutlich.

Es ist bewundernswert, wie viele Menschen in diesen Monaten kleine und große Opfer bringen, um uns gesund durch die Krise zu führen. Es fängt bei jedem Einzelnen an, der in diesen Tagen auf physische Distanz geht und für die Gemeinschaft auf einen normalen Alltag verzichtet. Sei es durch Homeoffice, Kinderbetreuung zu Hause oder den Verzicht auf Traditionen und Feiern mit Familien und Freunden. Durch Rücksicht entsteht Zuversicht. Es wird wieder gut.

Vor allem aber gilt das Lob den vielen Menschen, die an vorderster Front dem Coronavirus sozusagen in die Augen schauen: Krankenschwestern, Pflegepersonal, Reinigungskräfte, Heimhilfe, Ärzte und viele mehr. Man kann es nicht oft genug sagen.

Eigentlich müssten wir uns einfach über die vielen guten Beispiele freuen, die es möglich machen werden, dass wir bald wieder zu einem normalen Alltag zurückkehren können. So normal, wie es derzeit möglich ist.

Aber in Krisenzeiten sehen wir eben auch die Kehrseite der Menschen, Leute, deren moralischer Kompass gestört ist.

Diese Woche war ein Paradebeispiel schlechter Einschätzung: eine Black-Men-Demo, die aus dem Ruder läuft, als die Protestler eine Puppe, die Staatsministerin Mette Frederiksen ähnelt, mit einem Zettel versehen – Sie muss getötet werden – und sie anzünden.

Ärzte im Krankenhaus Sønderjylland in Nordschleswig, die eine digitale Hintertür im Impf-Programm finden, und sich in der Impf-Schlange nach vorne mogeln.

Kunden, die in den Supermärkten ausrasten, wenn sie von Angestellten darauf aufmerksam gemacht werden, bitte Abstand zu halten.

Wir sind nicht im Krieg, und die meisten von uns leiden keine Not. Wir sind gefragt, für einige Zeit einen kleinen Dienst zu leisten. Für die Gemeinschaft, für Nachbarn, Angehörige, Freund und Familie. Das geht – mit Anstand und Durchhaltevermögen.

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