Leitartikel

„Sommer ohne Fest“

Sommer ohne Fest

Sommer ohne Fest

Nordschleswig/Apenrade
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Ehrenamtler stehen vor viel zu viel Bürokratie bei der Durchführung von Veranstaltungen und Festen, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Sommerfest – was ist das noch? Man erinnert sich kaum noch daran, denn sowohl 2020 als auch 2021 hat die Corona-Pandemie den meisten großen Sommerfesten ein Bein gestellt. Ringreiten, Musikevents und Dorffeste sind alle dem Virus zum Opfer gefallen.

Nur im Kleinen geht es im Privaten und in Vereinen langsam wieder los. Aber immerhin. Und dann gibt es in Dänemark gerade das ganz große Gemeinschaftsfest um die Fußballnationalmannschaft herum. Gemeinsam feiern – das brauchen wir wieder.

Ansonsten ist allerdings meist tote Hose – auch in Nordschleswig. Die Veranstalter haben bereits in der Planungsphase im Frühjahr die Segel gestrichen. Man hat sich dann doch nicht getraut, weil die Gesamtsituation zu unsicher war oder die Auflagen zu kompliziert.

Was die meisten nicht ahnen, wenn sie über den Ringreiterplatz in Apenrade spazieren, beim Festival in Tondern mitsingen oder beim Dorffest in Tingleff aufeinander zuprosten: Der bürokratische Aufwand, um ein solches Fest – auch im Kleinformat – zu veranstalten ist inzwischen immens.

Hüpfburg? Antrag. Bierausschank? Antrag. Lotterie? Antrag. Zelt? Antrag. Und so geht es lustig weiter. Fluchtwege müssen aufgezeichnet werden (auch auf dem offenen Feld) und die Terrorsicherung muss ausführlich beschrieben werden (auch beim klassischen Konzert auf dem Dorf-Sportplatz). Die Auflagen nehmen kein Ende.

Es ist einfach zu viel des Guten geworden.

Das meinen auch drei Folketingsmitglieder der Partei Venstre, darunter Eva Kjer Hansen und Anni Matthiesen, beide aus dieser Region. Sie weisen darauf hin, dass für den Pfingstmarkt in Gramm 26 Anträge nötig sind, für einen Flohmarkt anderswo 18.

Selbst in einem durch und durch digitalisierten Dänemark müssen die Veranstalter bei fünf verschiedenen Behörden, in fünf verschiedenen Portalen fünf verschiedene Formulare ausfüllen.

Das geht eindeutig zu weit, denn in den Vereinen sitzen primär Ehrenamtler, die diese Feste in ihrer Freizeit planen und durchführen. Außerdem hört die Arbeit nicht bei den Anträgen auf, sondern auch bei der Durchführung der Feste wird den Veranstaltern viel extra Arbeit abverlangt.

Die Venstre-Politiker fordern dazu auf, die Wartezeit bis zum nächsten Sommer dafür zu nutzen, eine brauchbare Lösung für die Vereine und Veranstalter zu finden, die mit weniger Bürokratie verbunden ist. Dazu gehört unter anderem ein digitaler Eingang zu allen Behörden, um somit eine gesammelte Bewerbung abzuschicken.

Es reicht allerdings nicht, die Dorffeste und Festivals zu entbürokratisieren. Auch die Auflagen müssen erleichtert werden, beziehungsweise Sinn ergeben. Fluchtwege auf dem offenen Sportfeld, Terrorsicherung beim Ringreiten oder ein Sicherheitsbeauftragter beim Dorffest – das muss nicht sein.

Aus der bürokratischen Zwangsjacke muss für das ehrenamtliche Vereinsleben schnellstmöglich eine helfende Hand werden. Spätestens bis zum nächsten Sommerfest.

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