Digitalisierung

Aus NemID wird jetzt MitID

Aus NemID wird jetzt MitID

Aus NemID wird jetzt MitID

Kopenhagen
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Federführend bei der Einführung des neuen digitalen Identifikationssystems sind der stellvertretende Direktor der Digitalisierungsbehörde, Adam Lebech (l.), und der Digitalisierungsdirektor bei Finans Danmark, Michael Busk-Jepsen. Foto: Olafur Steinar Gestsson/Ritzau Scanpix

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Am 6. Oktober 2021 wird in Dänemark ein neues digitales Identifikationssystem eingeführt. MitID soll die Sicherheit in der digitalen Welt verbessern. Erste Nutzerinnen und Nutzer können das neue System ab heute verwenden – allerdings nur, wenn sie über einen dänischen Pass verfügen.

Online-Banking, die Ummeldung des eigenen Wohnsitzes oder ein Brief an die kommunale Verwaltung – all das geschieht heutzutage überwiegend online. Damit man sich als derjenige ausweisen kann, der man angibt zu sein, benötigt man bei all diesen Vorgängen ein digitales Identifikationssystem, seit über zehn Jahren bekannt unter dem Namen „NemID“.

Jetzt bekommt es einen Nachfolger. Seit dem 6. Oktober 2021 wird das Identifikationssystem für sämtliche Vorgänge in der digitalen Welt schrittweise durch „MitID“ ersetzt. Die ersten Nutzerinnen und Nutzer haben deshalb bereits eine Nachricht erhalten, dass sie auf das neue System wechseln können.

Hinter dem Wechsel steckt der Wunsch nach neuen digitalen Lösungen und mehr Sicherheit.

Testlauf bereits seit Juni

MitID ist seit Juni von mehreren Tausend Personen getestet worden. Die Digitalisierungsbehörde, die für die Lancierung verantwortlich ist, bezeichnet die neue Technik deshalb als von Beginn an „einfach und sicher zu benutzen“.

Adam Lebech, stellvertretender Direktor in der Digitalisierungsbehörde, verspricht in der Übergangsphase zudem umfassende Hilfestellung. „Alle NemID-Nutzer erhalten in diesen Tagen digitale Post mit Informationen dazu, wie sie MitID bekommen können. Außerdem wird es ausführliche Informationen und Hilfe geben während des Überganges zur neuen digitalen ID“, so Lebech. Dies gelte insbesondere auch für ältere Menschen. Die Digitalisierungsbehörde hat deshalb eine enge Zusammenarbeit mit der Organisation Ældre Sagen initiiert.

Umstellung dauert bis ins nächste Jahr

Allerdings wird sich der Wechsel über einen längeren Zeitraum strecken, sodass zunächst nur eine begrenzte Zahl an NemID-Nutzerinnen und Nutzern Zugang zu MitID erhält. Zumeist geschieht dies über das eigene Internet- oder Mobilbanking. Man erhält dort dann automatisch eine Nachricht, wenn man das neue System in Gebrauch nehmen kann. Nutzer ohne Online-Banking erhalten die Nachricht in ihr digitales Postfach. Abgeschlossen sein soll die Umstellung erst im Laufe des kommenden Jahres.

Weiterhin nur eine digitale ID erforderlich

MitID wurde in einer Partnerschaft zwischen den Behörden und Geldinstituten entwickelt. Auf diese Weise soll sichergestellt sein, dass man auch künftig nur eine digitale ID benötigt, unabhängig davon, ob man sich bei seiner Bank oder beispielsweise auf borger.dk einloggt. Hinter der Partnerschaft stehen die Digitalisierungsbehörde und Finans Danmark als Eigner zu gleichen Anteilen.

„MitID ist das bisher größte öffentlich-private IT-Projekt, und alle NemID-Nutzer mit auf die neue Plattform MitID zu bekommen ist eine große Aufgabe. Der Übergang wird deshalb ein wenig Zeit in Anspruch nehmen, und wir müssen uns alle an die Nutzung von MitID gewöhnen. Deshalb stehen die Banken auch in den Startlöchern, um allen neuen Nutzern für einen erfolgreichen Start mit dem neuen System zu helfen“, sagt der Digitalisierungsdirektor von Finans Danmark, Michael Busk-Jepsen.

Das Logo von MitID Foto: Digitaliseringsstyrelsen

Keine wesentlichen Änderungen in der Praxis

Für die Nutzer, die bereits auf das neue System gewechselt haben, ändert sich in der Praxis allerdings unmittelbar nichts Wesentliches. Der deutlichste Unterschied ist womöglich, dass es bei MitID nicht mehr „Pling“ sagt, wenn man versucht, sich auf einer Internetseite zu registrieren. Stattdessen muss man selbst die App öffnen, woraufhin einem in der App angezeigt wird, dass eine Authorisierungsanfrage vorliegt. Außerdem ist es nicht länger möglich, seine CPR-Nummer als Nutzername zu verwenden. Man muss stattdessen selbst einen Nutzernamen anlegen.

Weitere Beteiligte werden hinzukommen

In den kommenden Monaten sollen viele Organisationen und Firmen an die neue Lösung angebunden werden, sodass MitID künftig für weitere private und öffentliche Online-Dienste genutzt werden kann. Aus diesem Grunde wird es noch eine Zeit lang Fälle geben, bei denen man sich noch mit seiner NemID legitimieren muss. Aus diesem Grunde sollte man auch seine NemID-App oder Pappkarte noch ein Weilchen behalten.

Geduld für Personen ohne dänischen Pass

Warten müssen auch noch alle diejenigen, die nicht über einen dänischen Pass verfügen. Dieser ist momentan noch obligatorisch, um sich einmalig für MitID zu legitimieren. Rund 500.000 Personen sind davon betroffen. Bei der Umstellung liest das Smartphone nämlich den Chip im dänischen Pass, um die Identität der Person eindeutig und sicher festzustellen.

Pappkarte endgültig Vergangenheit

Die Nutzung einer physischen Pappkarte mit einmalig nutzbaren Codes ist mit MitID nicht mehr möglich, da sie einfach kopiert und geteilt werden kann. Außerdem hat es Betrugsfälle gegeben, bei denen sie aus dem Briefkasten von Personen, die eine neue Karte beantragt hatten, gestohlen worden war. Jedoch besteht bei der Aktivierung von MitID die Möglichkeit, um einen MitID Kodelesegerät zu bitten, das es zudem auch in einer Variante gibt, bei der einen der Code vorgelesen wird. Letzteres ist eine Hilfestellung für Personen, die schlecht sehen können.

Technische Anforderungen und Hilfestellung

Um die MitID-App nutzen zu können, ist mindestens ein iPhone mit dem Betriebssystem iOS 12 erforderlich (kompatibel bis zum iPhone 5s aus dem Jahre 2013). Auf Android-Telefonen muss mindestens die Version 7 des Betriebssystems aus dem Jahre 2016 installiert sein.

Personen, die Hilfe benötigen, können die Nummer 70 10 55 01 anrufen. Sie ist montags bis donnerstags von 8 bis 21 Uhr, freitags von 8 bis 18 Uhr, sonnabends von 10 bis 18 Uhr und sonntags von 10 bis 21 Uhr besetzt.

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