Infrastruktur

Die Autobahn, die verschwand

Die Autobahn, die verschwand

Die Autobahn, die verschwand

Hadersleben/Kopenhagen
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Verkehrsminister Benny Engelbrecht (Soz.) ist gegen eine Heerweg-Autobahn durch Mitteljütland. Foto: Mads Claus Rasmussen/Ritzau Scanpix

Bei der Präsentation des Infrastruktur-Plans der Regierung fehlten wichtige Projekte. Verkehrsminister Benny Engelbrecht ist kein Befürworter der Heerweg-Autobahn, die bei Hadersleben beginnen soll.

Die sozialdemokratische Regierung präsentierte am Donnerstag jede Menge Infrastrukturprojekte, die in den nächsten zwei Jahrzehnten umgesetzt werden sollen. Doch nicht nur die neuen Vorschläge verschafften dem Infrastrukturplan der Regierung Aufmerksamkeit – es fehlten auch wichtige Projekte im Plan.

Im Vorschlag der Sozialdemokraten fehlten unter anderem Projekte, die bisher die Unterstützung der Regierungspartei hatten. Darunter die Pläne für eine Heerweg-Autobahn durch Mitteljütland. Die neue Autobahn, die in Hadersleben (Haderslev) beginnt/endet, soll für Entlastung auf der E45 entlang der Ostküste Jütlands sorgen. Dort versandet der Verkehr immer mehr.

Transportminister Benny Engelbrecht aus Sonderburg (Sønderborg) hat die vergangenen Monate allerdings keinen Hehl daraus gemacht, dass die Heerweg-Autobahn nicht auf seinem Wunschzettel steht.

„Gesellschaftsökonomisch ist die Heerweg-Autobahn ein schlechtes Geschäft, das außerdem nicht für die notwendige Entlastung der E45 sorgt“, sagt Engelbrecht.

Der mögliche Verlauf einer Heerweg-Autobahn durch Mitteljütland Foto: Vejdirektoratet

Teil-Ausbau der E45

Stattdessen schlägt die Regierung einen Ausbau der E45 von vier auf sechs Spuren vor – dies gilt für Teile der Strecke von Kolding über Aarhus nach Randers.

Die fehlende Autobahn stößt in den eigenen Reihen der Sozialdemokratie auf Kritik, zumal der jetzige Gesundheitsminister Magnus Heunicke 2014 seinerzeit als Verkehrsminister die Heerweg-Autobahn als „Projekt der Zukunft“ bezeichnet hatte.

Auch im Wahlkampf 2017 setzten die Sozialdemokraten auf die mitteljütische Autobahn. Diese sei „wichtig“, so der Verkehrssprecher der Partei, Christian Rabjerg.

Enttäuschter Sozialdemokrat

Der Vorsitzende des Heerweg-Komitees, das frühere sozialdemokratische Folketingsmitglied Poul Andersen, ist enttäuscht.

„Ich bin verwundert, dass man sich plötzlich nicht mehr zum Projekt bekennen will. Es stört mich, dass es aus den Reihen meiner eigenen Partei kommt, denn von dort kam viele Jahre das Signal, es sei ein gutes Projekt“, sagt Andersen, der heute im Regionsrat Süddänemarks sitzt.

Der frühere Verkehrsminister und jetzige Sprecher der Liberalen Allianz, Ole Birk Olesen, bezeichnet den sozialdemokratischen Rückzieher als „Wählerbetrug“, während sich Kristian Pihl Lorentzen von Venstre wundert: „Die Sozialdemokraten haben in Sachen Heerweg-Autobahn einen hoch profilierten Wahlkampf gefahren – und nun ist die Autobahn plötzlich verschwunden“, sagt Lorenzen zu „Jyllands-Posten“.

Die Regierung nimmt in Kürze die Verhandlungen mit den anderen Folketingsparteien auf.

Der Infrastrukturplan der Zukunft: Vorwärts Dänemark. Foto: Mads Claus Rasmussen/Ritzau Scanpix
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