Hafenfront

Proteste gegen geplantes Hochhaus: „Ein Monstrum“

Proteste gegen geplantes Hochhaus: „Ein Monstrum“

Proteste gegen geplantes Hochhaus: „Ein Monstrum“

Hadersleben/Haderslev
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So sieht eine Visualisierung des geplanten Hochhauses am Hafen aus. Foto: Ute Levisen

In dieser Woche endet die Anhörung zum Flächennutzungsplan, der einem Hochhaus an der Haderslebener Waterkant den Weg ebnen soll. Die Zahl der Befürworter im Rahmen der Anhörung lässt sich an einer Hand abzählen. Das Urteil von Experten fällt harsch aus: „Es ist ein Monstrum, das alle guten Absichten sprengt.“

Das Volk hat gesprochen – darunter sogar Leute vom Fach: Die Mehrheit jener Bürger, die sich im kommunalen Forum „BlivHørtiHaderslev“ geäußert haben, macht aus ihrem Unmut über den geplanten Bau eines Hochhauses am Haderslebener Hafen keinen Hehl – und weist den Daumen nach unten.

„Vergesst es einfach!“

Die öffentliche Anhörung für den Kommuneplan und die Ergänzung zum Bebauungsplan, die dem in breiten Teilen der Lokalbevölkerung umstrittenen Projekt den Weg ebnen sollen, läuft in dieser Woche aus. Der Tenor der Antworten ist unmissverständlich: „Vergesst das Vorhaben, und fangt noch mal von vorne an!“

Der Vorsitzende des Kunsthauses betont in seiner Antwort, er sei nicht gegen Entwicklung: „Aber so nicht!“ Foto: Ute Levisen

Der Vorsitzende des Haderslebener Kunsthauses Altes Hafenamt, Hans Vilhelm Bang, spricht gar von einem Monstrum mit Blick auf das Hochhaus, das eine Höhe von über 40 Metern haben soll und damit auch den Dom zu Hadersleben in den Schatten stellen würde. Bang prophezeit zudem Verkehrschaos. Seine Aufforderung an die Investoren und Bauherren: „Denkt euch was Schönes aus, das zur Umgebung passt!“

Entzug von Lebensqualität

Auch der Verein „By & Land Haderslev“, der sich die Bewahrung kultureller Werte auf die Fahnen geschrieben hat, äußerst sich unmissverständlich und lässt an dem Planungsentwürfen kein gutes Haar. Er bezeichnet eine eventuelle Umsetzung als Frevel an dem Stadt- und Landschaftsbild der alten Handelsstadt Hadersleben:

„Es entzieht diesem Ort, der zu einem Bindeglied zwischen Altstadt und Hafen werden soll, jegliche Lebensqualität“, moniert der Vorsitzende Helge C. Jacobsen.

Der Vorsitzende des Vereins „By & Land Haderslev“, Helge C. Jacobsen, findet klare Worte in seiner Antwort zum Hochhausplan. Foto: Ute Levisen

Kritik aus berufenem Munde

Unterstützung erhält Jacobsen aus berufenem Munde: von dem Architekten Lars Nicolai Bock, Vorstandsmitglied des europäischen Denkmalschutz-Verbundes Europa Nostra sowie Mitglied von ICOMOS (International Council on Monuments and Sites), ein Gremium, das die Unesco bei der Denkmalpflege berät.

„Was habt ihr euch dabei gedacht?“

Architekt Bock beklagt, dass die Pläne gegen den bestehenden Masterplan für den Hafen und gegen den Flächennutzungsplan verstoßen würden – und dass es hierfür keinen Grund gebe: „Was hat sich die Kommune dabei gedacht, die gründliche Planungsarbeit ihrer Mitarbeiter bewusst zu ignorieren?“

Die Pläne, kritisiert Bock, wirkten unreif und scheinten ausschließlich Profitinteressen zu dienen.

Was Hadersleben angeht, so wird es höchste Zeit, dass man bei derlei wichtigen Angelegenheiten auch einmal Experten zu Wort kommen lässt.

Carsten Leth Schmidt, Mitglied des Kommunalparlaments für die SP

SP: Flensburger Vorbild

Für den Kommunalpolitiker Carsten Leth Schmidt von der Schleswigschen Partei (SP) ist der öffentliche Unmut ein gegebener Anlass, seinen Vorschlag für einen Gestaltungsbeirat nach Flensburger Vorbild für die Kommune zu wiederholen und eine entsprechende Mitgliedsinitiative zur Abstimmung in das Kommunalparlament zu bringen.

„Hadersleben hat sein braunes Hinweisschild auf die Domstadt als Sehenswürdigkeit erhalten, um auf den schleswigschen Baustil zu verweisen, der die Stadt zu einem kulturgeschichtlichen Kleinod macht. Bei dem Hochhausprojekt geht es daher nicht nur um Höhe und Breite. Dort fehlt das kreative Element, das das Bauvorhaben zu einem harmonischen Ganzen mit seiner Umgebung macht.“

Höchste Zeit für Expertenrat

Vor dem Hintergrund der neuerlichen Debatte wiederholt der Kommunalpolitiker seinen Vorschlag für einen Gestaltungsbeirat (Arkitekturråd), bestehend aus Fachleuten, die beispielsweise Bürgern in einem demokratischen Anhörungsverfahren Rede und Antwort stehen, wenn es um einschneidende Bauvorhaben geht.

„Was Hadersleben angeht, so wird es höchste Zeit, dass man bei derlei wichtigen Angelegenheiten auch einmal Experten zu Wort kommen lässt.“

Carsten Leth Schmidt, SP, wiederholt seinen Vorschlag für einen Gestaltungsbeirat und wird zur nächsten Sitzung des Kommunalparlaments eine entsprechende Mitgliedsinitiative zur Abstimmung bringen. Foto: Ute Levisen
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