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Versuch macht klug: Comeback für Brücke über Mühlenstrom

Karin Friedrichsen
Karin Friedrichsen Journalistin
Hadersleben/Haderslev
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Stadtratsmitglied der Schleswigschen Partei (SP) und stellvertretender Vorsitzender des Kultur- und Freizeitausschusses, Carsten Leth Schmidt, nahm an der Einweihung teil. Foto: Karin Friedrichsen

Eine 36 Meter lange Pontonbrücke verbindet den Stadtrand mit der Innenstadt. Festliche Einweihung mit Reden, Croissants und zahlreichen Teilnehmern. SP-Stadtratspolitiker Carsten Leth Schmidt wertet die Brücke als Bindeglied einer ganzheitlichen Entwicklungsstrategie.

Die Erarbeitung einer neuen Strategie für den Stadtkern der Domstadt begann im Herbst des Vorjahres. Drei Bürgertreffen fanden statt, und engagierte Mitbürger haben sich einem Entwicklungsforum angeschlossen. Neben dem Graben gehören der Mühlenstrom und Hertugens Baghave zu den Schwerpunktgebieten. Am Wochenanfang kamen zwei wichtige Vorprojekte in Gang: Eine Pontonbrücke am Mühlenstrom wurde eingeweiht – und der Graben für den Verkehr gesperrt. Diese Versuche laufen bis zum 1. April, erklärten Stadtplanerin Heidi Møller und Architekt Niels Ove Kildahl von „Hele Landet – Sociale Arkitekter“. Zeitgleich kommt der Grünmarkt aus seinem „Exil“ an der Bredgade zurück an den Graben.

Jeppe Friis (Foto) baute die Pontonbrücke zusammen mit Kenneth Drexel. Foto: Karin Friedrichsen

Regattaforening und Søsportscenter verlegten Pontonbrücke

„Hele Landet – Sociale Arkitekter“, die die Kommune Hadersleben engagiert hat, die Projekte umzusetzen, haben sich von Ehrenamtlichen von „Sønderjysk Regattaforening“ und „Haderslev Søsportscenter“ beim Bau der Pontonbrücke helfen lassen. Die Vereine haben den etwa 30 Meter langen Schwimmkörper an die Kommune vermietet. Ihre Mitglieder haben beim „Brückenschlag“ Hand angelegt. Zu den insgesamt sieben Helfern zählen Jeppe Friis vom „Søsportscenter“ und Kenneth Drexel vom Regattaverein und vom Deutschen Ruderverein Hadersleben (DRH). Während Friis an der Einweihung teilnahm, war Kenneth Drexel arbeitsbedingt verhindert: „Wir haben noch am Sonntag eine Verlängerung der Rampe vorgenommen. Alles in allem haben wir viele Stunden in das Projekt gesteckt“, erzählte Jeppe Friis.

Brücke verbindet seit Jahrhunderten

Die Pontonbrücke ruft bei Haderslebenern Erinnerungen an die Weiße Brücke wach, die etwa 100 Jahre ein beliebtes Postkartenmotiv der Domstadt war. Die Brücke wurde vor etwa 20 Jahren abgerissen, was viele Proteste auslöste. Lennart Madsen, Abteilungsleiter am Museum Sønderjylland Archäologie Hadersleben, ließ in einem kurzen Rückblick Eckdaten der Stadtgeschichte Revue passieren. Ziel des Projektes ist es zu testen, welche Bedeutung eine neue Brücke für die Entwicklung am Mühlenstrom und für die Zusammenführung von Stadtrand und Stadtkern haben könnte. Die Pontonbrücke wird bis zum 1. April die Querung des Mühlenstroms, vom Ny Erlevvej bis Dannevirkestræde ermöglichen. Dem Bau der interimistischen Brücke sind viele Berechnungen vorausgegangen. Die Schwimmbrücke wurde mit Verankerungen befestigt. Sicherheitsabschirmungen schützen vor Fallunfällen. Eine Lichterkette leuchtet das Testgebiet aus, und für das Projekt sind 60.000 Kronen abgesetzt worden, so Stadtplanerin Heidi Møller.

Bürgermeister H. P. Geil (V) (l.) und Benny Bonde (LA), durchtrennten das rote Band. Foto: Karin Friedrichsen

Technischer Ausschuss: Bau der Brücke sorgt für Gesprächsstoff

Viele Bürger und Stadtratspolitiker strömten zur Eröffnung an den Mühlenstrom. Mitarbeiter der Kommune kredenzten Croissants und Kaffee. Nachdem Bürgermeister H. P. Geil (V) und Benny Bonde (LA), Vorsitzender des Technischen Ausschusses, das rote Band durchtrennt hatten, begaben sich alle auf einen Testlauf. Am „Dannevirkestræde-Ufer“ angekommen ist der Abstand zum Klosterfriedhof, in den Dammpark und die Innenstadt kurz. Aus Sicherheitsgründen dürfen sich jeweils nur 15 Personen auf der Pontonbrücke aufhalten. Benny Bonde ist Fürsprecher einer permanenten Hochbrücke. Diese könnte, so Bonde, für rund 250.000 bis 300.000 Kronen gebaut werden. In seinem Ausschuss werde der Bau einer Brücke bereits seit Jahren diskutiert. Bislang sei man aber auf Widerstand bei Grundbesitzern am westlichen Ufer gestoßen, erklärte der Politiker. In seiner Rede erzählte Bonde eine Anekdote aus früheren Jahren, als die vor drei Jahren verstorbene Aase Gøttsche, einstiges Mitglied des Haderslebener Stadrates für Fremskridstpartiet, bei den jährlichen Haushaltsverhandlungen um Mittel für den Erhalt der Brücke kämpfte.

Poul-Erik Hansen wohnt am Mühlenstrom. Er ist von der Idee angetan, eine permanente Brücke zu bauen. Foto: Karin Friedrichsen

SP-Politiker: Hadersleben in einer anderen Größenordnung attraktiv machen

Stadtratsmitglied der Schleswigschen Partei (SP) und stellvertretender Vorsitzender des Kultur- und Freizeitausschusses, Carsten Leth Schmidt, war einer der über 50 Teilnehmer der Eröffnung – und positiv überrascht über die gute Resonanz. „Die Brücke ist ein super Element, um auf eine Naturperle aufmerksam zu machen. Das ist eine historische Ecke, wo man viele Geschichten erzählen kann. Die Stadtnatur macht Hadersleben zu etwas Besonderem. Die Brücke offenbart neue Möglichkeiten, möchte man Hadersleben zu Fuß erkunden“, sagte er.Der SP-Politiker möchte sich dafür einsetzen, dass die Domstadtkommune verstärkt mit Blick auf die Stadtnatur weitere Erlebnismöglichkeiten schafft. Die Brücke sei ein wichtiger Bestandteil im ganzheitlichen Plan, um die Stadt mit kleinen und großen Maßnahmen in einer neuen Größenordnung als bisher attraktiv zu machen. Eine Brücke wäre ein Bindeglied, ein wichtiger Teil eines ganzheitlichen Stadtbildes mit Jomfrupark und moderner Schwimmhalle in der Nähe vom Streetdome, erklärte Leth Schmidt. Er fügte hinzu, dass in den kommenden Jahren in Hadersleben geklotzt werden müsste, damit man es schaffe, die angedachten Projekte auch zu finanzieren. „Meine Version ist es eine moderne Schwimmhalle, die Sportschwimmer unterstützen kann und sich auch an Familien und Senioren wendet – beispielsweise mit Warmwassererlebnissen.“ Die einzigartige Möglichkeit, ein Hafenbad mit Außenbad zu kombinieren solle man, so Leth Schmidt, nutzen, um dadurch Erlebnisse, im Sommer wie im Winter, für Jung und Alt zu schaffen.

Jais Hammer mit Sohn Arne Gejl Hammer auf dem Arm. Der Architekt wohnt in Kopenhagen. Er nutzte den Besuch in der Heimatstadt, um an der Eröffnung teilzunehmen. Foto: Karin Friedrichsen

Brückenschlag und Sperrung des Grabens

Während der Brückenschlag groß gefeiert wurde, ging die Sperrung des Grabens ruhiger vonstatten, obwohl Verkehrsprobleme nicht ausblieben. Der Platz bleibt drei Wochen lang Passanten vorbehalten. Autos müssen auf die Norderstraße, die tagsüber in beide Richtungen befahrbar ist, ausweichen. Lediglich die Durchfahrt zum Parkplatz am Kannikeplads und zu privaten Parkplätzen bleibt bestehen. Des Weiteren sind am Posthussvinget behindertengerechte Parkplätze eingerichtet worden.„Wir sind daran interessiert, die Meinung der Bürger zu hören. Daher bitten wir darum, dass die Haderslebener ihre Meinung kundtun, indem sie unsere Fragekärtchen ausgefüllt in einem der großen roten Postkästen legen, die wir aufgestellt haben“, sagte Architekt Niels Ove Kildahl.

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